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"Üstra darf zum 1. August die Tarife erhöhen"

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Üstra darf zum 1. August die Tarife erhöhen"

Die Üstra hebt die Preise drastisch an, Anwohner beschweren sich über das "Dirnenunwesen" – und Hannovers Postboten gehen zum Gegenangriff über: Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser vom 14. bis zum 18. Juli 1966 beschäftigt haben.

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Quelle: Herbert Rogge/Montage
18. Juli: Hannover ist im WM-Fieber

Wie sehen Hannovers Straßen aus, wenn ein WM-Spiel der Deutschen übertragen wird? Nicht erst heute ist das ein beliebtes Thema für die Zeitungen. Auch vor 50 Jahren kam HAZ-Fotograf Wilhelm Hauschild auf diese Idee. Mit diesem Foto starten wir in dieser Woche unsere HAZ-Serie.

Hannovers Innenstadt während des WM-Spiels Deutschland gegen Argentinien.

Hannovers Innenstadt während des WM-Spiels Deutschland gegen Argentinien.

Quelle: Hauschild
19. Juli: Kampf den "Autokavalieren"

Am 19. Juli 1966 widmete sich die HAZ einem Thema, dass bei den betroffenen Anwohnern für erheblichen Ärger gesorgt hatte: das "Dirnenunwesen". Immer wieder gab es Beschwerden bei Stadt und Polizei über die Zustände des Straßenstrichs, der sich nahe der Autobahn-Auffahrt Hannover-Ost sowie in Buchholz und Lahe angesiedelt hatte. Mehrere Bürgervereine und Interessensgemeinschaften forderten deshalb von der Verwaltung, den innerstädtischen Sperrbezirk zu vergrößern - ein Ansinnen, dass schon einmal abgelehnt worden war. Die erneute Eingabe begründeten die Bürgervereine unter anderem damit, dass "ständig auch Kinder Zeugen dieses Unwesens werden". Vor allem verursachten "Autokavaliere" Störungen - sie würden sogar Frauen und junge Mädchen ansprechen. 

Die Polizei reagierte eher verhalten. Sie verwies auf die Gesetzeslage (Prostitution sei kein Straftatbestand) und bat zugleich um Mithilfe der Bürger. So sollten Anwohner die Kennzeichen der Fahrzeuge von "Autokavalieren" notieren, die mit ihren "Karussellfahrten" für Störungen sorgten. 

20. Juli: Syrische Studenten in der Stadt

Studenten aus dem Ausland sind in einer Universitätsstadt wie Hannover heutzutage völlig normal. Vor 50 Jahren war das noch anders – vor allem, wenn es sich bei der studentischen Reisegruppe um eine aus Syrien handelte. Und so wurden die 20 Gäste, über die die HAZ am 20. Juli 1966 berichtete, von der Stadt offiziell begrüßt. Für die angehenden Architekten von besonderem Interesse waren in Hannover die Verkehrsplanung und der Schnellstraßenring. Aus heutiger Sicht mag das verwundern, damals galt Hannover aber als herausragendes Beispiel für eine auto-gerechte Stadt. Auch die Wohnhäuser schienen den Syrern gefallen zu haben. Diese hätten sich ihnen, so sagte der Leiter der Studentengruppe der HAZ, "nicht nur als Bauwerke, sondern auch als Heime für Menschen gezeigt". 

Die Studenten vor dem Portal des Neuen Rathauses.

Die Studenten vor dem Portal des Neuen Rathauses.

Quelle: Hauschild

 

21. Juli: Üstra-Tickets werden teurer
Eine Stadtbahn am Steintor, aufgenommen imJahr 1969.

Eine Stadtbahn am Steintor, aufgenommen imJahr 1969.

Quelle: Herbert Rogge

Die Ticketpreise der Üstra sind immer für einen Aufreger gut. Das war bereits vor 50 Jahren so, als die HAZ am 21. Juli 1966 "Die Üstra darf zum 1. August die Tarife erhöhen" titelte. Denn die Erhöhung der Fahrpreise für die Stadt Hannover war ziemlich saftig: Um 40 Prozent – von 50 auf 70 Pfennig – stieg damals der Preis für eine innerstädtische sogenannte "Geradeaus"-Fahrt. Auch die Monatskarten wurde deutlich teurer und kosteten statt 30 Mark plötzlich 40 Mark. Hannover könne somit den "zweifelhaften Ruhm in Anspruch nehmen, neben Stuttgart die teuersten Fahrscheine aller Großstädte der Bundesrepublik zu haben", schrieb die HAZ leicht angesäuert.

Genehmigt werden musste die Erhöhung durch den Regierungsbezirk Hannover. Dessen Präsident Hans-Adolf de Terra versuchte die Bürger zu besänftigen, in dem er auf die Möglichkeit verwies, dass man ja auch die günstigen Sammelkarten kaufen könne ( was nicht bei allen Lesern verfing, siehe Beitrag unten).

21. Juli: Unterführung unter Wasser
Die Unterführung an der Beneckealle stand unter Wasser (links). Die an der Schulenburger Landstraße hingegen nicht, weil dort wegen Bauarbeiten an den Stadtbahngleisen Pumpen in Betrieb waren, um die Baustelle trocken zu halten.

Die Unterführung an der Beneckealle stand unter Wasser (links). Die an der Schulenburger Landstraße hingegen nicht, weil dort wegen Bauarbeiten an den Stadtbahngleisen Pumpen in Betrieb waren, um die Baustelle trocken zu halten. 

Quelle: HAZ-Archiv/Repro

Die Vinnhorster waren in den 60er Jahren leid geplagt – zumindest, wenn es ums Wasser ging. Denn sobald sich über Hannover ein Unwetter ergoss, hatten die Vinnhorster anschließend zu viel auf den Straßen. Neuralgische Punkte waren die Unterführungen an der Beneckealle und der Schulenburger Landstraße. Dort stand nach heftigem Regen das Wasser jedes Mal so hoch, dass es für Autofahrer mitunter zu riskant wurde weiterzufahren. Warum immer wieder Vinnhorst? Die damals noch eigenständige Gemeinde hatte ein zu großes Loch in der Kasse, um das Geld für ein dringend benötigtes Regenrückhaltebecken aufzubringen. 

22. Juli: Mysteriöser Schuss in der Nordstadt

Von einem "mysteriösen Vorfall" in der Nordstadt wusste die HAZ am 22. Juli zu berichten. Dort war an der Lutherkirche ein 46-Jähriger von einem Schuss getroffen worden. Das Projektil verletzte ihn so schwer, dass Lebensgefahr bestand. Die Polizei ging davon aus, dass der Mann nicht absichtlich angeschossen, sondern durch Zufall vom Projektil getroffen wurde. Er sei "Opfer groben Unfugs" geworden, zitierte die HAZ die Polizei, die zugleich an alle Eltern appellierte, sich der Gefahren bewusst zu sein, die "ein 'harmloses' Spiel mit dem Luftgewehr haben kann". 

22. Juli: Auch Hausfrauen machen Sport ...
Original-Bildunterschrift: "Bevor die Hausfrauen die Bratpfanne mit dem Schleuderball vertauschten, wurden sie begrüßt."

Original-Bildunterschrift: "Bevor die Hausfrauen die Bratpfanne mit dem Schleuderball vertauschten, wurden sie begrüßt."

Quelle: Hauschild

In den 60ern hatte das Wort "Hausfrau" noch einen anderen Klang als heute. Und so druckte die HAZ am 22. Juli einen halbseitigen Bericht über die neugegründete "Hausfrauensport"-Gruppe. Denn, so war bereits in der Überschrift zu lesen: Sport mit Staubtuch und Kochlöffel allein reicht der Hausfrau nicht mehr aus! Wir wissen nicht, wie alt der im Text zitierte Sportlehrer Hoch seinerzeit war, er pflegte aber allem Anschein nach klassische Rollenbilder. Zur Verabschiedung gab er den Teilnehmerinnen mit auf den Weg, beim nächsten mal pünktlich zu sein, damit man auch zeitig beginnen könne. "Sie alle wollen ja auch sicher noch das Mittagessen kochen." Na, denn! 

23. Juli: Pfefferspray für Hannovers Postboten

Einem für beide Seiten mitunter schmerzhaften Thema widmete sich die HAZ in der Wochenendausgabe vom 23./24.Juli 1966. Weil die Briefträger der Oberpostdirektion Hannover so häufig von Hunden gebissen wurden, schreiteten die Beamten zur Gegenwehr: Sie wurden mit Pfefferspray ausgestattet, um sich vor Hunden zu schützen. "Es mag ein Beweis für die Gefährlichkeit ihres Amtes sein, wenn zum Beispiel im Bereich der Oberpostdirektion Hannover im Jahr annähernd tausend ambulant zu behandelnde Hundebisse zu verzeichnen sind", wusste die HAZ zu berichten. Nicht bekannt sei, wie viele Hundeattacken die mutigen Briefträger durch "Tricks oder gutem Zureden" verhindern konnten. Hundebesitzer wurden von der Post beruhigt. Es werde natürlich nicht mit dem Spray geschossen, sollte der "kleine Waldi einmal schlechte Laune haben".

23. Juli: "Alle 20 Minuten brennt das Theater am Aegi"

Im Sommer 1966 debattierte Hannover über die Farbe des Theaters am Aegi. Eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Feuer lief der Wiederaufbau nach Plan. Nur bei der Wandfarbe war man sich nicht ganz einig, wie Anfang Juni der HAZ zu entnehmen war.  Am 23. Juli 1966 war das einst abgebrannte Theater wieder großes Thema in der HAZ - diesmal aber in einem kleineren Maßstab. Weil Ende August 1966 in Hannover die Internationale Polizeiausstellung IPA stattfinden sollte, hatten junge Polizeibeamten ein "sprechendes" Stadtmodell gebaut, mit dem die Arbeit der Polizei verdeutlicht werden sollte. Klar, dass der spektakuläre Brand am Aegi nicht fehlen durfte. "Alles sieht recht naturgetreu aus - nur spritzen können die Feuerwehrwagen nicht, weil das dem Modell schaden würde."

23. Juli: Dankschreiben an die Üstra

Die Erhöhung der Üstra-Tarife schlug in Hannover hohe Wellen. Und so druckte die HAZ in ihrer Wochenendausgabe auch einen Leserbrief zum Thema ab - wenn auch mit leicht verwirrender Überschrift. Aber lesen und schmunzeln Sie doch lieber selbst ...

Hier finde Sie alle Folgen der HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren".

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