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Ärger um "Reisende Gammler" in Hannover

HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" Ärger um "Reisende Gammler" in Hannover

Auf der Autobahn werden immer wieder zwielichtige Gestalten aufgegriffen. Und auch auf den Grünflächen müssen erst die "Spielplatz-Tanten" anrücken, um "Pennbrüder" zu vertreiben. Für unsere Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser vom 1. bis zum 6. August 1966 beschäftigt haben.

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Spaziergänger am Kröpcke. Auch sie dürften über die Schlagzeilen in der HAZ gesprochen haben.

Quelle: Montage
1. August: Hannover liebt seine Balkonpflanzen

Hannover. Sommerzeit ist Blütezeit - das war auch schon vor 50 Jahren so. Und offenbar haben die Hannoveraner damals eine so große Liebe zu ihren Pflanzen verspürt, dass sie sich gegenseitig in ihren Bepflanzungskünsten zu übertreffen suchten. Zum 48. (!) Blumenschmuck-Wettbewerb waren damals 1800 Balkone und Vorgärten gemeldet. 

Und die Bewertung wurde ernst genommen. "Sieben Gruppen zu je drei Bewertern beiderlei Geschlechts besichtigten sieben Stunden lang farbenfrohe Objekte in allen Teilen Hannovers", schrieb die HAZ. Die waren insgesamt recht zufrieden, obwohl Wind und Wetter den Pflanzen ziemlich zugesetzt hatten. Nur, wer den Wettbewerb gewonnen hat, das konnte noch nicht vermeldet werden. Denn die Preisträger wurden erst Anfang Oktober ausgezeichnet.

1. August: Einbruch während des WM-Finals

In Hannover ist es während der Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in England wie ausgestorben auf den Straßen. Besonders während des Finals zwischen Deutschland und den Gastgebern. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit, also wenige Minuten bevor eins der wohl berühmtesten (Nicht-) Tore der Fußballgeschichte fällt, klirrt eine Scheibe. Es ist die des Kunstsalons Saal. Einbrecher dringen in das Geschäft am Friedrichswall ein, nachdem dem sie einen Stein ins Fenster warfen. Der hinterlässt, heißt es passend, ein Loch "groß wie ein Fußball." Anschließend stehlen die Diebe antiken Schmuck im Wert von 15.000 Mark. Die Täter flüchten, können allerdings beschrieben werden. Unter anderem von einer Kellnerin aus einer Gaststätte. Denn die beiden Männer hatten sich mit einem Bier vorher offenbar Mut angetrunken.

2. August: "Spielplatztanten" vertreiben Pennbrüder

Die Hannoveraner sind in Sorge: Im Juni 1966 trieben sich "Schamverletzer und Sittlichkeitsverbrecher" auf den 17 Spielplätzen in Hannover herum, wie die HAZ zu berichten wusste. Doch die hannoverschen Frauenvereine hatten eine Lösung parat - die "Spielplatztanten".

Freiwillige Aufseherinnen, die für 20 Pfennig die Stunde die Augen offen halten sollten. Gleich der erste Einsatz bringt Erfolg: An der Hainhölzer Straße verziehen sich die "Pennbrüder", als die "Spielplatztante" ihren Job beginnt. Das dürfte eine Anwohnerin freuen, die ihre Tochter nicht allein auf den Spielplatz lassen wollte. "Allein kann ich sie bei den hier herumlungernden finsteren Gestalten nicht lassen." 

2. August: Eine Taube auf großem Flug

Tiere, sagt man in der Zeitungsbranche, gehen immer. Will heißen: Tiergeschichten interessieren. Und das taten sie auch schon vor 50 Jahren. In diesem Fall berichtete die HAZ über eine - leider namenlose - Taube. Die hatte an einem Wettflug von Genf nach Hannover teilgenommen.  Und gewonnen. In neun Stunden und 28 Minuten hatte sie die 744 Kilometer zurückgelegt. Die Zeitung rechnete vor: Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 88 Stundenkilometern. Die Konkurrenz war groß. 1600 Vögel waren dabei - alle aus Hannover.

4. August: Ermittlungserfolg nach Rekordeinbruch

"Fassungslos steht Besitzer Wehrle neben einem aufgeschweißten Panzerschrank", so beschreibt eine Bildunterschrift das Foto, das den Juwelier in seinem Geschäft an der Schillerstraße zeigte. Im Januar waren Einbrecher in eine Milchbar eingedrungen, hatten eine Wand zum Juweliergeschäft aufgebrochen und dort Schmuck geklaut. Es war ein Rekordeinbruch, denn der Wert des Schmucks betrug 250.000 Mark. Nach monatelangen Ermittlungen kam die Polizei einer Bande auf die Schliche, die in mehreren Großstädten ähnliche Überfälle verübt haben soll. Bei den Ermittlungen half Juwelier Wehrle zufällig mit. Er hatte ein Schmuckstück, das ihm gestohlen worden war, bei einem Juwelier in München gefunden.

5. August: Hannover hat keine Schwarzfahrer

Die Üstra schaffte in den 60er Jahren nach und nach die Schaffner in den Straßenbahnen ab. Im August 1966 berichtete die HAZ, dass nun auch auf der Linie 8 zumindest schaffnerlose Beiwagen eingesetzt werden sollen. Auf der Linie 18 sollen gar nur noch Fahrer arbeiten - und gar keine Schaffner mehr. "Der Erfolg des Systems", so wird die Üstra zitiert, "hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, den Anteil der sogenannten Schwarzfahrer in tragbaren Grenzen zu halten." Sorgen machen sich die Verkehrsbetriebe nicht. Schließlich seien bislang bei 1000 Benutzern von schaffnerlosen Beiwagen lediglich drei ohne Fahrkarte unterwegs gewesen. "Wir glauben, daß diese relativ geringe Zahl sowohl für die Ehrlichkeit unserer Fahrgäste als auch für die Güte unseres Selbstbedienungssystems beispielhaft ist." Heute ist Hannover eine Hochburg der Schwarzfahrer.

6. August: Von Gammlern und Ganoven

Wie arbeitet eigentlich die Autobahnpolizei? Ein spannendes Thema, das sich ein HAZ-Autor für eine Reportage ausgesucht hatte. Und spannend auch, was er zu berichten wusste, als er bei der Polizei in Garbsen vorbeischaute. Die Beamten arbeiten "wie auf einer Kommandobrücke", heißt es. Von dort haben sie die 3000 Autos im Blick, die pro Stunde vorbeiziehen. Und in denen sitzen immer wieder fiese Burschen. "Reisende Gammler und Ganoven schwimmen im endlosen Strom der Touristen" lautet die Überschrift des Artikels. Und der Autor ist bei einer Festnahme hautnah dabei. "Jürgen aus Berlin, ganze 15 Jahre alt, mit mädchenhaft langem, wohlgepflegtem Haar und 'Gammler', wie er sagt."

Die Beamten greifen ihn wegen Verdachts verschiedener Straftaten auf. Den Autor beschäftigt aber anderes: "Der junge Berliner hat nicht weniger als vier Gepäckausrüstungen bei sich, darunter seltsamerweise die gesamte Bekleidung für ein Mädchen, vom Minirock bis zu hautnaheren Dingen." Zum Glück kann der Verfasser notieren, dass Jürgen zur Kriminalpolizei nach Hannover gebracht wird. "Dort wird man weitersehen."

Von Christian Franke

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