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"Herzinfarkt mit 43? Unvorstellbar!“

HAZ-Telefonaktion "Herzinfarkt mit 43? Unvorstellbar!“

Thomas Düsterdiek überlebte einen Herzinfarkt, weil er den Notruf wählte und schnell ins Krankenhaus kam. Am Donnerstag beantworten Experten bei einer HAZ-Telefonaktion Fragen von Lesern zum Thema Herzinfarkt.

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Sabine Feise-Düsterdiek ist dankbar, dass ihr Mann Thomas den Herzinfarkt überstanden hat. Der 44-Jährige geht nur mit Patientenkarte aus dem Haus.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Zwei Tage vor dem Herzinfarkt fühlt sich das Leben von Thomas Düsterdiek noch ganz vertraut an. Mit seiner Frau hat er an einem Sonnabend Anfang Oktober in der Swiss-Life-Hall über den Komiker Kaya Yanar gelacht. Beide freuen sich auf die bevorstehende, lange geplante Reise in die Karibik. Eine Art Flitterwochen, denn erst im Mai hat das Paar geheiratet. Doch auf dem Heimweg von der Halle bekommt Thomas Düsterdiek plötzlich Schweißausbrüche. „Wenn ich stehen blieb, war das wieder weg.“ Im Nachhinein betrachtet ist es das erste Anzeichen für den lebensbedrohlichen Einbruch der Krankheit in den Alltag.

Am nächsten Morgen, einem Sonntag, will der stets energiegeladene Mittvierziger sein Auto waschen, es gehört zu den Dingen, die er in seiner Freizeit wirklich gerne macht. Er muss abbrechen, in Brust, Kopf, linker Schulter und Arm spürt Düsterdiek Schmerzen. Den Sonntag verbringt er auf dem Sofa, fühlt sich dabei besser. Abends brechen die Düsterdieks mit ihren Hunden zu einem Spaziergang auf. Die stechenden Schmerzen melden sich zurück. „Aber auch das habe ich noch nicht für bare Münze genommen. Ich habe einfach nicht geglaubt, mit 43 einen Herzinfarkt zu bekommen.“ Ein Satz, den Düsterdiek noch häufig ins Gespräch einfließen lässt.

Auch Sabine Feise-Düsterdiek, von Beruf medizinische Fachangestellte, denkt an dem Abend noch nicht so weit. Sie will ihren Mann aber ins Krankenhaus bringen. Er weigert sich: Am Wochenende geschehe dort doch nichts. Am Montag geht Düsterdiek wie gewohnt zur Arbeit. Er leitet die Flughafenmeisterei mit 42 Mitarbeitern am Flughafen Langenhagen, organisiert für das gesamte Areal Straßen- und Flugfeldreinigung, Grünflächenpflege und Abfallentsorgung. Ein Stressjob, vor allem im Winter. Vom Zustand der Landebahnen hängt die Sicherheit der Passagiere ab. „Wenn die ersten Schneeflocken fallen, werde ich elektrisch“, beschreibt es Düsterdiek.

An dem Montag ist an Winter noch nicht zu denken. Doch er schleppt sich, anders als gewohnt, durch den Arbeitstag im Büro. Zu Hause vertreibt er sich die Zeit mit Holzhacken, während er auf die Heimkehr seiner Frau wartet. Da bricht der Schmerz über ihn herein, fünf, vielleicht zehn Minuten. „Diese Schmerzen kann man sich vorher nicht vorstellen. Ich weiß nicht, ob der Tod sich so anfühlt.“ Düsterdiek schafft es, in dieser Zeit mit seiner Frau zu telefonieren. Dieses Mal besteht sie darauf, dass er den Notruf wählt. Es gelingt ihm noch, einen Schuh in die Haustür zu klemmen. Kurze Zeit später stehen Arzt, Polizisten, die notfalls die Tür aufgebrochen hätten, und Rettungssanitäter auf dem Wohnzimmerteppich um ihn herum. Diagnose: schwerer Herzinfarkt.

Ein Rettungshubschrauber, der mitten auf der Dorfkreuzung landet, bringt Düsterdiek von Wedemark-Resse sofort in die Medizinische Hochschule Hannover. Dort kommt der Patient ohne Umweg über die Notaufnahme auf den Behandlungstisch im Herzkatheter-Labor. Seine rechte Herzkranzarterie, durch die Blut und damit Sauerstoff in den Herzmuskel gelangen soll, ist verschlossen. Bei örtlicher Betäubung geht ein Arzt mit einem Röhrchen, das er über einen Draht einführt, über die Leiste in die Schlagader und das verschlossene Kranzgefäß. „Das tut nicht weh, aber als er beim Herzen ankam, fühlte sich das wie ein Infarkt an.“

Düsterdiek bekommt einen Stent, eine Gefäßstütze aus Metall, gesetzt. Seitdem nimmt er eine ganze Batterie von Tabletten, darunter Blutverdünner. Da die Ärzte bei der Notfallbehandlung auch eine Verengung in der linken Kranzarterie festgestellt haben, hat Düsterdiek dort ebenfalls einen Stent erhalten. Bei diesem Eingriff führte der Arzt den Katheter über das Handgelenk ein. „In jeder Minute, in der der Herzmuskel nicht mit Sauerstoff versorgt wird, stirbt ein Teil des Gewebes“, erläutert Professor Johann Bauersachs, Direktor der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie. Daher werde eine leichte Einschränkung der Pumpleistung des Herzens bleiben. „Und der Patient muss sein Leben lang Medikamente nehmen.“

Thomas Düsterdiek ist entschlossen, mit seinem Körper künftig vorsichtiger umzugehen. In der ambulanten Reha-Therapie, die jetzt ansteht, will er gegen sein Übergewicht angehen. Und lernen, wie er Sport und Ernährung umstellt. Die Lust auf Zigaretten ist dem bisher starken Raucher bereits vergangen. Nur der Arbeitsstress, der fehlt ihm. Es wurmt ihn geradezu, während der Krankheitsphase keine beruflichen E-Mails zu bekommen. „Er kann ohne Arbeit nicht sein“, stellt Sabine Feise-Düsterdiek fest.

Doch bei Düsterdiek hat gleichzeitig ein Umdenken eingesetzt. Er hat auf seinen Hausarzt gehört und zwischen den beiden Eingriffen nicht gearbeitet. Sonntag hat er seinen 44. Geburtstag gefeiert. Als draußen der erste Schnee fiel, reichte es ihm, dass seine Mitarbeiter sich kümmern. Er will erst im Januar nach der Reha wieder arbeiten. Und im nächsten März in die Karibik.

HAZ-Telefonaktion: Experten beantworten Fragen

Gleich drei Fachärzte stellen sich am morgigen Donnerstag zwei Stunden lang den Fragen von HAZ-Lesern und beraten fachkundig zum Ortstarif. Die Telefone sind von 15 bis 17 Uhr freigeschaltet. Die Telefonate werden nicht aufgezeichnet, die Fragen der Leser aber protokolliert. Eine Auswertung finden Sie am Sonnabend in der HAZ. Das sind die drei Experten:

PD Dr. med. Christian Kühn ist Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG) der Medizinischen Hochschule Hannover. Kühn ist erreichbar unter: (05 11) 52 27 90 

Professor Dr. Andreas Franke ist Chefarzt und Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er ist auch Experte für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern des Klinikums Siloah-Oststadt-Heidehaus: (05 11) 52 27  91

Dr. med. Jörn Tongers ist Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Tongers ist während unserer Telefonaktion erreichbar unter der Telefonnummer: (05 11) 52 27  92 

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