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Händler am Hauptbahnhof Hannover verzichten auf Verkauf von Alkohol

Wochenendnächte Händler am Hauptbahnhof Hannover verzichten auf Verkauf von Alkohol

Kein Geschäft mehr mit dem Durst: Alle Einzelhändler am Hauptbahnhof Hannover verzichten auf den Verkauf von Alkohol an Wochenendnächten. Das Experiment, das gemeinsam mit der Deutschen Bahn, der Stadt und der Polizei gestartet wurde, soll drei Monate dauern. Ziel ist es, die Zahl der Gewalttaten in diesem Bereich einzudämmen.

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Projekt „alkoholfreier Bahnhof“: Der Einzelhandel rund um den Hauptbahnhof unterstützt die Initiative von Polizei, Deutscher Bahn und Landeshauptstadt.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Es musste sich um ein Missverständnis oder um einen schlechten Scherz handeln. Davon waren der 19-jährige Erich und sein Kumpel Cihan am Sonnabend im Hauptbahnhof fest überzeugt. Mehrmals waren die jungen Männer das Kühlregal ihres Stammkiosks am Ausgang zur Bahnhofsmission abgeschritten. Doch auf alkoholische Getränke waren sie dabei nicht gestoßen. „Wir kommen von der Arbeit, wollen nur ein paar Bier kaufen und uns dann den Klitschko-Kampf ansehen“, beschwerte sich Cihan bei den Mitarbeitern hinter dem Verkaufstresen. Doch die schüttelten nur mit dem Kopf.

Seit dem 1. Juli verzichten alle Einzelhändler im und rund um den Hauptbahnhof freitags und sonnabends jeweils zwischen 22 und 6 Uhr freiwillig auf den Verkauf von Bier, Sekt, Wein und Schnaps. Das Experiment, das gemeinsam mit der Deutschen Bahn, der Stadt und der Polizei gestartet wurde, soll drei Monate dauern. Ziel ist es, die Zahl der Gewalttaten in diesem Bereich einzudämmen.

Der Beginn des ehrgeizigen und bundesweit einmaligen Projekts an diesem Wochenende verlief ein wenig holprig. So fehlten beispielsweise einheitliche Plakate, die die Kunden auf die Neuregelung hätten aufmerksam machen können. Stattdessen behalf sich jeder Einzelhändler mit selbst gedruckten Provisorien. Bei Rossmann waren die Schilder nicht an den Türen, sondern erst an den Weinregalen zu finden, während bei Ihr Platz der Hinweis bereits an der Eingangstür klebte. Zudem hätte die Information, dass sich auch Kaufland am Raschplatz an der Aktion beteiligt, manch einem Kunden einen Fußmarsch erspart. In dem Supermarkt, der freitags bis 24 und sonnabends bis 23.30 Uhr geöffnet hat, regte sich der meiste Widerstand gegen das selbst auferlegte Alkoholverkaufsverbot. „Es ist eine Unverschämtheit – seit Langem erledige ich hier spätabends meine Wocheneinkäufe, und jetzt darf ich nicht mal mehr eine Flasche Wein mitnehmen“, beschwerte sich eine 41-jährige Kundin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Auch für Ali Bhatti, der seit drei Jahren jede Nacht in dem Kiosk am Ende der Bahnhofs-Mittelhalle arbeitet, verlief vor allem der Freitagabend sehr angespannt. „Die Leute haben mich zum Teil übel beschimpft, einige waren bereit, für eine Flasche Bier jeden Preis zu bezahlen“, erinnerte sich der 43-Jährige.

Die Deutsche Bahn hat angekündigt, das Projekt „alkoholfreier Bahnhof“ mit einer Kundenumfrage zu begleiten. „Wir wollen herausfinden, was die Reisenden von uns erwarten und wie wir die Zufriedenheit unserer Gäste weiter steigern können“, erklärte Bahnhof-Chef Jörn Tunat. Als ersten Schritt hat das Unternehmen die Anzahl des Sicherheitspersonals an den Wochenenden verdoppelt.

Rund 450 Gewalttaten verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr rund um den Raschplatz. In vielen Fällen ging übermäßiger Alkoholkonsum den Übergriffen voraus. Dazu kamen im Jahr 2010 noch etwa 300 Aggressionsdelikte, die Beamte der Bundespolizei im Bahnhofsgebäude schlichten mussten. Der 21-jährige Dennis und seine drei Begleiter, die am Sonnabend in der Mittelhalle auf ihre Freundinnen warteten, haben allerdings wenig Hoffnung, dass sich durch die Aktion der Einzelhändler an diesen Zahlen etwas ändert: „Wer sich prügeln will, der prügelt sich auch, ob mit oder ohne Alkohol.“

Alkoholverbot in Zügen?

Nach der Uelzener Bahngesellschaft Metronom denkt man auch bei der Deutschen Bahn über ein Alkoholverbot in den Regionalzügen in Niedersachsen nach. Vertreter des Unternehmens führten über dieses Thema Gespräche mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), sagte ein Bahnsprecher. Die LNVG als Tochter des Landes bestellt Nahverkehrsleistungen bei Bahnunternehmen.

Die Bahn sei grundsätzlich offen für ein solches Alkoholverbot im niedersächsischen Nahverkehr, sagte der Sprecher. In den Gesprächen gehe es darum, ob eine solche Vorschrift machbar sei und wie sie gegebenenfalls umgesetzt werden könnte. Sie seien aber „ergebnisoffen“.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft befürwortet ein Verbot, in Zügen Alkohol zu konsumieren. LNVG-Geschäftsführer Hans-Joachim Menn will dies den Bahngesellschaften nicht wie ein „Schulmeister“ vorgeben, verweist aber auf gute Erfahrungen, die der Metronom damit gemacht habe. Dort sei seit der Einführung der in den Zügen anfallende Müll um 66 Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der Straftaten und der Vandalismus in den Zügen habe sich drastisch verringert. Die Aufwendungen für das Beheben von Vandalismusschäden in Fahrzeugen machten Nahverkehrsleistungen unnötig teuer. Wo es kein Alkoholverbot gebe, nutzten Fahrgäste die Zugfahrt oftmals zum „Vorglühen“ vor dem Ausgehen in der Stadt, sagt Menn.

Vertreter von Bahn und LNVG wollten sich nun in einer Arbeitsgruppe mit der Umsetzung eines Alkoholverbots befassen, sagte Menn. Ihm schwebt vor, dass besonders im Dreieck der Großstädte Hannover, Bremen und Hamburg der Alkoholkonsum in Regionalzügen untersagt sein sollte. In Bussen und Bahnen des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) darf von September an kein Alkohol mehr getrunken werden.

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