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Händler sehen keinen Erfolg des Alkoholverbots im Hauptbahnhof

Bilanz nach einem Monat Händler sehen keinen Erfolg des Alkoholverbots im Hauptbahnhof

Einen Monat nach der Einführung eines vorläufigen Verkaufsverbots für alkoholische Getränke im Hauptbahnhof stehen die Händler dem dauerhaften Erfolg der Maßnahme skeptisch gegenüber. „Es ist ruhiger geworden, aber die Randale geht weiter“, sagt Holger Schneider, Betriebsleiter des Bahnhofs-Kiosks.

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Die Geschäfte im Hauptbahnhof verzeichnen Umsatzeinbußen – aber kaum weniger pöbelnde Nachtschwärmer.

Quelle: dpa

Hannover. Kurz vor 22 Uhr floriert der Alkoholverkauf im Hauptbahnhof wenigstens bei Lidl. Jana, Tina und Jule greifen sich gleich zwei Flaschen Sekt. „Gar nicht so teuer“, sagt eine der 19- und 20-Jährigen Auszubildenden aus Garbsen. Sie sind am Sonnabendabend nach Hannover gekommen, um „Spaß zu haben“. Noch schnell ein Einkauf für die Spontanparty – denn ab 22 Uhr werden, zumindestens im Hauptbahnhof, noch alkoholfreie Getränke verkauft. Ein bisschen enttäuscht sind sie, als auf dem Raschplatz kaum etwas los ist. Angesichts der kühlen Temperaturen sitzen nur vereinzelt junge Leute auf den Treppen. Also entschließen sich die drei, den Abend beim Maschseefest zu verbringen – und machen sich mit ihren Sektflaschen auf den Weg.

Einen Monat nach der Einführung eines vorläufigen Verkaufsverbots für alkoholische Getränke im Hauptbahnhof stehen die Händler dem dauerhaften Erfolg der Maßnahme skeptisch gegenüber. „Es ist ruhiger geworden, aber die Randale geht weiter“, sagt Holger Schneider, Betriebsleiter des Bahnhofs-Kiosks.

Seit einem Monat verkaufen die Geschäfte im Hauptbahnhof an den Wochenendnächten keinen Alkohol mehr. Um Gewalttaten und aggressivem Verhalten vorzubeugen, hatten sich die Einzelhändler im Juni zu diesem bundesweit einmaligen Schritt entschieden – zumindest vorerst. Bis Ende September soll die Testphase laufen, bis dahin verkaufen die Geschäfte im Bahnhof an den Wochenenden zwischen 22 und 6 Uhr keinen Alkohol. An dem Projekt beteiligen sich unter anderem Kaufland, Lidl, Rossmann, Ihr Platz und zahlreiche andere Einzelhändler. Im Herbst will die Polizei auswerten, ob die Zahl der Straftaten und vor allem die der Gewaltdelikte im Bereich des Bahnhofs zurückgegangen ist. Dass dringender Handlungsbedarf besteht, zeigt die Statistik: Im vergangenen Jahr registrierte die Behörde 450 Gewalttaten im Bereich des Hauptbahnhofs und des angrenzenden Raschplatzes. Rund 70 Prozent davon ereigneten sich an den Wochenenden. Etwa 75 Prozent davon fanden unter Alkoholeinfluss statt.

„An den Abenden sind jetzt nicht mehr so viele junge Leute im Bahnhof unterwegs, auch nicht so viele aggressive“, sagt ein Mitarbeiter von Mäc Würstchen. Das hat auch Betriebsleiter Holger Schneider vom Bahnhofs-Kiosk beobachtet. Doch er fragt sich, ob Umsatzrückgang und der bisher erzielte Effekt in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. „Die einschlägigen Jugendgruppen hängen immer noch am hinteren Eingang ab. Den Alkohol besorgen sie sich woanders.“ Bereits in der Vergangenheit hätten seine Mitarbeiter die strikte Anweisung gehabt, keine Spirituosen an bereits stark alkoholisierte Kunden zu verkaufen. „Es sind die ganz normalen Kunden, die auf dem Weg nach Hause noch ein kühles Bier mitnehmen wollen, die jetzt unter dem Verbot leiden“, sagt Schneider. Er verzeichnet Umsatzeinbußen von knapp 20 Prozent.

Detlev Lenger, Sprecher der für den Hauptbahnhof zuständigen Bundespolizei, spricht von einer leichten Tendenz, die seit Beginn des Verkaufsverbots im Hauptbahnhof zu erkennen sei: „Die Beamten berichten, dass die Leute umgänglicher sind. Es geht also in die richtige Richtung.“ Das betreffe vor allem die zahlreichen Partygänger, die an den Wochenenden mit der S-Bahn aus dem Umland nach Hannover fahren, um Diskotheken und Klubs zu besuchen. „Sie halten sich nicht so lange im Bahnhof auf, weil sie wissen, dass sie hier keinen Alkohol bekommen“, sagt Lenger.

Vivien-Marie Drews, Mathias Klein

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Von Redakteur Vivien-Marie Drews

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