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Das große Aufräumen
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36 Millionen Euro Schaden Das große Aufräumen

Abgedeckte Dächer, demolierte Autos, eingeschlagene Fensterscheiben - die Hagel-Unwetter vom Wochenende haben millionenschwere Schäden angerichtet. Der VGH wurden 15.000 Schäden in Höhe von 36 Millionen Euro gemeldet, davon 19 Millionen Euro aus Hannover und der Region. Am Montag hieß es vielerorts Aufräumen.

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Mittlerweile sind in vielen Ortschaften Lehrtes, Sehndes und Uetzes die ersten Handwerker unterwegs, um Schäden zu beseitigen.

Quelle: Wallmüller

Lehrte/Sehnde. Nach dem schweren Unwetter vom Wochenende haben in der Region Hannover die Aufräumarbeiten begonnen. Doch die Reparaturen werden nicht einfach: Handwerker sind wegen der Vielzahl der Schäden zum Teil über Monate ausgebucht, allein bei Dachdeckern gibt es bereits große Engpässe. Der VGH wurden 15.000 Schäden in Höhe von 36 Millionen Euro gemeldet, davon 19 Millionen Euro aus Hannover und der Region.

Hannovers Stadtgebiet ist nicht ganz so schlimm vom Hagelsturm betroffen. Bei der Verwaltung sind am Montag mehrere Anträge auf Baumfällung eingegangen, weil Bäume durch die Böen brüchig geworden sind. Der Abfallwirtschaftsbetrieb aha und die städtischen Grünpfleger sind damit beschäftigt, gebrochene Äste und Unrat aus Grünanlagen und von Straßen zu entfernen. Schlimmer als in Hannover sieht es in einigen Umlandgemeinden aus, besonders in Sehnde.

In Hannovers östlicher Nachbarstadt hallten am Montag die Hammerschläge der Dachdecker durch die Straßen. Am Boden kehrten Anwohner Ziegelreste, Laub und Äste zusammen. Während landesweit die ersten Schadenssummen bekannt wurden – die VGH Versicherungen sehen eine Gesamtsumme von 36 Millionen Euro auf sich zukommen –, konnte Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke zur Schadenshöhe in seiner Stadt noch keine Angaben machen. „Wir gehen aber davon aus, dass sie im Millionenbereich liegt“, sagt Lehrke. Momentan sei die Stadt damit beschäftigt, öffentliche Gebäude zu sichern und Folgeschäden zu verhindern. „Höchste Priorität haben Schulen und Kindergärten. Hier muss zunächst sichergestellt werden, dass niemand von herabfallenden Ziegeln getroffen wird“, sagt Lehrke. Erst wenn alle Gebäude abgesichert sind, beginnen die eigentlichen Reparaturarbeiten. „Wir haben bereits Kontakt zu Dachdeckerunternehmen in der Region aufgenommen – und vorsorglich auch zu einigen im Raum Braunschweig und Göttingen“, sagt Lehrke.

In der Region Hannover einen Dachdecker zu bekommen ist momentan sehr schwierig. „Alle Betriebe sind völlig überlastet“, sagt Arnold Schmalstieg vom Landesinnungsverband. Großhändler hätten am Sonntag extra ihre Lager geöffnet, um die Betriebe mit Material zu versorgen. Auch die Firma Gremmel Bedachungen aus Pattensen musste Planen nachkaufen. „Erst mal dichten wir alle beschädigten Dächer mit Folie ab, bevor sie neue Ziegel bekommen“, sagt Dachdecker Soydan Beyazkilic. „Bei unserer derzeitigen Auftragslage wird allein das Abdichten einige Wochen dauern.“

Beyazkilic und seine neun Kollegen sind seit Sonnabendabend in Sehnde im Dauereinsatz. Bis zum Montagnachmittag hatten sie bereits sieben Dächer abgedichtet. Ein Mietshaus an der Straße Am Steinwedeler Wald war besonders stark betroffen. „Auf der einen Dachseite sind mehr als 70 Prozent aller Ziegel zerstört gewesen. Da war nichts zu retten“, sagt Beyazkilic. Inzwischen ist das Dach komplett mit Folie überzogen. Anwohner Thomas Fritz freut sich über die schnelle Hilfe der Dachdecker: „Die Handwerker waren sofort da und haben hervorragende Arbeit geleistet.“

Hausbesitzer Juri Rudel dagegen hat spontan keinen Dachdecker gefunden. Zusammen mit seinen Söhnen Andreas und Tom hat er am Sonntag sein Hausdach selbst notdürftig abgedichtet. Genügend Planen hatte er noch im Keller. Auch Hans-Jürgen Hoferichter musste zunächst selbst Hand anlegen. Am Montag aber fand er dann einen Dachdecker, dem er seine Notsituation schildern konnte. Mit Erfolg. „Wenn alles klappt, bekommen wir vielleicht schon nächste Woche unser neues Dach“, sagt Hoferichter.

Besonders erleichtert sind die Verantwortlichen, dass die Evakuierung des Waldbades in Sehnde so glimpflich verlief. 650 der rund 800 Gäste hatten das Bad rechtzeitig verlassen, bevor die riesigen Hagelkörner vom Himmel prasselten. Die restlichen 150 Besucher brachten sich in Duschen und Umkleideräumen in Sicherheit. Von dort aus sahen sie zu, wie die Körner das Mobiliar regelrecht zerschlugen. Das Waldbad bleibt bis auf Weiteres geschlossen, ebenso wie drei Turnhallen an der Feld- und Waldstraße. Die Turnhallen an der Feldstraße sollen aber bald wieder öffnen. Sie sind weniger beschädigt als die Halle an der Waldstraße.

Fieberhaft arbeiten die Mitarbeiter der Stadt nun daran, dass die Schulen in der nächsten Woche öffnen können. Sowohl die KGS Sehnde - mit rund 1600 Schülern eine der größten in der Region Hannover - als auch die Wilhelm-Raabe-Schule sind schwer beschädigt worden. Es gehe nicht darum, alle Schäden zu beheben. Es muss vielmehr dafür gesorgt werden, dass die Schüler ohne Gefahr die Schulen betreten können, so die Stadt Sehnde.

Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk gab bereits am Montagmittag einen ersten Überblick über die Schäden. In Immensen, Arpke, Sievershausen, Hämelerwald und dem Süden der Kernstadt gebe es kein einziges städtisches Gebäude, das nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, sagte er. Der Hagel habe zum Beispiel sämtliche Plexiglaskuppeln auf Flachdächern zertrümmert. Noch am Montag wollen sich Mitarbeiter der Stadt ein Ausmaß der Schäden im Inneren der Gebäude verschaffen.

Sidortschuk meint, dass sich die Kosten für die Reparaturen auf einen Betrag im hohen sechsstelligen Bereich summieren dürften. An einzelnen Gebäuden, etwa dem Feuerwehrhaus in Sievershausen, habe der Hagel einen Schaden von rund 100.000 Euro verursacht. Auch Sidortschuk ist unter den Leidtragenden des Hagelsturms. An seinem Haus in Lehrte Süd habe der Hagel rund 30 Löcher in die Dachziegel geschlagen, sagte er.

Mittlerweile sind in vielen Ortschaften Lehrtes, Sehndes und Uetzes die ersten Handwerker unterwegs, um Schäden zu beseitigen. Schon am Sonnabendabend hatten Kräfte der Lehrter Ortsfeuerwehren und des Technischen Hilfswerks etliche öffentliche Gebäude in Lehrte zum Schutz vor Regen mit Planen abgedeckt. Auch bei vielen Privatleuten halfen die Einsatzkräfte. Am Montagmorgen bildeten sich indes vor mehreren Versicherungsbüros in der Stadt lange Schlangen. Mancher musste rund zwei Stunden warten, um seinen Schaden zu melden.

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mak / ska / aku 

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