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Aus der Stadt Hahnsche Buchhandlung verlässt Hannover
Hannover Aus der Stadt Hahnsche Buchhandlung verlässt Hannover
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11:03 25.04.2013
Von Simon Benne
Aufgegeben: Die Räume des Verlags Hahnsche Buchhandlung in der Leinstraße. Quelle: Akbaba
Hannover

Auf eine so lange Geschichte kann kaum ein hannoversches Unternehmen zurückblicken: Am 4. Juli 1792 erhielt Heinrich Wilhelm Hahn von der königlich- und kurfürstlichen Residenzstadt die Konzession zum Betrieb einer Verlagsbuchhandlung. Seither residierte die Firma in der Leinstraße; Leibniz’ „Gesammelte Werke“ erschienen ebenso in der „Hahn’schen Hofbuchhandlung“ wie Knigges „Über den Umgang mit Menschen“. Jetzt aber ist bei dem Verlag, der sich auf historische Fachliteratur spezialisiert hat, alles im Umbruch. Nach 221 Jahren hat er Hannover verlassen und ist nach Peine gezogen. Außerdem hat Inhaberin Elisabeth Freifrau von Schütz zu Holthausen die dreiköpfige Belegschaft entlassen – und die Verträge mit ihren zwei größten Auftraggebern gekündigt.

„Der Umzug ist Teil einer strategischen Neuausrichtung“, sagt die Inhaberin, die den Verlag Hahnsche Buchhandlung seit 1994 in siebter Generation führt. Die Räume an der Leinstraße seien mit 200 Quadratmetern zu groß für die wenigen Mitarbeiter gewesen. Aus betrieblichen Gründen habe sie auch gar keine andere Wahl gehabt, als diesen zu kündigen.

Unter Branchenkennern stößt der neue Kurs indes auf Unverständnis: „Es kann doch betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll sein, Großkunden die Verträge zu kündigen“, sagt Prof. Thomas Vogtherr, Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Im März hatte Freifrau von Schütz zu Holthausen den Herausgebervertrag mit der Kommission gekündigt, die praktisch all ihre Publikationen in dem Verlag veröffentlicht und diesem jährlich Aufträge von rund 80 000 Euro beschert hatte. Mit historischer Fachliteratur könne ein Verlag zwar nur wenig Geld verdienen, sagt Vogtherr – doch sei auch das unternehmerische Risiko gering, da das Gros der Publikationen von der öffentlichen Hand finanziert werde: „Wir stehen jetzt in Verhandlungen mit anderen Verlagen.“

Größter Auftraggeber des Verlags Hahnsche Buchhandlung war über Jahrzehnte die MGH. Das Institut veröffentlichte seit seinen Anfängen 1826 mittelalterliche Quellentexte in der Buchreihe „Monumenta Germaniae Historica“ bei dem hannoverschen Traditionsunternehmen. Als MGH-Geschäftsführer Horst Zimmerhackl von den Personalkündigungen erfuhr, fragte er nach, wie der Verlag denn praktisch ohne Personal arbeiten solle: „Zwei Wochen später kam auch für uns die Kündigung“, sagt er. „Bis jetzt ist nicht einmal geklärt, ob wir uns um den Vertrieb von schon erschienenen Büchern jetzt selbst kümmern müssen.“

Freifrau von Schütz zu Holthausen hingegen sagt, dass das Vertrauensverhältnis zu dem Großkunden gestört sei. Sie wolle sich in Zukunft weiter auf die Edition von Schriftenreihen konzentrieren. Ihr Verlag gibt beispielsweise die jährlich erscheinenden „Hannoverschen Geschichtsblätter“ des Stadtarchivs sowie Publikationen des Historischen Vereins für Niedersachsen heraus. „Mit dem Umzug aus der Leinstraße geht gleichwohl eine Tradition zuende“, sagt Oliver Waffender, der acht Jahre lang Verlagsleiter des Hauses war. Ihn selbst betrifft der Ortswechsel nicht mehr: Seit drei Wochen ist auch er auf Arbeitssuche.

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