Hannover. Haktan ist ein kleiner Kämpfer, sagen seine Eltern überzeugt. Doch in den Worten von Selvi und Mustafa Hacifettahoglu aus Stöcken schwingt auch eine große Portion Hoffen und Bangen mit. Denn ihr 16 Monate alter Sohn ist schwer krank. Seit zwei Monaten lebt er in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover und wartet auf einen Stammzellspender. Bisher vergeblich. Große Hoffnungen setzt Haktans Familie auf den kommenden Sonnabend. Gemeinsam mit Freunden und der Deutschen Knochmarkspenderdatei (DKMS) veranstaltet Familie Hacifettahoglu am 21. Januar auf dem Conti-Campus der Leibniz Universität eine Registrierungs- und Typisierungsaktion – um einen passenden Stammzellspender zu finden.
Haktan hat in seinem kurzen Leben schon einige schwere Erkrankungen durchmachen müssen. Im Alter von sechs Wochen erkrankt er an einer Lungenentzündung. Es folgen eine Mandelentzündung und eine Bronchitis. Und immer sind da diese blauen Flecken, die sich auf Haktans Haut bilden, selbst wenn er sich nicht gestoßen hat. Im September wird das ruhige und geduldige Kind wegen starken Hustens zunächst in das Kinderkrankenhaus auf der Bult eingeliefert.
In der Kinderkrebsstation der MHH stellt Kinderonkologe Prof. Dirk Reinhardt im November fest, dass Haktan an einer bösartigen, lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems leidet. Sein Körper bildet kein eigenes Knochenmark, was zu den Einblutungen – blauen Flecken – und Blutungen am Körper führt. Seine Immunabwehr ist stark geschwächt. Aus diesem Grund wird er schon Ende Dezember auf die Knochenmarkstransplantationsstation der MHH verlegt, weil die Umgebung dort steriler ist als auf der Kinderkrebsstation. „Ihm geht es noch einigermaßen gut“, sagt seine Mutter. Schmerzen habe er nicht, trotz der vielen blauen Flecken. Allerdings habe er häufig Fieber.
Einen Namen für die seltene Krankheit gibt es bislang nicht. Prof. Reinhardt weiß nur: „Haktan braucht dringend einen passenden Stammzellspender.“ Noch ist sein Zustand stabil, doch überleben kann er nur, wenn sich irgendwo auf der Welt ein passender Spender mit den gleichen Gewebemerkmalen im Blut findet. „Es ist wie die Suche in einem Heuhaufen“, sagt Emel Tahta-Lehmann von der DKMS, die die Typisierungsaktion mit organisiert. Die Schirmherrschaft dafür hat Bundessozialministerin Ursula von der Leyen übernommen.
In der Deutschen Knochenmarkspenderdatei sind zurzeit 2,6 Millionen Stammzellspender registriert. Hinzu kommen noch einmal 1,8 Millionen Spender, die in weiteren deutschen Registern gespeichert sind. Weltweit stehen 18 Millionen Stammzellspender zur Verfügung. Um ihre Zahl zu erhöhen, und für Haktan möglicherweise einen passenden Stammzellspender zu finden, ist die Registrierungsaktion am kommenden Sonnabend geplant.
Registrierungsaktion am kommenden Sonnabend:
Von 11 bis 17 Uhr kann sich jeder zwischen 17 und 55 Jahren im Foyer der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Königworther Platz 1, registrieren lassen. Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden jedem Spender fünf Milliliter Blut abgenommen, das auf seine Gewebemerkmale untersucht wird. Die Organisatoren rechnen mit 2000 Freiwilligen. Wer sich nicht typisieren lassen will, kann auch Geld spenden, um die Aktion zu unterstützen. Rund 100 deutsche und türkische Helfer wollen die Spender am Aktionstag versorgen und beim Blutabnehmen helfen. Bäcker spenden Brötchen, und Getränkehändler wollen Wasser zur Verfügung stellen.
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