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Aus der Stadt Razzia bei 96-Ultras
Hannover Aus der Stadt Razzia bei 96-Ultras
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00:15 24.01.2014
Bengalos auf der Tribüne: Zündeleien während des Derbys zwischen 96 und Braunschweig. Quelle: dpa
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Hannover

Kurz vor Beginn der Rückrunde der Fußballbundesliga haben acht Anhänger von Hannover 96 überraschend Besuch von der Polizei bekommen. Beamte der Polizeiinspektion West verschafften sich am frühen Dienstagmorgen Zutritt zu den Wohnungen der Männer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Sie sollen während des Spiels der Roten gegen Eintracht Braunschweig im November vergangenen Jahres im Stadion Pyrotechnik abgebrannt zu haben. Gegen sie wird wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Nach HAZ-Informationen soll es sich bei den Verdächtigen um führende Köpfe der sogenannten Ultra-Gruppierungen handeln.

Im November 2013 trafen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig zum ersten Mal nach 37 Jahren in der ersten Bundesliga aufeinander. Vor und nach dem Spiel kam es zu Auseinandersetzungen.

Zwischen 5 und 5.40 Uhr stürmten Beamte vier Wohnungen in der Landeshauptstadt, zwei im Landkreis Hildesheim sowie eine Wohnung in Ronnenberg. Eine weitere Wohnung wurde durch die Polizei Düsseldorf in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt durchsucht. Bei den Razzien beschlagnahmten die Beamten Feuerwerkskörper, bengalische Feuer, Kleidungsstücke und Computer. Das Beweismaterial soll in den kommenden Wochen ausgewertet werden. Vor allem in den sichergestellten Rechnern hoffen die Ermittler weitere Hinweise zu finden, durch die sich der Verdacht gegen die acht Männer erhärten lässt. „Darin könnten neben Fotos und Videos, auf denen wir die Verdächtigen vielleicht identifizieren können, auch Belege für den Kauf der Pyrotechnik sein“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Bei einer Verurteilung drohen den Verdächtigen Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr.

Drei Punkte sollten her, am Ende mussten sie sich die Punkte teilen: Hannover 96 und Eintracht Braunschweig trennten sich im November 2013 mit 0:0. Es war das erste Niedersachsen-Derby der beiden Teams in der Bundesliga seit 37 Jahren.

Auch von Seiten des Klubs müssen die Verdächtigen wohl mit Konsequenzen rechnen. „Wir warten die Ermittlungen ab, aber ein Stadionverbot halte ich für wahrscheinlich“, sagt 96-Sprecher Alex Jacob. Der Verein hatte bereits unmittelbar nach den Derby-Randalen zahlreiche Privilegien für die Ultra-Gruppierungen zurückgenommen. So untersagte der Klub es den sogenannten Fans auf unbestimmte Zeit, vor den Heimspielen Choreografien in der Kurve zu proben. Ab der neuen Saison gelten zudem für die Blöcke N 16 und N 17, in denen die bengalische Feuer hauptsächlich abgebrannt wurden, neue Regeln. Die Fans müssen dann die Sitzplätze, die auf ihren Dauerkarten vermerkt sind, auch tatsächlich einnehmen. Bislang duldet der Klub, dass sich die Ultras frei in den beiden Blöcken bewegen. Im Gespräch mit der HAZ kündigte Hannover 96-Chef Martin Kind zudem an, auch zivilrechtlich gegen die mutmaßlichen Täter vorgehen zu wollen. „Wir werden versuchen, die Geldstrafe, die vom DFB für das Abbrennen der Pyrotechnik noch verhängt wird, wieder zu holen.“

Die Polizei war den Rädelsführern durch die Auswertung der Videobilder aus dem Stadion sowie weitern Maßnahmen auf die Spur gekommen. „Da derzeit noch viele weitere Ermittlungen in dieser Sache laufen, geben wir dazu keine weiteren Details an die Öffentlichkeit“, sagt Polizeisprecher Hilgenberg.

Auch zu der Frage, wie es den Fußballrowdys gelungen ist, die Feuerwerkskörper an den Kontrollen vorbei ins Stadion zu schleusen, will sich die Behörde offiziell nicht äußern. Bei der Menge an Pyrotechnik, die beim Derby abgebrannt wurde, gilt es jedoch als wahrscheinlich, dass die Ultras Hilfe von Mitarbeitern im Stadion, mit denen sie persönlich verbunden sind, gehabt haben und dass sie die Vorbereitung ihrer Choreographie am Tag vor dem Derby in der Arena dazu genutzt haben, die Feuerwerkskörper zu verstecken.

Die Fanhilfe Hannover kritisiert das Vorgehen der Polizei als nicht verhältnismäßig. „Es ist fraglich, ob es sich überhaupt um strafrechtlich relevante Tatvorwürfe handelt“, heißt es in einer Mitteilung.

Von Tobias Morchner und Jörn Kießler

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