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Feuerwehr simuliert Flugzeugabsturz Alles Übungssache!

Sirenengeheul, schreiende Menschen, Flammen: Der Flughafen Hannover-Langenhagen war am Sonnabend Schauplatz einer großangelegten Übung. Rund 1000 Rettungskräfte simulierten dabei einen Flugzeugabsturz mit vielen verletzten Passagieren.

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Am Flughafen in Langenhagen findet eine Großübung statt.

Quelle: Kießler

Hannover. Zwischen Trümmerteilen und verstreuten Koffern laufen blutende Menschen über das Rollfeld der Landebahn Süd des Flughafens in Langenhagen. Neben roten Containern, die auf der Betonfläche aufgebaut sind, stehen winkende und um Hilfe schreiende Passagiere. Andere wanken apathisch zwischen den heraneilenden Feuerwehrmännern umher. Und mittendrin steht Martin Argendorf, der Chef der Flughafenfeuerwehr, der mit einem Mikrofon im Plauderton zu den Schaulustigen spricht, die sich hinter einer Absperrung am Rand der Landebahn drängen. Bei einem echten Flugzeugabsturz wäre dies undenkbar.

Doch der vermeintliche Flugzeugabsturz einer Boeing 737 ist von langer Hand geplant. Mit rund 1120 Teilnehmern haben Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Flughafen, die Stadt Langenhagen, und mehrere weitere Organisationen am vergangenen Sonnabend den Ernstfall geplant. Durchgespielt werden solche Übungen nach den Richtlinien der International Civil Aviation Organization (ICAO). Die Sonderorganisation, die vor 70 Jahren von den Vereinten Nationen gegründet wurde, entwickelt internationale Sicherheitsstandards und Empfehlungen für 191 Mitgliedsstaaten im Bereich des Passagierflugverkehrs. Unter anderem muss ein Flughafen mindestens alle zwei Jahre eine Sicherheitsübung durchführen, um seine Betriebserlaubnis nicht zu verlieren. Meist werden dabei einzelne Abschnitte bei fiktiven Unfällen geübt.     

Am Sonnabend jedoch führten die beteiligten Behörden eine der größten Übungen durch, die jemals in der Bundesrepublik stattfand. „Wir wollen damit vor allem die Koordination und Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen im Fall einer solchen Katastrophe proben“, sagte Polizeipräsident Volker Kluwe, dessen Behörde die Federführung bei der Aktion übernahm. Insgesamt 38 Mitarbeiter der unterschiedlichen Organisationen hatten dafür im vergangenen halben Jahr ein Drehbuch geschrieben, nachdem die Übung ablaufen sollte.

Mithilfe des Feuerwehr-Trainings-Centers der Fraport AG wurde der Absturz einer TuiFly-Maschine simuliert. Der Pilot des Fliegers hatte kurz nach dem Start um 8 Uhr in Richtung Ägypten Rauch im Cockpit gemeldet. Die Crew entschloss sich daraufhin, umzudrehen und wieder in Hannover zu landen. Beim Landeanflug stürzte die Maschine ab. Viele der 138 Passagiere wurden dabei verletzt oder getötet. Am Ende sollten es 30 Schwer- und 30-Leichtverletzte sein, um die sich die Rettungskräfte kümmern mussten. Für 52 Personen kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Eines der wenigen Todesopfer, dass nicht von einer Puppe dargestellt wurde, war Jan Jüngling. Der 34-jährige Polizeibeamte spielte einen Mann, der mit seiner Frau zwar noch aus dem Flugzeugwrack entkommt, dann aber auf dem Rollfeld stirbt. „Genau diese Details waren wichtig, damit die Einsatzkräfte nicht nur technisch gefordert werden, sondern auch die psychische Belastung einer solchen Katastrophe in spüren“, sagte Martin Argendorf.     

Am Flughafen Hannover findet ab dem frühen Morgen eine Übung statt. Dabei wird ein Flughafenabsturz inszeniert.

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Polizei

Zusammenarbeit verbessern: Durch die Größe der Übung beschränkte sich der Ablauf am Sonnabend nicht, wie sonst bei vielen der ICAO-Tests üblich, nur auf den Ersteinsatz am Flughafen. „Es ist gut, dass wir als Polizei die Möglichkeit gehabt haben, in einer realen Umgebung in der Interaktion mit anderen Institutionen zu üben“, sagte Gesamtübungsleiter Uwe Lange. Nachdem die Feuerwehr den Brand auf dem Rollfeld gelöscht hatte und die Rettungsdienste die Verletzten versorgt hatten, begann die Polizei mit ihrer Hauptaufgabe. Neben der anfänglichen Absperrung des Flughafens standen für sie vor allem die Ermittlungen zur Ursache des Absturzes sowie die Identifizierung der Opfer im Mittelpunkt.

Airport

Ablauf bewerten: Der Airport Hannover, der alle zwei Jahre eine ICAO-Übung durchführen muss, nutzte den Tag, um die Einsatzgeschwindigkeit seiner Feuerwehr zu testen. Sie ist verpflichtet, 180 Sekunden nach der Alarmierung durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) an jedem Unfallort auf dem Flughafengelände zu sein. Auch am Sonnabend gelang dies wieder. Noch während die Retter auf dem Rollfeld die Verletzten versorgten und Tote aus den Trümmern bargen, begann die Flughafenleitung gemeinsam mit der DFS und den Reiseanbietern mit den weiteren Maßnahmen. Sie betreuten die anwesenden Angehörigen der Opfer, stellten den Behörden Informationen zur Verfügung und koordinierten die Abläufe am Flughafen.

Stadt Langenhagen

Einsatzkräfte koordinieren: Bei einer Katastrophe dieser Größe würde die Stadt Langenhagen einen Krisenstab einrichten. Von dem Stabsraum der Feuerwache in der Konrad-Adenauer-Straße koordinierten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung unter der Leitung von Bürgermeister Friedhelm Fischer (SPD) am Sonnabend die Zusammenarbeit der einzelnen Krisenstäbe. An gleicher Stelle wurde die Öffentlichkeitsarbeit der beteiligten Behörden abgestimmt und der Informationsfluss sowohl untereinander als auch nach Außen kontrolliert. Im Mittelpunkt der Schaltzentrale in Langenhagen stand jedoch die Überprüfung der Abläufe der Freiwilligen Feuerwehr, die ihre Kollegen am Flughafen unterstützte.

Darsteller

Reale Bedingungen: Um die Bedingungen für die beteiligten Einsatzkräfte bei der Übung möglichst realistisch zu gestalten, waren etwa 180 Laiendarsteller daran beteiligt. Sie spielten mit aufgeschminkten Wunden die verletzten Passagiere, löcherten als vermeintliche Journalisten die Pressestellen von Polizei und anderen Behörden mit Fragen und versuchten als Angehörige am Flughafen Informationen über den Verbleib ihrer Verwandten und Freunde zu bekommen. Allein bei der Personenauskunftsstelle in Bremen, die bei einer solchen Katastrophe eingerichtet wird, gingen über den Tag verteilt mehr als 1000 Anrufe ein. „Die hohe Motivation und Professionalität der Helfer hat mich sehr gefreut“, sagte Einsatzleiter Uwe Lange.

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