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Aus der Stadt Aussteller zeigen Sensorpflaster und Notrufanlagen 
Hannover Aus der Stadt Aussteller zeigen Sensorpflaster und Notrufanlagen 
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01:52 09.03.2018
Auf der Messe Altenpflege 2018 in Hannover testen die Seniorinnen Karin Kran aus Hamburg und Karin Peine aus Berlin einen Therapieball, der krähen, singen und leuchten kann. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

 Stehen Roboter bald am Pflegebett und waschen die Senioren? Angesichts des krassen Mangels an Pflegekräften scheint die Frage nicht mehr abwegig. Und so schnurren auch auf der Fachmesse Altenpflege 2018 kleine menschenähnliche Maschinen herum. Doch die Grenzen zeigen sich schnell: Zur Eröffnung auf dem Messegelände teilt sich Roboter Pepper die Bühne mit der langjährigen Altenpflegerin Claudia Moll, seit Kurzem Abgeordnete des Deutschen Bundestags. Pepper spricht ein paar vorgestanzte Sätze, und gibt dabei mächtig an. Hören, sehen, Emotionen erkennen könne er, auch Memory spielen und Witze erzählen. 

Moll guckt erschreckt. „Ich bin ein bisschen irritiert“, gibt sie zu. Doch sie könne sich nicht vorstellen, dass psychisch Kranke oder Verwirrte mit einer Maschine spielen. „Das Ding ist mir unheimlich. Nee, das tut mir jetzt leid.“ Moll hat vor mehr als 20 Jahren das erste Mal gegen den Pflegenotstand protestiert. In den Heimen habe sich lange fast nichts geändert. Und wenn die neue Abgeordnete im Gesundheitsausschuss aus ihrer bisherigen Arbeitswelt berichtet, verstünden die anderen oft nicht, wovon sie redet. Zum Beispiel Nachtschichten, in denen sie für 56 Bewohner die Verantwortung trug.

Ob die neue Bundesregierung es richten wird, ist unter den Experten umstritten. „Die Arbeitsbelastung ist unverändert. Das muss sich ändern, damit Pflegekräfte ihren Beruf bis zur Rente ausüben können“, konstatiert Franz Wagner vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. Die angekündigten 8000 neuen Stellen wirkten wie Hohn, wenn 50.000 Stellen bundesweit unbesetzt sind, sagt auch Bernd Meurer vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Meurer verspricht sich Entlastung, wenn systematisch Pflegekräfte im Ausland ausgebildet und angeworben werden.  Im Sinn hat er dabei die Philippinen sowie afrikanische Länder. Zuhörerin Maren Köster ist skeptisch. „Hochbetagte Menschen brauchen ein sehr vertrautes kulturelles Umfeld, auch sprachlich. Gesten und menschliche Wärme reichen nicht immer aus.“ 

Prof. Rolf Rosenbrock von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege fordert ausreichend Bezahlung auch für Pflegehelfer und Auszubildende. Für Prof. Frank Schulz-Nieswandt liegt ein Schlüssel in Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für Altenpfleger. „Gut geführte Unternehmen haben dann keine Nachwuchsprobleme.“

Entlastung in ihrem Beruf finden Altenpflegekräfte in Zukunft womöglich auch durch technische Entwicklungen. Auf der Altenpflege 2018 zeigen 550 Austeller ihre Produkte. Vieles dreht sich um Digitalisierung, von einfacher zu führenden Krankenakten bis zu Geräten, die im Umfeld der Senioren gleich Bewegungs- und Gesundheitsdaten erheben und speichern. Der Messeveranstalter, der Fachverlag Vincentz Network aus Hannover, präsentiert auf einer Innovationsfläche auch Neuheiten, die kurz vor der Markteinführung stehen. Manches überzeugt die fachkundigen Besucher sehr schnell. So ist der Therapieball Ichó, der mit Geräuschen und Farben auf Berührung reagiert, eigentlich auch eine Art Roboter. Von der sympatischen Sorte.

Die Altenpflege 2018 läuft bis 8. März. Sie ist Mittwoch von 9 bis 18 Uhr, Donnerstag von 9 bis 17 Uhr für Fachpublikum geöffnet. Die Tageskarte kostet 16 Euro.

Von Bärbel Hilbig

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