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Radler tot – 14 Monate auf Bewährung für Autofahrerin

Amtsgericht Hannover Radler tot – 14 Monate auf Bewährung für Autofahrerin

Eine 25-Jährige fuhr bei Rot über eine Ampelkreuzung in Langenhagen, weil sie durch ein Telefonat abgelenkt war – und ein 67-jähriger Radfahrer starb. Das Amtsgericht verurteilte die Frau wegen fahrlässiger Tötung.

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Rechtsanwalt Matthias Waldraff verteidigte die geständige Unfallfahrerin Özge C.

Quelle: Alexander Körner

Hannover.  Eine junge Autofahrerin, die im Sommer 2017 bei Rotlicht über eine Ampelkreuzung im Herzen von Langenhagen fuhr und einen 67-jährigen Radfahrer tötete, ist am Donnerstag vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Die 25-jährige Özge C. bekommt ihren Führerschein nicht vor Ablauf von einem Jahr zurück; auch erlegte Richterin Monika Pinski der Zahnarzthelferin auf, eine Buße von 3600 Euro an die Johanniter-Unfallhilfe zu zahlen.  Die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung ist bereits rechtskräftig. Mehrere Dutzend Zuschauer, darunter etliche Angehörige, wohnten der Verhandlung in dem überfüllten Saal bei.

Entschuldigung nicht akzeptiert

„Es steht mir nicht zu, um Vergebung zu bitten, weil mein Verhalten nicht zu entschuldigen ist“, richtete die schluchzende Angeklagte das Wort an den Sohn und die übrigen Verwandten des Opfers. Es sei kein Tag vergangen, an dem sie nicht an den Verstorbenen gedacht und für ihre Tat gebüßt habe. Doch mochte der von Nebenklage-Anwältin Nese Simsek vertretene Sohn diese Entschuldigung nur zur Kenntnis nehmen, aber nicht akzeptieren: „Was für mich bleibt, ist der Anblick meines an Schläuche angeschlossenen Vaters auf der Intensivstation.“

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Bei einem schweren Unfall in Langenhagen starb ein Radfahrer. Nun steht die Unfallverursacherin vor Gericht.

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Die Angeklagte – zierlich, dunkle Haare, Pferdeschwanz – räumte unter Tränen ein, ganz allein für den Tod des Rentners verantwortlich zu sein. Sie habe sich an jenem 7. Juli 2017 gegen 6.50 Uhr auf dem Weg zur Arbeit befunden und ein hochemotionales Telefonat mit ihrem Freund geführt: Es ging um eine mögliche Trennung. Wie ihr Verteidiger Matthias Waldraff erklärte, habe die in Hainholz lebende Frau per Kopfhörer und damit ganz legal telefoniert; dass ihr Handy auf dem Beifahrersitz lag, ändere aber nichts daran, dass auch solche Telefonate hochgefährlich sein und – wie in diesem Fall – zu schrecklichen Unfällen führen können.  Wie die Polizei später ermittelte, hatte das Gespräch mit dem Freund zum Zeitpunkt des Crashs bereits mehr als elf Minuten gedauert.

Fünf Sekunden rotes Licht

Die Ampel, die die gebürtige Hannoveranerin von der Godshorner Straße aus in Richtung Bothfelder Straße überfuhr, stand laut Gutachter Clemens Rehse schon rund fünf Sekunden lang auf Rot. Die Fahrerin des schwarzen Mercedes SLK älteren Baujahrs hatte bereits die gesamte Breite der Walsroder Straße überquert, als sie den von rechts kommenden Radfahrer voll an seiner Seite traf. Der 67-Jährige, der keinen Helm trug, wurde auf den Kühler und gegen die Windschutzscheibe geschleudert; der schwerverletzte Mann starb zwei Tage später in der MHH an seinen Kopfverletzungen. 

Gerast, so der Gutachter, sei die Frau im SLK offenbar nicht, sie sei das erlaubte Tempo 50 oder vielleicht etwas darüber gefahren. Die Vollbremsung im Moment des Zusammenpralls kam jedoch viel zu spät. Vor Gericht sagten mehrere Zeugen aus, die den Unfall miterlebt hatten; einige bestätigten, dass der Radler die Bothfelder Straße bei Grün überqueren wollte.

„Größter Fehler ihres Lebens“

Der Sohn des Rentners lehnte eine Schmerzensgeldzahlung von Özge C. ab. „Er meint, dass kein Geld der Welt den Schmerz über den Verlust des Vaters ausgleichen kann“, erklärte Anwältin Simsek. Verteidiger Waldraff sagte in seinem Plädoyer, die traumatisierte und in psychologischer Behandlung befindliche Frau habe den „größten Fehler ihres Lebens“ begangen, für den sie die volle Verantwortung übernehme – und mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr büßen müsse. 

Den Wert des Geständnisses der zuvor noch nie straffällig gewordenen Angeklagten hob auch Richterin Pinski hervor; dies habe allen Beteiligten einen quälend streitigen Prozess erspart, der sogar ein milderes Urteil zur Folge hätte haben können. An den Sohn des Opfers richtete sie die Bitte, nicht vollkommen zu verhärten und die juristische wie persönliche Bestrafung der Autofahrerin zu akzeptieren: „Man kann nicht jemanden anderen für sich leiden lassen.“

Urteil hätte noch härter ausfallen können

Die wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Özge C. telefonierte beim Autofahren und war erheblich abgelenkt – das gab sie vor Gericht zu. Dabei hatte sie ihr Mobiltelefon noch nicht einmal in verbotener Weise benutzt: ein Headset, ein Ohr-Kopfhörer oder eine Freisprecheinrichtung legalisieren das Telefonieren während der Fahrt. Wer sein Handy unterwegs aber in die Hand nimmt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Laut dem Bußgeldkatalog, der seit Oktober 2017 gilt, sind im Normalfall 100 Euro Geldstrafe und ein Punkt in der Verkehrssünderkartei fällig. Verursacht ein fahrender Autobesitzer mit einem Mobiltelefon in der Hand einen Unfall, schlagen sogar 200 Euro und 2 Punkte zu Buche. Bei den verheerenden Folgen des Langenhagener Unglücks, so Verteidiger Matthias Waldraff, wäre seine Mandantin bei einer illegalen Nutzung ihres Telefons sicher noch wesentlich härter bestraft worden – vielleicht hätte die 25-Jährige sogar eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung kassiert.

 

Von Michael Zgoll

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