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Aus der Stadt Bahn will Bäume fällen, Forstverwaltung lehnt ab
Hannover Aus der Stadt Bahn will Bäume fällen, Forstverwaltung lehnt ab
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01:10 01.03.2018
Welche Bäume dürfen bleiben, welche stellen bei Sturm eine Gefahr dar? Die Trasse im Hämeler Wald könnte ein bundesweiter Präzendenzfall werden. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

 Über Bäume an Bahngleisen wird seit den kräftigen Winterstürmen in diesem Jahr diskutiert. Politik, Bahn und Fahrgastverbände fordern breitere freie Schneisen an den Strecken, weil umgestürzte Bäume Oberleitungen abgerissen haben und die Gleise längere Zeit gesperrt werden mussten. Auf dem drei Kilometer langen Abschnitt durch den Hämeler Wald an der Strecke Hannover-Braunschweig war das zuletzt am 5. Januar der Fall, als zwei Eichen umgeblasen wurden.

Die Bahn fordert nun vorsorgliche Fällungen, aber die Forstverwaltung und die Forstinteressengemeinschaft Hohenhameln als Zusammenschluss der Waldbesitzer lehnen das ab. „Die Gefahr würde durch umstürzende Bäume würde sogar vergrößert“, sagt Revierförster Lutz Petersen. Jetzt droht die Bahn mit kurzfristigen Streckensperrungen.

Bahn: Gefahr schon bei leichtem Wind

Durch den Hämeler Wald fahren sowohl Regionalzüge der Westfalenbahn Richtung Braunschweig als auch Fernzüge der Bahn Richtung Berlin. Wegen der Bedeutung der Verbindung hat es einen Ortstermin gegeben. „Dabei sind Bäume gekennzeichnet worden, die schon bei leichtem Wind umzustürzen drohen“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Generell sei der Boden nass bis sumpfig, außerdem könnten die Bäume wegen einer Tonschicht keine tiefen Wurzeln bilden.

Revierförster Petersen und Thore Lindemann, Vorsitzender der Interessengemeinschaft, bewerten die Dinge anders. „Gerade die 150 Jahre alten Bäume direkt an der Strecke haben ein im Verhältnis zu ihren Kronen festeres Wurzelwerk. Für diejenigen direkt dahinter gilt das nicht“, sagt Petersen. Lindemann verweist darauf, dass vor dem Januarunfall 40 Jahre lang kein Baum in die Leitungen gestürzt sei. Außerdem ärgern sich die Waldbesitzer darüber, dass sie Fällarbeiten bezahlen müssten.

Ab Windstärke acht ist Schluss

Die Bahn schickt nun ab Windstärke fünf Streckenposten in den Wald, die bei Gefahr den Zugverkehr stoppen. „Bläst es stärker als Windstärke acht, werden wir die Strecke sofort komplett sperren“, sagt Meyer-Lovis. Forstverwaltung und Waldbesitzern sei eine Frist bis zum 1. März eingeräumt worden. Danach schalte man die Rechtsabteilung ein.

Das Thema könnte weitere Kreise ziehen. Vor einer Woche hatte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) einen Runden Tisch organisiert, um über den Bewuchs an Bahnstrecken im Norden zu beraten. „Die Bahn braucht ein Image des verlässlichen Transportmittels, das auch bei stürmischen Wetterlagen gesichert sein muss“, sagte er. Das Unternehmen habe eine Durchforstungsinitiative zugesagt mit dem Ziel, den Baumbestand entlang der Gleise auf Dauer zu stabilisieren. Ziel sei ein Leitfaden, um die Zusammenarbeiter der Bahn mit Wald- und Naturschutzbehörden zu verbessern und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Im Hämeler Wald würde so etwas gebraucht.

Von Bernd Haase

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