Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Was ist typisch für Hannover?
Hannover Aus der Stadt Was ist typisch für Hannover?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 11.02.2018
Königlich: Unter Hannovers Wahrzeichen liegt das Ernst-August-Denkmal bei den Besuchern des Historischen Museums weit vorn.  Quelle: Körner
Hannover

Da ging ein Hauch von Wehmut durchs Historische Museum. Natürlich führe er Besucher von außerhalb gerne über den pittoresken Ballhofplatz und zu den Nanas, sagte Dennis Bohnecke. „Das heimliche Herz von Hannover aber war für mich die Aegi-Hochstraße“, bekannte der GOP-Direktor und Vorstandsvorsitzende der City-Gemeinschaft. Auch Volker Wiedersheim, HAZ-Redakteur und Kabarettist beim Satire-Sextett Salon Herbert Royal, ging gedanklich in die Vergangenheit: Typisch hannoversch sei für der längst abgerissene „Conti-Stachel“ gewesen, der am Messestutzen einst heimkehrende Urlauberfamilien als Hannovers visuelle Visitenkarte grüßte.

Mehr als 100 Besucher waren ins Museum gekommen, um die Diskussion um Hannovers Wahrzeichen zu erleben – eine Debatte darüber, welche Bauten, Personen und Marken Hannover erst zu Hannover machen. 

Grüne Stadt und Heimat des VW Bulli

In der Ausstellung „Typisch Hannover!?“, hat das Museum ein Jahr lang seine Besucher gefragt, was für sie zur Identität der Stadt gehört. Museumsmitarbeiter haben auf dem Kröpcke mit Bürgern diskutiert, Besucher durften Fotos und Statements mailen und Zettel an Museumswände pinnen. Sie konnten auch über ein gutes  Dutzend Themen abstimmen, die das Museum in der Ausstellung präsentierte, indem sie kleine Chips in Plastikröhren warfen. Insgesamt rund 3000 Stellungnahmen konnten die Museumsleute am Ende auswerten.

Das gehört für Hannoveraner zu Hannover

Herausgekommen ist dabei kein wissenschaftlich repräsentatives Ranking, wohl aber ein Stimmungsbild. Eins mit teils überraschenden Facetten: Die Hannoveraner sehen ihre Heimatstadt vor allem als „Großstadt im Grünen“ – Herrenhäuser Gärten und Zoo, Maschsee und Eilenriede haben für sie einen hohen Stellenwert. Und sie sehen Hannover als „Transporterstadt“. Als Heimat des VW Bulli.

Bei der Frage nach Hannovers wichtigsten Wahrzeichen bot sich ein buntscheckiges Bild. „Mein Glaube an die Wirksamkeit von Wahrzeichen  ist strukturell ohnehin eingeschränkt“, erklärte Wiedersheim skeptisch. Braucht ein Ort überhaupt einen Kanon an Orten und Bauten, auf deren Bedeutung sich alle einigen können? Oder ist schon  diese Identitätsdebatte selbst etwas sehr Hannoversches?

„Man braucht Zeichen, die akzeptiert sind“, sagt Museumsdirektor Thomas Schwark. Zugleich aber sei die Liebe zu einem Wahrzeichen etwas sehr Persönliches, Sinnliches – Stätten, an denen Gefühle kondensierten. Für die Museumsbesucher steht in Hannover das Ernst-August-Denkmal dabei weit vorn – vermutlich, weil es als Treffpunkt Menschen zusammenführt. 

Drei warme Brüder sind beliebt

Bei den Wahrzeichen gebe es einen Wandel, konstatierte Schwark: Im 19. Jahrhundert noch war die Waterloosäule neben dem Turm der Marktkirche das Hannover-Wahrzeichen schlechthin, sie wurde auf zahllosen Postkarten abgebildet. Inzwischen ist sie nur noch ein Wahrzeichen unter vielen; militärische Schlachtensiege sind in den Hintergrund gerückt. Bemerkenswert viel Zuspruch ernteten dafür heute die „Drei warmen Brüder“: Der Lindener Lokalpatriotismus hat sich in ihnen offenkundig ein eingenes Wahrzeichen gesucht.

Überraschungen gab es auch bei jenen Firmen und Marken, welche die Museumsbesucher für typisch Hannoversch hielten: Neben Bahlsen, VW und Pelikan galt ihnen auch die Deutsche Grammophon als identitätsstiftend – obwohl es diese gar nicht mehr gibt. „Auffällig ist, dass die produzierenden Firmen besonders stark im Bewusstsein der Menschen präsent sind“, sagt Schwark. Dienstleistungsunternehmen wie die TUI oder die VGH spielten eher eine untergeordnete Rolle, trotz ihrer immensen Bedeutung für die Stadt.

Schmalstieg vor Haarmann

Große Einigkeit herrschte in der von HAZ-Redakteur Jan Sedelies moderierten Runde bei der Frage nach dem Hannoveraner schlechthin: Herbert Schmalstieg sei typisch für die Stadt, befanden Bohnecke und Wiedersheim unisono. Und der Langzeit-OB lag auch im Votum der Museumsbesucher weit vorn – deutlich vor so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Gerhard Schröder oder Margot Käßmann. Das Ergebnis sei für das Museum überraschend gewesen, bekannte Schwark: Die Historiker des Hauses hatten vor allem historische Persönlichkeiten auf dem Schirm gehabt. Die Besucher jedoch werteten lebende Politiker oder die Scorpions als hannoversche Band als ebenso identitätsstiftend wie den seligen Leibniz und den unseligen Fritz Haarmann.

Menschen, Firmen und Gebäude

Besucher des Historischen Museums konnten sich dazu äußern, welche Persönlichkeiten, Unternehmen und Gebäude für sie eindeutig zu Hannover gehören. Eine stimmgenaue Auszählung gab es nicht; die Umfrage war nicht repräsentativ. Dennoch ergab die Auswertung von rund 3000 Beiträgen bei dem Museumsmitarbeitern folgendes Bild.

  • Prägende Bauwerke
  • Neues Rathaus
  • Ernst-August-Denkmal
  • Nanas
  • Marktkirche
  • Nord /LB
  • Die „drei warmen Brüder“
  • Wichtige Persönlichkeiten
  • Herbert Schmalstieg
  • Fritz Haarmann
  • Gerhard Schröder
  • Margot Käßmann
  • Kurt Schwitters
  • Die Scorpions
  • Leny Meyer-Landrut
  • Robert Enke
  • Gottfried Wilhelm Leibniz
  • Christian Wulff
  • Prägende Unternehmen
  • Bahlsen
  • VW
  • Pelikan
  • Continental
  • Deutsche Grammophon

Als Fazit blieb am Ende: Das eine, unumstrittene Wahrzeichen, einen Kölner Dom oder einen Eiffelturm, hat Hannover nicht. Für alle, die so etwas vermissen, hat Wiedersheim Trost in petto: „Wahrzeichen sind oft Zeugnisse von Geltungs- und Verschwendungssucht – es ist nicht schlimm, wenn Hannover so etwas nicht hat.“ Die Beiträge zur Hannover-Debatte sollen bei der derzeit anstehenden Umgestaltung der Dauerausstellung des Museums berücksichtigt werden, verspricht Schwar. Jedenfalls soweit das möglich ist. „Jazz und Lüttje Lage lassen sich ja nur schwer ausstellen.“ 

Was gehört zur Stadt?

Im Historischen Museum konnten Besucher auf Zettel schreiben, was in ihren Augen typisch für Hannover ist. Hier einige Auszüge.

  • „Inner Lavesstraße ham se anen mit’m Bananewagen übern Magen gefahren. An stolzer Student stolpert übern spitzen Stan. (Klares A und St!)“
  • „Limmern“
  • „Krökeln in der Nordstadt-Kneipe“
  • „Der europaweit einzigartige Bogen-Fahrstuhl in der Kuppel des Neuen Rathauses“
  • „Calenberger Pfannenschlach“
  • „Diebstahl des Leibniz-Kekses“
  • „Die erste schwule Sauna in Deutschland (1970)“
  • „Bruchmeister“
  • „Chaostage“
  • „In Hannover darf man auf Rolltreppen auch links stehen und keiner drängelt“
  • „Norddeutsch-kühl & trotzdem weltoffen-herzlich“
  • „Groß genug, damit man sich aus dem Weg gehen kann. Klein genug, dass man immer jemanden kennt, den der andere auch kennt“

Von Simon Benne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Seit Jahren verzichten die Innenstadthändler auf zwei verkaufsoffene Sonntage zugunsten der Stadtteilhändler. Nun wird es eng mit den Terminen.

08.02.2018

Um ein weiteres halbes Jahr verspätet sich das umstrittene Kraftwerk an der Leineinsel. Angeblich gibt es Terminprobleme. Die Anwohnerinitiative frohlockt.

08.02.2018

Die im vergangenen Herbst an der Leibniz-Universität eröffnete Roboterfabrik will ihre Aktivitäten auf ganz Deutschland ausweiten. Dazu ist das Projekt „Robonatives“ ins Leben gerufen worden.

08.02.2018