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Aus der Stadt Obdachloser greift Soldaten mit Eisenstange an
Hannover Aus der Stadt Obdachloser greift Soldaten mit Eisenstange an
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00:16 15.02.2018
Alexander M. - hier mit Verteidiger Holger Nitz - gestand die Attacke mit der Eisenstange ein. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Seit Montag muss sich ein 39-jähriger Mann vor dem Schwurgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags verantworten. Der 39-jährige Alexander M. griff am 24. August 2017 frühmorgens gegen 4.45 Uhr im Steintorviertel fünf Berufssoldaten mit einer Eisenstange an. Drei der Männer wurden verletzt, ein 29-Jähriger sogar schwer. Ihm schlug der Angreifer vor der Kneipe Sansibar die gut einen Meter lange Stange auf den Kopf, sodass das Opfer zu Boden sank und 30 Sekunden ohnmächtig war. Der Bundeswehrsoldat trug eine stark blutende Platzwunde und eine Gehirnerschütterung davon, hatte zudem monatelang mit Gedächtnisstörungen und psychischen Problemen zu kämpfen. 

Bettelei um einen Euro

Der drogensüchtige M. ist in der hannoverschen Obdachlosenszene beheimatet, wurde auch schon mehrfach straffällig. Über seinen Verteidiger Holger Nitz räumte der 39-Jährige die Tat ein, bestritt aber, gezielt auf den Kopf des Soldaten geschlagen zu haben. Er habe die Gruppe um einen Euro angebettelt, sei von den Männern jedoch in aggressiver Weise zurückgewiesen worden. Zu der Eisenstange, die zu einer Baustellenabsperrung an der Münzstraße gehörte, habe er nur gegriffen, weil er sich bedroht fühlte. Möglicherweise, darauf wiesen Verteidiger wie auch Staatsanwältin hin, stand M. an jenem Donnerstagmorgen unter dem Einfluss von Heroin, Kokain sowie Beruhigungsmitteln und war nur vermindert schuldfähig.

Mit dieser Eisenstange schlug Alexander M. auf die Soldaten ein. Quelle: Michael Zgoll

Die fünf Soldaten hatten in der Nacht das Ende eines Englisch-Lehrgangs in der Emmich-Cambrai-Kaserne in Vahrenheide gefeiert. Begonnen hatte die Runde in der Bierbörse, dann trank und vergnügte man sich stundenlang in der Sansibar. Beim Verlassen des Lokals gab es mit einem anderen Gast und den Türstehern ein paar Meinungsverschiedenheiten; von daher war die Stimmung etwas angespannt, als die Gruppe auf die Straße trat.

Opfer stark angetrunken

Die Aussagen der Soldaten über das Folgegeschehen, die sie vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch abgaben, ähnelten sich. Man habe die Bettelei von Alexander M. um den Euro zwar barsch zurückgewiesen und ihm „Verpiss dich“ zugerufen, sei den Obdachlosen aber nicht körperlich angegangen. Dass er wenige Augenblicke nach dieser Zurückweisung mit einer Eisenstange zurückkehrte und zuschlug, sei für alle völlig überraschend gekommen. Erst ein paar von der Sansibar herbeigeeilte Türsteher schafften es wenig später, den Angreifer zu überwältigen.

Der schwer am Kopf verletzte 29-Jährige war zur Tatzeit selbst stark angetrunken, die Rede ist von 3,3 Promille. Wie der Bundeswehrsoldat vor Gericht schilderte, leidet er bis heute unter der Eisenstangen-Attacke. In den ersten Wochen nach der Tat habe er häufig Wortfindungsstörungen gehabt und manchmal sogar den Namen seiner Verlobten vergessen. Hinzu kamen Albträume und Schlafstörungen. Der an die Führungsakademie in Hamburg gewechselte Soldat war mehrfach krankgeschrieben, irgendwann ergaben Untersuchungen, dass er durch den Schlag eine „Raumforderung“ (eine Gewebeveränderung ) im Gehirn erlitten haben könnte. „Inzwischen geht es mir besser, aber psychisch bin ich immer noch belastet“, erklärte er im Schwurgerichtssaal.

„Gefuchtel“ oder gezielte Schläge?

Ein 31-jähriger Berufssoldat, auch er zur Tatzeit erheblich angetrunken, wurde bei der Attacke leicht an der Brust verletzt, ein 34-Jähriger von der Stange am linken Oberschenkel getroffen. Die Aussagen der Zeugen, inwieweit es der Täter gezielt auf Leib und Leben seiner Opfer abgesehen hatten, schwankten. Die Rede war von „wildem Geprügel“ und „Gefuchtel“, aber auch von gezielten Schlägen vonseiten M.s. – er habe die Kameraden „umklatschen“ wollen. 

Aller Voraussicht nach wird das Schwurgericht am nächsten Montag urteilen, ob es sich bei der Tat nur um eine gefährliche Körperverletzung oder einen versuchten Totschlag handelt. Auch dürfte die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten an jenem Augustmorgen eine wichtige Rolle bei der Strafzumessung spielen. 

Von Michael Zgoll

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