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Image der Stadt

Hannover: Eine Liebe auf den zweiten Blick

Von Bernd Haase

Hannover wird nach wie vor in den großen Tageszeitungen bespöttelt. Aber das Image ist, so besagen es die Ergebnisse einer Studie, positiver als gemeinhin gedacht.
Hannover wird nach wie vor bespöttelt.

Hannover wird nach wie vor bespöttelt.

© dpa

Die „Tageszeitung“ (taz) wusste es mal wieder genau: „Wie die meisten Klischees stimmt leider auch dieses: Hannover ist die langweiligste Stadt des Landes“, befand das Blatt am 31. Mai dieses Jahres. Geht es nach Ergebnissen einer jetzt vorgelegten Studie, sollten die Blattmacher das Klischee überprüfen. Der Negativmythos, der die niedersächsische Landeshauptstadt umgibt, ist zwar nicht totzukriegen: „Er findet sich häufig in der Berichterstattung in überregionalen Medien. Aber dann gehen die Autoren der Sache auf den Grund, und es entwickelt sich eine Liebe auf den zweiten Blick“, sagt Jan Blume, Geschäftsführer von Aserto, einer hannoverschen Agentur für Kommunikationsberatung.

Aserto und 30 angehende Medienmanager des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) haben das Medienimage von Hannover in fünf überregionalen deutschen Tageszeitungen anhand der Berichterstattung in den vergangenen zehn Jahren untersucht. „Da hat sich etwas gewandelt, unter dem Strich schneidet die Stadt gar nicht so schlecht ab“, findet Blume. Beispiel sei die „Süddeutsche Zeitung“, der gelegentlich unterstellt wurde, sie unterhalte ein eigenes Ressort zur Verächtlichmachung Hannovers. „Das wird so nicht mehr gepflegt“, sagt Blume.

Das Drama um den Freitod des Fußballers Robert Enke, die Trunkenheitsfahrt der Landesbischöfin Margot Käßmann, der Sieg von Lena Meyer-Landrut beim europäischen Schlagerfestival und die Wahl Christian Wulffs zum Bundespräsidenten – es gab zuletzt einiges, das den bundesweiten Fokus auf Hannover gerichtet hat. „Auf das Image der Stadt in der Presse haben diese Themen keine große Auswirkung gehabt. Die Berichterstattung hat sich schnell vom Schauplatz entkoppelt“, erklärt Daniela Schlütz, Projektleiterin beim an der Hochschule für Musik, Theater und Journalistik ansässigen IJK.

Es sind eher zwei schon länger zurückliegende Ereignisse, die die Medien dazu veranlasst haben, sich eingehend mit Hannovers vorgeblicher Graumäusigkeit zu befassen. Zum einen war das die Weltausstellung Expo 2000. „Wenn sich eine Stadt zu Großem aufschwingt, wird das immer hinterfragt“, sagt Blume. „Warum ausgerechnet Hannover?“, habe damals die Arbeitshypothese der meisten Journalisten gelautet.

Zum anderen fand der Heimaturlaub Gerhard Schröders im Jahr 2003 seinen Niederschlag. Der damalige Kanzler war, nachdem der stellvertretende italienische Tourismusminister Stefano Stefani Deutsche pauschal beleidigt hatte, in den Sommerferien zu Hause geblieben. Edelfedern aller großen Medien gingen umgehend der Frage auf den Grund, wie man denn in dieser ach so langweiligen Stadt Urlaub machen könne. Wie die von Blume beschriebene Liebe auf den zweiten Blick funktioniert, lässt sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 17. Juli 2003 nachlesen: „Hannover, die durchgrünte Spröde an der Leine, wird gerne unterschätzt. Sicher, eine Reise ist sie nicht gerade wert. Aber wer schon mal da war oder gar dort wohnt und nicht fort darf, sollte sich in Muße umschauen. Hannover hat viele versteckte Schönheiten und einige offenkundige.“

Sucht man nach Themengebieten, wird Hannover stark als Wirtschaftsstandort wahrgenommen. „Vieles verbindet sich mit der Messe“, erklärt Schlütz. Auch Kunst und Kultur – vor allem durch das Sprengel Museum und die Herrenhäuser Gärten – sowie die häufig zu Lästereien Anlass gebende Architektur in der Innenstadt werden aufgegriffen. Wissenschaft und Forschung spielen dagegen laut Studie nur eine untergeordnete Rolle.

„Hannover sollte den Ball flach halten und vor allem mit seinen Alltagsqualitäten werben“, folgern Schlütz und Blume aus den Ergebnissen der Medienanalyse. Mentalitätsmäßig sollte das klappen: „Hannoveraner sind keine Angeber“, sagen sie. Andererseits sei exakt diese Eigenschaft auch einer der Gründe für den hartleibigen Negativmythos.

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