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Aus der Stadt Firmen werben ausländische Fachkräfte an
Hannover Aus der Stadt Firmen werben ausländische Fachkräfte an
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01:42 02.06.2018
Amra Dzananovíc (23) aus Bosnien und Salah Hamed (32) aus Algerien haben in Deutschland an Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen und arbeiten jetzt in ihrem jeweiligen Beruf. Quelle: Philipp Von Ditfurth
Hannover

Amra Dzananovíc ist froh endlich in Deutschland arbeiten zu können. „In Bosnien habe ich keine Arbeit gefunden und konnte daher nicht selbstständig leben“, berichtet die dort ausgebildete Krankenschwester. Seit Dezember 2015 arbeitet die 23-Jährige im Senioren- und Therapiezentrum Am Herrenhaus Sickte im Kreis Wolfenbüttel. Dabei ist Dzananovíc kein Einzelfall: Immer mehr ausländische Fachkräfte zieht es nach Deutschland, um hier eine Arbeit zu finden. Und vor allem im Pflege- und Gesundheitssegment und in der Informationstechnik (IT) werden sie von Unternehmen mit offenen Armen empfangen. „Wir sind extra zweimal nach Serbien geflogen und haben dort Pflegekräfte für unsere Häuser angeworben“, erzählt Thomas Erbslöh, Leiter eines Seniorenstifts des Deutschen Roten Kreuzes im Weserbergland. „Wir bekommen seit Monaten keine Fachkräftebewerbungen mehr.“

Doch selbst mit ihrer abgeschlossenen Krankenschwesterausbildung konnte die Bosnierin nicht sofort die Arbeit in Sickte aufnehmen. Ihre Qualifizierung wird in Deutschland nicht im vollen Umfang anerkannt, da die Schwerpunkte bei der Ausbildung im Ausland anders gesetzt werden. Allerdings konnte Dzananovíc eine Kenntnisprüfung, also die Abschlussprüfung eines Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege, nachholen und damit auch in Deutschland als anerkannte Fachkraft arbeiten. Bei diesem Verfahren unterstützt das niedersächsische Netzwerk Integration durch Qualifikation (IQ). Das durch den Bund, die Europäische Union und das Land Niedersachsen geförderte Projekte hat niedersachsenweit 14 Anlaufstellen, die Anerkennungs- sowie Qualifizierungsberatungen anbieten. Seit 2011 wurden dadurch mehr als 13 500 Berufsabschlüsse erreicht. Die einzigen Voraussetzungen sind, dass die Teilnehmer eine qualifizierte Berufsausbildung haben, die sie mit einem Zeugnis und einem Diplom nachweisen können, und selbstständig die deutsche Sprache (auf B1-Niveau) sprechen können.

13 500 Abschlüsse seit 2011

„Ich habe in Bosnien schon mein B1 gemacht“, erzählt Dzananovíc. Zunächst habe sie sechs Monate als Pflegehelferin in Sickte gearbeitet und dann in neun Monaten ihre Kenntnisprüfung erfolgreich absolviert. Während der Vorbereitung auf die Prüfung arbeiten die Teilnehmer zum Teil in Betrieben und haben Blockunterricht, wie in Dzananovícs Fall in der Volkshochschule Braunschweig, Fachpartner des IQ-Netzwerkes. „Wir haben super Erfahrungen mit ausländischen Pflegekräften gemacht“, bestätigt Christoph Isermeyer, Leiter des Senioren- und Therapiezentrum Am Herrenhaus Sickte. Er beschäftige insgesamt 22  bosnische Mitarbeiter. „Es ist schon ein enormer Kraftaufwand, aber es lohnt sich.“

„Warten war das Schlimmste“

Einen anderen Weg hat Salah Hamed aus Algerien eingeschlagen. „Ich bin für eine bessere Zukunft nach Deutschland gekommen“, berichtet der 32-Jährige. Der studierte Elektroingenieur ist am 28. Dezember 2014 nach Hannover gekommen und hat mit Hilfe einer IQ-Beratungsstelle in Hannover sein Anerkennungsverfahren gestartet. Allerdings dauerte es drei Monate, bis er einen Gesprächstermin erhielt, und dann noch einmal sechs Monate, bis sein Diplom in Teilen anerkannt wurde. „Das lange Warten war das Schlimmste“, findet er im Nachhinein. Im Oktober 2016 machte er schließlich seine Anerkennung als Ingenieur und arbeitet November 2017 im Start-Up Unternehmen InnoSep in Hannover. Allerdings hat Hamed noch große Pläne: „Ich möchte später mein eigenes Start-Up-Unternehmen in Deutschland gründen.“

Von Laura Ebeling

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