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Aus der Stadt Hannover: Freie Fahrt für Radler bei Rotlicht abgelehnt
Hannover Aus der Stadt Hannover: Freie Fahrt für Radler bei Rotlicht abgelehnt
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00:19 09.02.2018
Mit dem „Idaho-Stop“ könnten Radler Rotlicht mit anderen Augen betrachten. Quelle: Hinzmann
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Hannover

 Die Ratsfraktion „Die Fraktion“ betreibt Politik oft mit satirischem Ansatz, aber dieser Vorstoß war ernst gemeint: Die Verwaltung sollte prüfen, ob eine im US-Bundesstaat Idaho erfundene Verkehrsregelung Vorbild für Hannover sein könnte. Sie besagt, dass Radfahrer an Kreuzungen oder Einmündungen Rotlicht an Ampeln ignorieren dürfen, wenn sie geradeaus oder rechts abbiegen wollen und die Verkehrssituation es hergibt. „Die Ampel funktioniert dabei wie ein Stoppschild“, erklärte Fraktionsmitglied Oliver Förste im Umweltausschuss des Rates.

Der sogenannte Idaho-Stop mache Hannover zu einer fahrradfreundlicheren Stadt und sorge gleichzeitig für mehr Umsicht im Verkehr, sagte Förste. Weil Fahrradfahrer aufmerksamer unterwegs seien, entstehe kein erhöhtes Unfallrisiko. Sie müssten sich Kreuzungen langsam nähern und sich umschauen, ob tatsächlich kein anderer Verkehrsteilnehmer kreuzt. „Viele Radler machen das doch in Hannover ohnehin so“, argumentierte Förste.

Damit drang „Die Fraktion“ allerdings beim Rest der Politik nicht durch. „Eine irrwitzige Vorstellung“, erklärte Felix Blaschzyk (CDU).  „Die Verkehrssicherheit ist nicht gegeben, wenn Fahrradfahrer einfach durchrauschen“, befürchtete Philipp Kreisz (SPD). Reinhard Hirche (AfD) wies darauf hin, dass eine derartige Regelung Kinder gefährden würde. Martin Bingemer (FDP) sagte, dass man einen dünnbesiedelten Landstrich im Nordwesten der USA in punkto Verkehrsdichte nicht mit einer deutschen Großstadt vergleichen könne.

Nun ist es aber nicht so, dass die bereits 1982 in Idaho eingeführte Rotlichtregel nicht auf Nachahmer gegestoßen. In französischen Städten, unter ihnen Paris, findet sie mittlerweile ebenso Anwendung wie in Belgien und den Niederlanden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) verweist auf die Ergebnisse eines Pilotversuchs in Basel in der Schweiz. Dort sei die Regelung rege genutzt worden, es habe keine Unfälle gegeben und weniger Konflikte zwischen Radlern und Autofahrern. Außerdem sei allgemein der Verkehrsfluss verbessert worden.

Der ADFC-Bundesverband kann dem „Idaho-Stop“ daher etwas abgewinnen. Eberhard Röhrig-van der Meer, Sprecher des Regionsverbandes Hannover, ist skeptischer: „Man sollte in Hannover nicht schon wieder eine neue Kuh durchs Dorf treiben“. Röhrig-van der Meer plädiert für einen Grünpfeil für Rechtsabbieger, wie es ihn im Autoverkehr gibt.

In Hannover wird sich das Rathaus bis auf Weiteres nicht mit der Angelegenheit befassen. Der Umweltausschuss hat einen Pilotversuch abgelehnt; die einzige Ja-Stimme kam von der „Fraktion“.

Das sagt die Rechtslage

Um Radfahrern Rechtsabbiegen oder Geradeausfahren trotz Rotlicht nach Vorbild der Idaho-Regelung auch in Deutschland zu ermöglichen, müsste die Straßenverkehrsordnung (StVO) geändert werden. Eine generelle Freigabe wäre zwar theoretisch möglich, müsste aber Ausnahmen zulassen und wäre mit Sicherheit hochumstritten. Eine Umsetzung würde deshalb Jahre dauern.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club plädiert daher dafür, die StVO um ein Verkehrszeichen zu ergänzen. Infrage käme ein auf der Spitze stehendes, rotgerändertes Dreieck mit Fahrradsymbol und Richtungspfeil auf weißem Grund, wie es in anderen Ländern schon existiert. Dieses würde interessierten Städten Einzelfallregelungen oder Pilotversuche ermöglichen. Das Bundesverkehrsministerium hat allerdings in der Vergangenheit schon häufiger erklärt, was es vom „Idaho-Stop“ hält: nichts.

 

Von Bernd Haase

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