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Aus der Stadt Kater stirbt nach Behandlungsfehler – Klinik verurteilt
Hannover Aus der Stadt Kater stirbt nach Behandlungsfehler – Klinik verurteilt
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00:40 19.04.2018
Hinter diesen Mauern am Volgersweg wurde die Klinik zur Erstattung des Großteils ihrer Rechnung an die Katzenhalterin verurteilt. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Eine Kleintierklinik, im südlichen Hannover angesiedelt, hat wegen des Ablebens einer Katze eine deftige Niederlage vor Gericht erlitten. Das Amtsgericht bescheinigte den verantwortlichen Tierärzten auf Grundlage eines Gutachtens eine „Vielzahl teils schwerer Behandlungsfehler“. Kater Sammy macht dieses Urteil auch nicht wieder lebendig, doch muss die Klinik der früheren Besitzerin 1353 Euro Behandlungskosten zurückzahlen.

Die Halterin von Sammy hatte den Notdienst der Kleintierklinik vor zwei Jahren aufgesucht, weil das Tier unter einem epileptischen Anfall litt und Urin ließ. Die Verantwortlichen starteten das volle medizinische Programm: Röntgenaufnahme, Blutabnahme, Verabreichen von Antibiotika, Schmerz- und Beruhigungsmitteln sowie Betablockern. Am Folgetag wurde die Katze nach Hause entlassen: Ihr gesundheitlicher Zustand habe sich stabilisiert. Doch zwei Tage darauf stand die besorgte Besitzerin erneut vor der Tür, weil ihr Tier nicht abführen konnte. Was folgte, war eine Operation zur Darmentleerung, ein Nierenversagen und eine dramatische Verschlechterung des Gesundheitszustands von Sammy. Sechs Tage nach dem ersten Aufsuchen der Notaufnahme starb das Tier.

Kater sollte nicht leiden

Kurze Zeit später bekam die trauernde Halterin eine Rechnung der Klinik über 1849 Euro präsentiert, gestückelt über zwei Behandlungskomplexe. Zunächst zahlte die Frau – um wenige Wochen später mithilfe eines Anwalts auf Rückzahlung des gesamten Betrags zu klagen. Ihr Liebling sei fern aller Regeln ärztlicher Kunst behandelt worden. Auch habe sie der Klinik schon frühzeitig mitgeteilt, dass der Kater nicht unnötig leiden solle und gegebenenfalls eine Euthanasie durchzuführen sei – ein Hinweis, von dem die verantwortlichen Tierärzte nichts wissen wollen.

Zivilrichterin Dagmar Frost urteilte, die Behandlungskosten für den ersten Tag hätten ihre Berechtigung – alles Weitere aber nicht. Laut dem Sachverständigen, einem Professor für Veterinärmedizin, hätte man Sammy zunächst ein Abführmittel verschreiben müssen, statt gleich eine Darm-OP durchzuführen. Andererseits habe die Klinik versäumt, die Katze auf Diabetes zu untersuchen, ihr eine Sondenernährung zukommen  zu lassen und ihr völlig ungeeignete Medikamente zur Muskelentspannung, zum Fiebersenken und zur Keimbekämpfung verabreicht. Diese hätten einige Symptome verschlimmert oder gänzlich neue Beschwerden hervorgerufen. Dem Tier in seinem miserablen Zustand einen Harnkatheter zu legen, so Gutachter und Gericht, sei ebenfalls als Kunstfehler zu werten. 

Wie hoch die Überlebenschancen von Sammy im Falle einer angemessenen Behandlung gewesen wären, spielte bei diesem Urteil keine Rolle.

Von Michael Zgoll

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