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Aus der Stadt Hannovers Hanomag-Rekorddiesel ist fertig
Hannover Aus der Stadt Hannovers Hanomag-Rekorddiesel ist fertig
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00:28 03.06.2018
Da ist er wieder: Der Hanomag-Rennwagen, der 1939 Weltrekorde einfuhr, in seiner wieder aufgebauten Form. Am Steuer Horst-Dieter Görg, Vorsitzender des niedersächsischen Arbeitskreises Technik- und Industriegeschichte und der Hanomag-Interessengemeinschaft, daneben Frank Harting HDI-Vorstandsmitglied. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Jetzt sind auch die beiden Klapptüren nachgebaut und zusammen mit der frisch gefertigten Motorhaube eingesetzt: Hannovers Hanomag-Weltrekord-Diesel ist wieder vorzeigbar. In jahrelanger Arbeit haben Ehrenamtliche der IG Hanomag weltweit Einzelteile gesucht, Karrosserieelemente nachbauen lassen und Geld gesammelt. Am Donnerstag wurde der silberne Flitzer beim HDI in Lahe erstmals gezeigt. In acht Wochen soll die Technik im Inneren so weit sein, dass der Wagen wieder fahren kann.

„Ein großartiger Moment“, sagt Horst-Dieter Görg von der IG Hanomag. Die HDI-Manager haben die Steinplatten der großen Eingangshalle vorsichtig mit Pappen abgedeckt – wer alte Autos kennt, der weiß um die unvermeidlichen Ölflecken. Dann zieht Görg gemeinsam mit HDI-Vorstandsmitglied Frank Harting das goldene Tuch vom Wagen. Und da steht er.

Diesel, der Begriff hat heute einen schlechten Beiklang bekommen. 1939 aber sorgte Hanomag mit dem Experiment weltweit für Furore in der Technikszene. Der schwerfällig selbstzündende Diesel war bisher aus Treckern und Schiffsmotoren bekannt. Auf der Rennstrecke in Dessau Heute: die A9) aber fuhr der Hanomag-Flitzer in Rennwagenkarrosse allen anderen Wagen davon. 35 PS aus 1,9 Litern Hubraum brachten das Spitzentempo von 165 Kilometern in der Stunde. Vier Weltrekorde holte Rennpilot Karl Häberle bei dem Wettstreit mit dem windschnittigen Hanomag-Rekord. Chefkonstrukteur war damals Lazar Schargorodsky. Sein Enkel ist jetzt eigens zur Feierstunde angereist.

Motor, Lenkrad, sogar hannoversche Excelsior-Reifen: Wir zeigen die Detailbilder des Hanomag-Weltrekorddiesels aus Hannover.

Der Originalwagen gilt als verschollen, doch Görg und seine Mitstreiter haben einen Original-Rahmen gefunden, originale Achsen und andere Bauteile. Auch das sogenannte Ferngetriebe konnte aufgetrieben werden, es hat im höchsten Gang keine 1:1-Übersetzung, sondern 1:1,3, um die Höchstgeschwindigkeit zu erhöhen.

„Ein Meilenstein deutscher Technikgeschichte“, sagt Görg und dankt den vielen Sponsoren und Helfern, die das Projekt möglich gemacht haben. Rund 250.000 Euro steckten in dem Wiederaufbau. Noch ist das Geld nicht ganz zusammen – 50.000 Euro fehlten noch, sagt Görg. Es habe viele Spenden von Industrieunternehmen gegeben, auch von Privatleuten, etwa einer ehemaligen Motorjournalistin der HAZ. „Aber insgesamt ist es schade, dass wir aus Hannover wenig Rresonanz auf unsere Spendenaufrufe bekommen“, bedauert Görg. Vielleicht ändert sich das nach der Feierstunde im HDI.

Die Versicherung ist Hanomag eng verbunden. 1903 gegründet, habe man das hannoversche Vorzeigeunternehmen bis zur Insolvenz 1983 versichert, sagt Harting. „Tolle Autos“ habe Hanomag hergestellt. Inzwischen ist die Firma im japanischen Komatsu-Konzern aufgegangen.

Noch sind Restarbeiten am Hanomag-Rekorddiesel nötig. Das Armaturenbrett ist zunächst nur mit Filzstift aufgemalt, das Getriebe noch nicht eingebaut, Fenster und Dachhaube fehlen. Alles liege aber schon bereit, sagt Görg. 500 Testkilometer ist man schon gefahren, in acht Wochen soll der Wagen wieder fahrbereit sein, dann auch mit dem eigens restaurierten Ferngetriebe. Am 3. Oktober soll der Wagen mit seiner gebürsteten Alublech-Oberfläche auf der Weltrekord-Rennstrecke in Dessau mitfahren.

Die Hannoveraner können ihn schon vorher sehen: Bei der Nacht der Museen am kommenden Wochenende wird er im Historischen Museum gezeigt, ab Sonntag ist er dort regulär zu sehen. Immer wieder soll er für Ausstellungen genutzt werden. „Aber nicht auf jedem Jahrmarkt, sondern nur zu besonderen Anlässen“, sagt Görg. Denn es ist ein echtes Schmuckstück. Die IG Hanomag hat ein Wertgutachten fertigen lassen. Was genau dabei herausgekommen ist, sagt Görg nicht. Aber mehr als die investierten 250.000 Euro seien es auf jeden Fall. Der Einsatz hat sich also gelohnt –vor allem auch für Hannover, das ein Stück Industriegeschichte zurückbekommen hat.

Von Conrad von Meding

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