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Aus der Stadt Chico ist eingeschläfert worden
Hannover Aus der Stadt Chico ist eingeschläfert worden
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12:01 19.04.2018
Ist eingeschläfert worden: Chico. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

 Staffordshire-Terrier „Chico“ ist tot. Unter Beteiligung und im Einvernehmen mit der Tierärztlichen Hochschule, dem Tierschutzverein Hannover und Umgebung sowie dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium wurde am Montag „unter Betrachtung der Gesamtsituation von der Veterinärbehörde der Landeshauptstadt Hannover die Entscheidung getroffen, den Hund ,Chico’ noch in der Narkose einzuschläfern“, teilt Stadtsprecher Udo Möller mit.

Bei der Untersuchung wurde festgestellt, dass Chico etwa zehn Jahre alt gewesen ist, sich ein Eckzahn im Oberkiefer gelöst hatte, der andere aus dem Zahnfach herausgebrochen war. An beiden Stellen gab es deshalb eine offene Verbindung zur Nasenhöhle. Wahrscheinlich sind diese Verletzungen eine Folge der tödlichen Beißattacke vom 3. April.

Die Experten kamen bei der Untersuchung zum Schluss, dass die weitere Behandlung und Nachsorge nach diesem Befund nur unter Vollnarkose hätte stattfinden können. Da Chico zudem keinen Kontakt zu anderen Tieren hatte und somit schwer zu sozialisieren gewesen wäre sowie prinzipiell sehr aggressiv war, entschieden die Teilnehmer, dass Tier noch während der Narkose einzuschläfern. Auch Hannovers Ordnungsdezernent Axel von der Ohe, dem das Veterinärwesen der Stadt unterstellt ist, soll den Schritt ebenfalls für erforderlich gehalten haben.

Angehörige überrascht von Chicos Ende

Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der die drei hinterbliebenen Schwestern des Hundehalters vertritt, zeigte sich überrascht von der Nachricht. „Meine Mandantinnen habe von der Einschläferung des Hundes aus den Medien erfahren, das war mit der Stadt anders abgesprochen, sagte er. Unterdessen habe Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok den Hinterbliebenen Hilfe angeboten. „Er hat die drei Schwester zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen. Dieses Angebot werden wir annehmen“, sagt Rechtsanwalt Hüttl. 

Die Nachricht von der Einschläferung des Hundes hat inzwischen auch Claus Reichinger vom Tierschutzverein München erreicht. Er war in den Fall Chico involviert, weil es Überlegungen gab, den Hund auf dem zum Münchner Tierheim gehördenden Gnadenhof unterzubringen. „Wir in München hätten uns große Gedanken gemacht, wie wir dem Tier einen guten Platz hätten geben können“, sagt Reichinger. Vor der Entscheidung über die Unterbringung Chicos in München hätte aber in jedem Fall ein Wesenstest durchgeführt werden müssen. „Davon hätten wir es abhängig gemacht, ob wir unseren Mitarbeitern die Unterbringung des Hundes bei uns hätten zumuten können oder nicht“, sagt Reichinger.

Staffordshire-Mischling Chico ist erstmals nach der tödlichen Attacke in Groß-Buchholz auf dem Gelände des Tierheims in Krähenwinkel ausgeführt worden.

Der Hund hatte Anfang April sein 27-jähriges Herrchen und dessen 52-jährige Mutter totgebissen. Die beiden waren leblos in ihrer Wohnung in Groß-Buchholz gefunden worden. Nach der Attacke sollte „Chico“ einem Wesenstest unterzogen werden. Allerdings hatte das Tier eine Schwellung am Kopf, die zunächst in der TiHo untersucht werden sollte.

Die Stadt hatte im Fall „Chico“ schwere Versäumnisse eingeräumt. Das Veterinäramt war bereits 2011 auf das Tier aufmerksam geworden.  Der Hund war damals nach Behördenhinweisen zwar als gefährlich eingestuft worden, man wollte deshalb dem Besitzer die Haltung des Hundes untersagen – dann aber kümmerte sich niemand mehr um den Fall. Inzwischen kann die Verwaltung nach HAZ-Informationen den Kreis der damals mit dem Fall Chico betrauten Mitarbeiter eingrenzen. Die Akten sind auf dem Weg zu Staatsanwaltschaft. Die Strafverfolgungsbehörde ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Die Ankündigung der Verwaltung, nach dem tödlichen Hundeangriff alle Altfälle durchzuarbeiten, wird wohl einige Zeit in Anspruch nehmen. Nach Informationen dieser Zeitung gibt es etwa 1200 Fälle, in denen Hunde als auffällig gemeldet worden sind. Im Internet hatten sich nach dem tödlichen Vorfall rund 300.000 Menschen an einer Onlinepetition beteiligt, „Chico“ am Leben zu lassen.

Von Peer Hellerling und Tobias Morchner

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