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Aus der Stadt Italienische Hebammen lindern in Hannover den Mangel
Hannover Aus der Stadt Italienische Hebammen lindern in Hannover den Mangel
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00:30 22.03.2018
Antonia Miano kümmert sich um eine Schwangere. Bei der Diakovere will sie auf jeden Fall bleiben.    Quelle: Fotos: 
Hannover

 Es ist eine Antwort, die man bei einer Hebamme nicht unbedingt erwartet, wenn es um den Grund für ihre Berufswahl geht. „Ich mag gerne ein bisschen Action“, sagt Antonia Miano und freut sich sichtlich über den Überraschungseffekt. Die temperamentvolle Italienerin weiß offenbar ganz genau, dass eine so burschikos formulierte Perspektive auf das Kinderkriegen nicht die gängige Antwort auf so eine Frage ist. „Action“ hat die 28-Jährige in den beiden Geburtskliniken von Diakovere genug. Das Henriettenstift und das Friederikenstift bilden gemeinsam die größte Geburtsklinik in der Region. 3788 Geburten gab es 2017 insgesamt, das „Henri“ verzeichnete 2100, die „Friederike“ 1688. 

Miano gehört zu den italienischen Hebammen bei Diakovere. Sie heißen nicht nur so, weil sie einen italienischen Pass haben, sondern auch, weil sie eine besondere Gruppe bilden. Die Italienerinnen bei Diakovere wurden allesamt in ihrer Heimat angeworben, nachdem Inserate in Tschechien und Österreich im Sande verlaufen waren.  Diakovere will damit dem Hebammenmangel auf dem leer gefegten deutschen Markt etwas entgegensetzen. Im Mai 2016 kam die erste Hebamme auf diesem Weg nach Hannover, Anfang 2017 waren es sieben, dazu – in Deutschland eine Seltenheit – ein männlicher Entbindungspfleger. Mittlerweile sind drei Frauen in die Heimat zurückgekehrt. Heimweh sei ein Grund gewesen, erzählt Miano, oder ein in Italien zurückgebliebener Lebensgefährte. Fünf allerdings sind geblieben. Im Sommer kommen zwei neue dazu, sagt Sabine Hänisch, Gesamtleitung Kreißsäle bei Diakovere. Darunter ist auch ein ursprünglich aus Kamerun stammender, italienischer Entbindungspfleger. 

Allerdings: Ganz so einfach ist es offenbar nicht, die italienischen Hebammen in einem deutschen Haus zu integrieren. Die beiden Geburtshilfen unterschieden sich stark voneinander, sagt Hänisch. Das könne man schon an der im Vergleich zu Deutschland wesentlich höheren Kaiserschnittrate sehen. In Italien werde weniger versucht, um Frauen auch unter komplizierten Umständen eine natürliche Geburt zu ermöglichen. Dort habe überdies der Arzt bei der Geburt das Heft in der Hand, in Deutschland sei es die Hebamme. Man stelle den Italienerinnen bei Diakovere deshalb einige Monate eine erfahrene Hebamme zur Seite, bevor man sie allein in der Geburtshilfe arbeiten lasse.

Dazu kommt das Sprachproblem. Miano absolvierte in Italien einen mehrmonatigen Deutschkurs, bevor sie im Dezember 2016 aus Sizilien nach Hannover kam. Manche ihrer Kolleginnen müssten in Hannover parallel zu ihrem Job noch weiter Deutsch lernen. Dass Miano überhaupt hierherkam, war Zufall. Zuvor war die 28-Jährige, die nach einem abgeschlossenen Hebammenstudium auch noch eines zur Pflegedienstleiterin absolvierte, 30-mal bei Bewerbungen gescheitert. 900 bis 1000 Leute würden sich in Italien auf eine Stelle bewerben, sagt sie. Miano stellte ihre Bewerbung ins Internet. Sie wurde daraufhin von der Agentur, die für Diakovere in Italien Hebammen suchte, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und bekam den Job. Will sie bei Diakovere bleiben? „Keine Frage, ja!“, sagt sie. „Ich liebe Deutschland, allein der Kälte wegen“, ergänzt sie und lacht schon wieder. „Schnee ist wunderbar.“

Von Jutta Rinas

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