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Aus der Stadt Tanzen ist wieder verboten – für 67 Stunden
Hannover Aus der Stadt Tanzen ist wieder verboten – für 67 Stunden
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00:39 31.03.2018
Feiern und tanzen zu lauter Musik? Ist von Donnerstag bis Sonnabend (0 Uhr) gesetzlich nicht erlaubt.  Quelle: dpa
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Hannover

 Die Osterfeiertage stehen bevor, doch wer sich bei lauter Musik in Diskotheken oder einem Tanztee im Freizeitheim vergnügen will, muss bis zum Ostersonntag warten. Vom Gründonnerstag um 5 Uhr morgens an gilt für genau 67 Stunden ein landesweites Tanzverbot bei öffentlichen Veranstaltungen. Erst in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag können ab 0 Uhr die Musikanlagen wieder hochgefahren werden. Für den Karfreitag gelten noch etwas schärfere Vorschriften. An diesem Tag sind Konzerte und Bühnendarbietungen nur dann erlaubt, „sofern sie auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen und auch nur dann, wenn sie ausschließlich in Räumen ohne Schankbetrieb stattfinden“, teilt die Stadtverwaltung mit. Gegen die in Gaststätten übliche Hintergrundmusik sei am Gründonnerstag und Karsamstag nichts einzuwenden, heißt es weiter.

Discochefs gegen Verbot 

Bei Diskothekenbetreibern löst das Tanzverbot Kopfschütteln aus. „Das ist ein Ärgernis, weil uns dadurch Umsätze verlorengehen“, sagt Marlon Melzer, einer der Betreiber der Osho-Disko am Raschplatz. Da die Stimmung mit lauter, rhythmischer Musik steht und fällt, bringe es nichts, die „Baggi“ an den kommenden Tagen zu öffnen, aber die Musik herunterzuregeln. „Die Stadtverwaltung achtet stark darauf, ob Diskotheken das Verbot einhalten“, sagt Melzer. Gewinner sei die Barszene, die das Tanzverbot nicht berührt. „Ich halte das Tanzverbot nicht mehr für zeitgemäß“, sagt der Melzer.

Dem stimmt auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zu. „Eine Differenzierung fällt schwer“, sagt Geschäftsführer Rainer Balke. Wenn etwa in einer Bar ruhige Musik gespielt werde und sich die Gäste dazu bewegten – wäre das noch erlaubt?, fragt Balke. Tatsächlich gilt das Tanzverbot beispielsweise nicht für die Ostertanztage in der Oper. Am Karfreitag führt dort Sasha Waltz mit seiner Kompanie das Stück „Körper“ auf, bei dem sich halbnackte Tänzer zur Musik bewegen. „Das Tanzverbot ist ein Dogma, das die Kirchen auflösen sollten“, findet Balke.

Aber danach sieht es nicht aus. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann hält eine Zeit der Stille heutzutage für angemessener denn je. „Angesichts der Schrecken in dieser Welt kann man es den Menschen abverlangen, einmal nicht zu johlen, einmal nicht zu feiern“, sagt er. Der gekreuzigte Jesus stehe für alle Gefolterten und Geknechteten, und für diese gelte es, einen Moment im Jahr innezuhalten. 

Landespolitik ist uneins

Niedersachsens Feiertagsgesetz muss ohnehin geändert werden – doch an das Tanzverbot wollen die Mehrheitsfraktionen nicht ran. „Ich habe persönlich kein Problem mit dem Tanzverbot“, sagt der SPD-Abgeordnete Alptekin Kirci. Man müsse nicht jeden Tag tanzen: „Wir sollten die christlichen Feiertage respektieren.“ Und der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Topeffer sagt: „An einem kirchlichen Feiertag in sich zu gehen, ist keine verkehrte Idee.“ Zudem sei der Tanz in den Mai nicht so fern. „Und wer unbedingt tanzen will, kann das auch zu Hause tun.“

Vertreter von FDP und Grünen im Landtag wie auch die Humanistische Union dagegen hätten Interesse an Änderungen. „Das Tanzverbot an diesen Tagen ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß und sollte jetzt endlich abgeschafft werden“, sagt Björn Försterling (FDP): „Es wird niemand in seiner Religionsausübung beschnitten, wenn andere Leute in irgendwelchen Clubs feiern.“ Auch Julia Willie Hamburg (Grüne) fordert eine Reform. „Es wird Zeit, dass wir das Tanzverbot ändern – es hat sich schlicht überlebt.“ Die Jugendorganisationen der Parteien fordern dies schon seit langem, wie Jakob Blankenburg, Chef der niedersächsischen Jungsozialisten, gegenüber der HAZ betont: „In einer modernen Gesellschaft begeht jeder seinen Feiertag, wie er das möchte.“ 

Johann-Albrecht Haupt von der Humanistischen Union argumentiert, es sei „den nicht-religiösen, vermutlich auch vielen relgionsangehörigen Bürgern nicht vermittelbar, warum selbst Veranstaltungen und Versammlungen, die Gottesdienste und religiöse Feiern nicht stören“, an bestimmten Tagen verboten seien. Das widerspreche der im Grundgesetz geforderten Trennung von Kirche und Staat. 

Von Andreas Schinkel und Michael B. Berger

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