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Hannover hat keine Druckkammer mehr

15.000 Patienten in 23 Jahren Hannover hat keine Druckkammer mehr

Hannover hat seine Druckkammer verloren. Mit einem riesigen Kran wurde die 14 Tonnen schwere Metallkapsel in der vergangenen Woche aus dem Lister Krankenhaus gehoben, wo im Druckkammerzentrum Hannover in den vergangenen 23 Jahren rund 15.000 Patienten behandelt wurden.

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In der Druckkammer wurden Menschen mit Hörsturz behandelt.

Quelle: HAZ

Hannover. „Nicht nur für sie ist die Auflösung des Zentrums sehr schade“, sagt Claus Müller-Kortkamp, Geschäftsführer der Trägergesellschaft: „Auch für den Wissenschaftsstandort Hannover ist das ein herber Verlust.“ Grund ist fehlendes Geld, um den teuren Betrieb zu finanzieren – und auch die für 2017 vorgesehene Auflösung des Lister Krankenhauses, das zur Diakovere gehört.

Seit seiner Gründung als ambulantes Therapiezentrum im August 1993 wurden in den Räumen am Lister Kirchweg Menschen behandelt, die entweder eine akute Verletzung wie eine Kohlenmonoxidvergiftung hatten oder an der sogenannten Taucherkrankheit litten. „Zudem wurden hier Patienten versorgt, die beispielsweise nach einem Hörsturz einen Tinitus hatten oder unter einer gestörten Wundheilung litten“, erklärt Müller-Kortkamp. Sie müssen nun auf andere Druckkammern ausweichen und dorthin längere Strecken überbrücken. Die beiden nächsten Behandlungsorte sind Soltau und Halle.

Müller-Kortkamp berichtet von „einer Art Druckkammersterben“, das seit einiger Zeit grassiere. Er leitet jetzt die Soltauer Druckkammer und kann durch die Auflösung des Zentrums in Hannover eigentlich mit mehr Patienten rechnen. Trotzdem sieht er die Entwicklung mit Sorge. Von den 120 Standorten in Deutschland, an denen vor einigen Jahren noch die hyperbare Sauerstofftherapie durchgeführt werden konnte, seien heute nur noch 21 übrig. „Gerade in Hannover hatten wir gehofft, die Schließung verhindern zu können“, sagt der Mediziner. Erst im Dezember war er als Geschäftsführer eingesetzt worden, um genau das zu erreichen. Vergebens, wie sich jetzt herausstellt.

„Der Betrieb hat sich nicht gerechnet“, sagt Müller-Kortkamp. Immer wieder hätten die Gesellschafter in den vergangenen Jahren Geld aus ihrem eigenen Budget beisteuern müssen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Müller-Kortkamp wandte sich sogar an das Sozialministerium, ohne Erfolg. „Sozialministerin Cornelia Rundt entgegnete, dass die Akutpatienten doch einfach mit dem Hubschrauber nach Halle oder Soltau geflogen werden können“, so der Mediziner, der dieses Argument nicht nachvollziehen kann. „Gerade bei akuten Krankheiten wie einer Kohlenmonoxidvergiftung ist der Zeitfaktor entscheidend.“ Je früher ein solcher Patient in einer Druckkammer behandelt werden könne, desto höher seien seine Chancen auf eine Heilung.

Obwohl die Schließung der Einrichtung ebenfalls Folgen für die medizinische Forschung in Hannover hat, brachte auch ein Gespräch zwischen Druckkammerzentrum und Medizinischer Hochschule (MHH) nicht das gewünschte Ergebnis. Zwar habe es Überlegungen gegeben, die Druckkammer nach ihrem Abbau in der List auf dem MHH-Gelände wieder aufzubauen, sie wurden aber wieder verworfen. Mehrere Studien, die für dieses Jahr geplant waren, können nach Informationen von Müller-Kortkamp nicht stattfinden, weil es die Druckkammer im Lister Krankenhaus nicht mehr gibt.

Was mit der teuren Technik – die Anschaffung hatte umgerechnet 1,5 Millionen Euro gekostet – geschieht, ist bis dato unklar. Bis zu einer Entscheidung steht sie auseinandergebaut und abgedeckt in einer Halle in Hodenhagen.

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