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Aus der Stadt Mutter will tunesischem Vater Umgang mit Töchtern verbieten
Hannover Aus der Stadt Mutter will tunesischem Vater Umgang mit Töchtern verbieten
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00:43 11.06.2018
Dieses Bild zeigt Katharina Schmidt, die im September 2017 in Tunis ein Foto ihrer beiden Töchter präsentiert. dpa
Hannover

Kais B. ist wieder auf freiem Fuß. Der Mann, der lange Zeit verhindert hat, dass seine Töchter wieder zur Mutter nach Deutschland zurückkehren konnten und drei Jahre lang in der tunesischen Stadt Kasserine leben mussten. Der Mann, der Maryam und Hanna nicht freigeben wollte und dafür wegen Kindesentziehung mehr als zwei Jahre in einem deutschen Gefängnis verbracht hat. Katharina Schmidt, der Mutter, bereitet die neue Situation arges Kopfzerbrechen: „Ich kann nicht verstehen, dass er entlassen wurde.“ Schließlich habe ihr Ex-Mann keinen Beitrag geleistet, dass die Kinder nach Hannover zurückkehren konnten, schließlich sei es nur ihrer eigenen Initiative zu verdanken, dass die Elf- und die Neunjährige wieder daheim sind. Die 38-jährige Ärztin sorgt sich, dass ein Familiengericht B. ein Umgangsrecht mit Maryam und Hanna einräumt. Und sie hat Angst, dass er versuchen könnte, die Mädchen zu entführen und wieder nach Tunesien zu bringen, zu seiner eigenen Familie.

Kinder sind anhänglich

„Die Kinder sind momentan sehr anhänglich, aber auch total verunsichert aufgrund der neuen Situation“, erzählt die Mutter. Besonders die ältere Tochter habe Angst, wieder in Nordafrika leben zu müssen; Maryam war es wohl in erster Linie, die den Wunsch äußerte, heimzukehren nach Hannover. Die Jüngere spricht derzeit besser Arabisch als Deutsch, aber das wird sicher nicht lange so bleiben. Zur Schule gehen die Kinder noch nicht wieder, schließlich beginnen die Sommerferien am 28. Juni. Für Katharina Schmidt ist klar, dass sie sich neue Schulen suchen muss für die Mädchen, schließlich soll Kais B. den Aufenthaltsort von Mutter und Kindern nicht ausforschen können. „Für ihn ist es ein großer Gesichtsverlust, dass ich die Mädchen zurückgeholt habe, das wird er kaum auf sich beruhen lassen“, fürchtet die Mutter.

B.s Anwalt Michael Hahne versucht zu beschwichtigen. Sein Mandant wolle sein bürgerliches Leben wieder aufnehmen in Hannover, wieder in der Gastronomie arbeiten und auf ganz legalem Wege versuchen, einen Zugang zu seinen Kindern zu bekommen. Bislang ist der 40-jährige Tunesier nur aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil das jüngste Amtsgerichtsurteil aus April 2018 – elf Monate Haft wegen Kindesentziehung – noch nicht rechtskräftig ist. In einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht, so hofft Hahne, könnte die Haftstrafe dann zur Bewährung ausgesetzt werden. „Und ein weiteres Ziel wird sein, dass mein Mandant einen begleiteten Umgang mit den Mädchen zugesprochen bekommt“, sagt der Anwalt. Der 40-Jährige sei keineswegs verbittert, dass seine Kinder wieder in Deutschland sind, habe akzeptiert, dass die ältere Tochter Kasserine den Rücken kehren wollte. „Und wie mir B. versichert hat, habe die Mutter auch nichts von ihm zu befürchten“, ergänzt Hahne.

Die Mutter bleibt skeptisch

Doch Katharina Schmidt bleibt skeptisch. Dass sie das alleinige Sorgerecht hat, ist keine Garantie dafür, dass ihr ehemaliger Mann kein Umgangsrecht zugesprochen bekommt. Doch nach welchen Kriterien wird darüber entschieden? „Ausschlaggebend sind das Kindeswohl und der Kindeswille“, sagt Reinhard Prenzlow, beim hannoverschen Ortsverband des Kinderschutzbundes für begleiteten Umgang zuständig. Wenn Maryam und Hanna den dringenden Wunsch äußern würden, den Vater sehen zu wollen, könne das durchaus Einfluss auf eine Entscheidungsfindung des Familiengerichts haben. Ein entsprechender Beschluss könnte schon in wenigen Wochen ergehen; sollte allerdings ein Kinderpsychologe eingeschaltet werden müssen, dürften bis zu einer Entscheidung drei Monate oder mehr vergehen.

Begleiteter Umgang: Das heißt, dass der Vater seine Töchter beispielsweise einmal pro Woche sieht, für 60 Minuten oder zwei bis drei Stunden. Das Ganze würde in einem mit Spielzeug ausgestatteten Raum stattfinden, immer unter Aufsicht einer Begleitperson (etwa vom Kinderschutzbund), und alle Beteiligten müssten Deutsch sprechen. Sollte sich das Prozedere bewähren, wären irgendwann auch einmal begleitete Ausflüge auf einen Spielplatz denkbar. In einem solchen Fall wäre aber auch die nächstgelegene Polizeidienststelle im Bilde, um im Falle eines Falles schnell eingreifen zu können; eventuell müsste der Vater sogar vorab seinen Pass abgeben.

Und was ist, wenn Kais B. mit seinen Bemühungen scheitert, auf legalem Weg wieder Kontakt zu seinen Kindern aufnehmen zu können? Und wie kann sich die Mutter vor einem gewaltsamen Zugriff auf ihre Kinder schützen? „Sie kann ein Kontakt- und Näherungsverbot beantragen“, erläutert Amtsgerichts-Sprecher Jens Buck – dann müsste B. auf Abstand bleiben. Damit er möglichst nicht erfährt, wo die Familie überhaupt wohnt, kann die Mutter bei der Meldebehörde eine Auskunftssperre erwirken. Zudem könnte das Familiengericht im Ernstfall eine Grenzsperre für den Schengen-Raum anordnen; eine solche Maßnahme soll verhindern, dass ein Elternteil Kinder entführt und mit ihnen ins außereuropäische Ausland flieht. Doch diese Szenarien sind derzeit nur Theorie – möglicherweise finden Eltern und Kinder ja eine einvernehmliche Lösung für ein gemeinsames Miteinander.

Von Michael Zgoll

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