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Aus der Stadt Naturfreundehaus-Pächter wegen Wucher verurteilt
Hannover Aus der Stadt Naturfreundehaus-Pächter wegen Wucher verurteilt
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17:40 21.02.2018
Pächter Marcel R. ist seinen Job bald los. Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Der Pächter des Naturfreundehauses in Misburg ist am Donnerstag vom Amtsgericht Hannover wegen gemeinschaftlichen versuchten Betrugs und Wuchers verurteilt worden. Amtsrichterin Monika Pinski verhängte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 40 Euro. Marcel R. (42) hatte einem syrischen Flüchtling gemeinsam mit zwei betrügerischen Vermittlern ein Zimmer im Naturfreundehaus am Blauen See vermietet – für 500 Euro kalt plus 200 Euro Nebenkosten pro Monat. 

Zahlen sollte die 700 Euro das Jobcenter; der der deutschen Sprache kaum mächtige 22-jährige Asylbewerber hatte ohne Kenntnisse der Inhalte nicht nur den Mietvertrag, sondern auch eine Abtretungserklärung unterschrieben. „Es macht mich sprachlos, mit welcher Unbekümmertheit Sie hier die öffentlichen Kassen plündern wollten“, schalt die Richterin den Angeklagten. Auch bescheinigte sie dem Mann, der bereits wegen mehrerer Verkehrsdelikte verurteilt wurde, „erhebliche kriminelle Energie“. R. und die zwei Vermittler, so argumentierte auch die Staatsanwältin, hätten die Notlage, die wirtschaftliche Unerfahrenheit und die Sprachschwierigkeiten ihres Opfers ausgenutzt. Allerdings kam es nie zu einer Mietzahlung, da sich der Syrer bald an die Polizei wandte.

Vermittler schon früher verurteilt

Das Zimmer im Naturfreundehaus war entgegen ersten Angaben nicht 6,25, sondern neun Quadratmeter groß. Es hatte aber kein eigenes Bad und keine Küche. Die beiden Vermittler Tarek Z. und Serdar H., die den in Zeven lebenden Flüchtling am hannoverschen Hauptbahnhof angesprochen und ihm das Zimmer in Misburg für eine Provisionszahlung von je 200 Euro vermittelt hatten, wurden bereits Ende Januar wegen Betrugs und Wuchers zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten (Tarek Z.) und 1600 Euro Geldstrafe (Serdar H.) verurteilt. Der Pächter war nicht zu der damaligen Verhandlung erschienen und daraufhin kurzzeitig in Haft genommen worden.

Marcel R. verteidigte sich damit, dass der Tagespreis für das Zimmer 26 Euro betragen habe. Doch die Richterin hielt dem 42-Jährigen vor, dass man solch einen Tagespreis natürlich nicht einfach auf einen Monat hochrechnen könne. Im Mietvertrag war keine Quadratmeterzahl eingetragen, aber das Ausstattungsmerkmal „Küche“ angekreuzt – so sollte beim Jobcenter offenbar der Eindruck erweckt werden, dass es sich bei der Kemenate um eine vollwertige Wohnung handelt. Auch wenn es von dem Flüchtling „naiv“ gewesen sei, so Pinski,  ihm unverständliche Dokumente zu unterschreiben, habe er sich nicht über den Tisch ziehen lassen. „Ich finde es großartig, dass Sie dem deutschen Staat vertraut und Anzeige erstattet haben“, lobte die Amtsrichterin den 22-Jährigen, der am Donnerstag nochmals als Zeuge aussagte.

Pachtvertrag läuft aus

„Diese Sache ist einmalig, wir waren total überrascht“, sagte Franz Eberstein, Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender der Naturfreunde. R. sei im vierten Jahr Pächter der Misburger Einrichtung, erst in den vergangenen Monaten habe es wegen ausbleibender Pachtzahlungen Probleme mit ihm gegeben. Rund ein Drittel der Einnahmen aus der Zimmervermietung sei an den Verein geflossen, den Rest habe R. behalten können. Der Vorstand habe sich aber nun entschlossen, den Ende Mai auslaufenden Vertrag mit dem 42-Jährigen nicht zu verlängern; man sei zuversichtlich, bald einen neuen Pächter vorstellen zu können.

Monika Pinski bedauerte gegenüber dem Vorstand, dass durch die leidige Betrugsgeschichte „ein kleiner Kübel Schmutz über die Einrichtung ausgekippt“ worden sei: „Dabei ist das Naturfreundehaus eine tolle Einrichtung, von der viele Besucher begeistert sind.“ Sie hoffe aber, so die Richterin, dass nun wieder Ruhe einkehre im Idyll am Blauen See.

Von Michael Zgoll

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