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Aus der Stadt Plakatierer verursacht Unfall mit Radfahrer
Hannover Aus der Stadt Plakatierer verursacht Unfall mit Radfahrer
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21:38 04.07.2018
Hinter dieser Litfaßsäule tauchte der Plakatierer plötzlich auf. Torsten Nehmann konnte nicht mehr ausweichen. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Ein Plakatierer, der aufgrund einer Unachtsamkeit einen Radfahrer schwer verletzte, hat sich jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Der 53-Jährige hatte an der Sallstraße (Südstadt) nahe der Stolzestraße eine Litfaßsäule beklebt und war einen Schritt zurückgetreten, einen Besenstiel in der Hand. Was er übersah: Von rechts nahte Torsten Nehmann, ebenfalls 53 Jahre alt, auf seinem Rennrad. Der Besenstiel bohrte sich in das Vorderrad, dieses blockierte und Nehmann flog in hohem Bogen auf den Asphalt. Neben Prellungen und Schürfwunden zog sich der Südstädter auch eine Beckenringfraktur zu; er musste sieben Wochen an Krücken gehen.

Der Plakatierer entschuldigte sich erst im Gerichtssaal. Quelle: Michael Zgoll

Der Plakatierer hatte im Januar wegen der Körperverletzung einen Strafbefehl von 20 Tagessätzen à 20 Euro erhalten, sich dann aber geweigert, diesen zu zahlen. Als Amtsrichter Simon Schnelle im Zuge der Verhandlung signalisierte, dass er – auch wegen des uneinsichtigen Verhaltens des Angestellten nach dem Unglück – zu einer Verurteilung neige, zog dessen Verteidiger den Einspruch gegen den Strafbefehl jedoch zurück. Heißt: Der 53-Jährige wird die 400 Euro an die Landeskasse überweisen.

Zunächst versuchten der Plakatierer und sein Anwalt das Missgeschick noch zu rechtfertigen. Der Radfahrer sei zu schnell gewesen, er habe nicht geklingelt, hätte den Arbeiter sehen müssen oder ausweichen können. Immerhin entschuldigte sich der Angeklagte vor Gericht – eine Geste, auf die der verletzt am Boden liegende Radler an jenem Mittwochnachmittag im September 2017 vergeblich gewartet hatte.

Keine Chance zum Bremsen

Nehmann hat die unheilvolle Begegnung ganz anders in Erinnerung. Er habe den linksseitigen Radweg genutzt (was hier erlaubt ist), sei eher gemütlich Richtung Sallplatz gerollt und keineswegs zu schnell gefahren. Der Plakatierer und sein Besenstiel seien so plötzlich und unerwartet hinter der Litfaßsäule hervorgekommen, dass er keine Chance gehabt habe, auszuweichen oder zu bremsen. Die Arbeitsstelle sei auch nicht mit Pylon oder Flatterband abgesperrt gewesen, insofern habe der Plakatierer seine Verkehrssicherungspflicht verletzt. Richtig geärgert habe ihn anschließend, sagt Nehmann, dass ihm der Unfallverursacher nicht aufgeholfen habe, keinen Rettungswagen gerufen oder sich nach seinem Befinden erkundigt habe – all das hätten zwei Passantinnen getan, die zufällig des Weges kamen.

Etliche Wochen hatte der Südstädter mit seinen Verletzungen zu tun und war erheblich gehandicapt, doch auch die Hartleibigkeit der gegnerischen Haftpflichtversicherung kostete den 53-Jährigen Nerven. 6600 Euro hatte er gefordert, für Schmerzensgeld, Haushaltsführungsschaden, die Erstattung der Schäden an Rennrad und Kleidung. Doch erst als er sich nach monatelangem, vergeblichen Warten direkt an den Vorstand wandte, kam die Sache ins Rollen. „Inzwischen habe ich in drei Teilbeträgen 5000 Euro erhalten“, sagt Nehmann.

Auch der Richter bezeichnete die Mauertaktik der Versicherung als „moralisch zutiefst verwerflich“. Und für den Plakatierer hatte Schnelle ebenfalls noch einen guten Rat auf Lager. Dass der Angestellte an jenem Septembertag ein wenig unaufmerksam war und dadurch den Unfall verursachte, hätte ja jedem passieren können. Überhaupt nicht akzeptabel aber sei sein „Nachtatverhalten“ – sich nicht um den Verletzten zu kümmern und sich noch nicht einmal zu entschuldigen für seine Unachtsamkeit.

Von Michael Zgoll

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