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Aus der Stadt Rassismus oder "Kulturpolizei"? Debatte über Machwitz-Logo
Hannover Aus der Stadt Rassismus oder "Kulturpolizei"? Debatte über Machwitz-Logo
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00:17 31.12.2017
Mit diesem Logo wird Machwitz für seinen Kaffee.  Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Er hat es oft genug erlebt. „Ich habe durchaus meine Erfahrungen mit Diskriminierungen gemacht“, sagt Jesse Jeng. Der CDU-Politiker ist dunkelhäutig, sein Vater stammt aus Gambia, seine Mutter ist Deutsche. Doch dass das Logo mit den drei „Machwitz-Mohren“, mit dem die traditionsreiche hannoversche Kaffeerösterei seit 1883 für ihre Produkte wirbt, rassistisch sein soll, kann Jeng nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: „Mich belustigt es in seiner schlichten Darstellung afrikanischer Arbeiterinnen.“ Es sei ein Zeugnis seiner Zeit – und als solches seit Jahrzehnten überholt.  Doch als Markenzeichen für eine traditionsreiche hannoversche Firma habe es seine Berechtigung.

Kenton Emery Barnes ist ganz anderer Meinung. Der Amerikanistik-Dozent der TU Braunschweig, selbst Afro-Amerikaner, hatte das Machwitz-Signet jüngst zum ersten Mal gesehen, es als rassistisch eingestuft und das Unternehmen öffentlich aufgefordert, ein neues Logo zu kreieren. 

Jeng hält das für maßlos überzogen. „Es gibt keine Anzeichen von Rassismus in der Abbildung“ , sagt er. „Das Wort Neger ist rassistisch“, stellt der migrationspolitische Sprecher des Landesvorstands der Jungen Union klar. „Oder wenn Eigenschaften wie Aggressivität oder Faulheit einer ethnischen Gruppe zugeordnet werden.“ Das sei hier eindeutig nicht der Fall. Menschen mit afrikanischen Wurzeln sollten keine Probleme haben, die Machwitz-Marke als Bestandteil der Firmengeschichte anzuerkennen, meint Jeng. Auch dies sei ein Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

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Es sei nicht das erste Mal, dass Kritik an dem Kaffee-Logo geäußert werde, betont dagegen Freya Markowis, Fraktionschefin der Grünen im Rat der Stadt Hannover. Sie berichtet von „integrationspolitischen Kreisen“, in denen ebenfalls der Vorwurf des Rassismus geäußert worden sei. Allerdings sei die Kritik bisher nie öffentlich geworden. „Ich kann sie nachvollziehen“, sagt Markowis. Gleichwohl würde sie nicht so weit gehen, die Firma Machwitz zur Änderung des Logos aufzufordern: „Dafür ist das Unternehmen selbst verantwortlich.“ Hätte die Stadt Hannover vergleichbare Motive auf einem Signet präsentiert, „wären wir aber schon aktiv geworden“, sagt Markowis. „Wir sollten uns hüten, als Kulturpolizei durch die Stadt zu gehen“, meint hingegen Patrick Döring, der für die FDP im Internationalen Ausschuss des Rates sitzt. Das Mohren-Logo sei „kein Integrationshemmnis.“

Rassismusvorwurf gegen Machwitz-Kaffee: Sollte das Logo geändert werden?

Ein afroamerikanischer Dozent hat das Logo der hannoverschen Kaffeerösterei Machwitz als rassistisch kritisiert.

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Von Rassismus in dem Signet könne keine Rede sein, sagt SPD-Ratsfrau Hülya Iri. Dennoch begrüßt sie die Diskussion – und die Ankündigung von Machwitz, sich dieser zu stellen. „Ich hoffe, dass das Unternehmen neue Wege geht; es macht Sinn, die Werbung anders zu gestalten. Firmentradition ist wichtig, aber wenn eine Gruppe sich ausgegrenzt fühlt, sollte entsprechend gehandelt werden.“ Parteikollegin Doris Schröder-Köpf formuliert es diplomatisch: „Es ist klug, wenn ein Unternehmen keine Kunden vor den Kopf stößt.“ Sie könne beide Positionen nachvollziehen, sagt die Integrationsbeauftragte des Landes. Die Wahrnehmung von Symbolen wie dem Machwitz-Logo habe sich im Laufe der Zeit geändert. „Wir sind ein Einwanderungsland, und damit gibt es hier auch immer mehr Menschen, die sich von solchen Symbolen gekränkt fühlen.“

„Wenn ich Machwitz beraten würde, würde ich empfehlen, das Logo anzupassen“, sagt Annika Schach, Professorin für Public Relations an der Hochschule Hannover (HSH). Sie glaube nicht, dass eine Überarbeitung des Signets die Kunden davon abhalten würde, bei Machwitz Kaffee zu kaufen. Besonders wichtig sei allerdings, wie sich das Unternehmen in dieser Situation verhalte. „Die Leute sind heutzutage sehr sensibel, was Fremdenfeindlichkeit angeht“, sagt Schach. Daher sei es gut und wichtig, dass sich Machwitz in der Diskussion um das Logo gesprächsbereit zeige. Zudem könne die Erneuerung des Markensymbols auch eine Chance für den hannoverschen Traditionsbetrieb sein. „Man kann das positiv drehen, indem man zum Beispiel Flexibilität mitkommuniziert“, sagt die PR-Professorin. „Afrikanische Tradition und Kaffeequalität kann man ja auch anders kommunizieren.“

Von Juliane Kaune und Nils Oehlschläger

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