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Aus der Stadt Zentrales Public Viewing in Hannover fällt aus
Hannover Aus der Stadt Zentrales Public Viewing in Hannover fällt aus
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11:59 01.06.2018
 WM 2010 - Public Viewing , Gilde Park  Bühne.  Quelle: Florian Petrow
Hannover

  Zur Fußball-Weltmeisterschaft  im Sommer wird es kein zentrales Public Viewing mehr geben. Seit 2006 hatten Hannover Concerts und die Stadt gemeinsam mit diversen Partnern alle zwei Jahre zu einer Großveranstaltung auf das Gelände von Gilde-Parkbühne und Swiss Life Hall geladen.  Die Übertragung der Spiele aus Russland müssen sich Fußballfans jetzt in kleinerem Rahmen anschauen, die Videowand wird nicht mehr aufgebaut. „So ein Riesenevent rechnet sich einfach nicht mehr“, sagt Karsten Seifert, Sprecher von Hannover Concerts. Doch in Hannover-Linden wird es an zwei öffentlichen Plätzen Public Viewing zur WM 2018 geben, am Ihme-Ufer nahe der Bar Strandleben und auf dem Lindener Marktplatz. 

Hannover-Linden: Auf Lindener Marktplatz und auf der Fährmannswiese an der Faust gibt es Public Viewing zur WM 2018

Die Wiese neben dem Strandleben am Zusammenfluss von Leine und Ihme ist nun Ort eines großen Public Viewing. Das Public Viewing auf der Fährmannswiese nahe der Bar Strandleben sollte zunächst auf dem Küchengartenplatz stattfinden. Aus Angst vor möglichen Anwohnerklagen knickten Stadtverwaltung und Bezirkspolitikern dann jedoch ein - und prüfen die Verlegung ans Flussufer. Der Ausrichter, Gastronom Romec Manns, sagte  in einer ersten Reaktion: „Die Wiese bietet tolle Möglichkeiten, ich kann das Public Viewing dort noch familienfreundlicher mit Hüpfburg und Torwandschießen gestalten.“

In den vergangenen Jahren hatte das Centrum stets ein Public Viewing auf dem Lindener Marktplatz angeboten. Doch in diesem Jahr ging der Zuschlag der Stadt an das benachbarte GIG, weil die Bewerbung zuerst vorlag. Wirt Michael Solms will dort eine Fußball-Freiluftveranstaltung für bis zu 1500 Gäste anbieten. 

Public Viewing in der Innenstadt rechnet sich nicht

„Wir haben das jahrelang auf die Beine gestellt, und es war auch immer ganz toll“, betont Nico Röger, zweiter Geschäftsführer des Konzertveranstalters.  Allerdings sei es zunehmend schwieriger Partner für das Großevent zu finden. Ein bisschen habe  das Ereignis auch an Qualität verloren seit einigen Jahren. „Auf das Gelände passen 10.000 Besucher, wenn die Gäste wegen der Anstoßzeiten wie bei der Europameisterschaft 2016 erst spät kommen, kommt die Gastronomie auch nicht auf ihre Kosten“, so Röger. In Russland werden die Spiele zwischen 12 und 20 Uhr angepfiffen, „wer arbeitet, kann in der Regel erst abends schauen.“ Die Nachmittagsspiele wären dann schlecht besucht. Zudem hätten sich die Zeiten auch beim gemeinsanen Fußball gucken grundsätzlich geändert.  „Jeder hat einen Beamer oder Flatscreen, jeder Biergarten und jede Kneipe überträgt die Spiele. Es gibt also genug Alternativen in der Nachbarschaft.“

Public Viewing kommt von Leichenschau

 Flapsig formuliert ist das Public Viewing im großen Stil für dieses Jahr in Hannover gestorben.  Ursprünglich hat der Begriff auch etwa mit dem Tod zu tun –geht es doch beim Public Viewing um das öffentliche Aufbahren von Verstorbenen. Im englischen Sprachraum bezeichnet der Ausdruck auch ganz allgemein die öffentliche Präsentation einer Sache. Gerade  im Zusammenhang mit der Fußball-WM kursiert der Begriff Public Viewing in Deutschland und meint das gemeinschaftliche Verfolgen von live übertragenen Großereignissen an öffentlichen Orten: Massenversammlungen in ausgelassener Stimmung  – je nach Ergebnis. sub

Röger führt für den Verzicht des Großevents auch  Sicherheitsaspekte ins Feld. „Wir benötigen ein Sicherheitskonzept und viel mehr Personal, auch für Body-Checks.“ Das sei vor ein paar Jahren noch ganz anders gewesen. Und auch  in eine neue hochauflösende Videowand hätte Hannover Concerts  investieren müssen. „Alles Kostenaspekte, auf die wir in diesem Jahr verzichten“, erklärt Röger. Eventuell werden man in Sachen Fußball-WM etwas Exklusives anbieten, „aber das ist noch nicht spruchreif.“

Bis 2012 hat auch die Stadt das Spektakel an der Gilde-Park-Bühne unterstützt. „Bei diesen Großveranstaltungen haben wir uns schon länger zurückgezogen, nicht zuletzt  auch wegen aufwendiger Genehmigungsverfahren“, betont der städtische Eventmanager Ralf Sonnenberg. Zur Fußball-WM werde es unterschiedliche Konzepte für die öffentliche Übertragung in den Stadtteilen geben. „Allerdings eher in kleinem Stil, mit Charme und Atmosphäre.“ Der Trend sei dahin gegangen, weniger große Live-Veranstaltungen anzubieten, sondern die Bürger eher wohnortnah mit den WM-Spielen zu versorgen. „In Linden-Mitte etwa hat sich die Übertragungsleinwand auf dem Marktplatz gut etabliert“, so Sonneberg. Etliche Konzepte seien in Arbeit –auch für Live-Übertragungen auf dem Schützenfest – Details gibt es allerdings nicht vor März. „In jedem Fall wird es aus Sicht der Anwohner ein gutes Angebot geben“, verspricht Sonnenberg.

Auch das größte Publing-Viewing in der Region fällt in diesem Jahr flach. Der Arbeiter Samariter Bund (ASB) organisiert die Großveranstaltung zum Fußball regelmäßig in Barsinghausen. „Der Aufwand ist uns in diesem Jahr zu groß“, betont  ASB-Sprecher Jens Meier. Die Veranstaltung werde stets mit Ehrenamtlichen bestritten, „das bekommen wir  nicht gestemmt.“ Auch Meier beklagt die verschärften Sicherheitsauflagen und Straßensperren, ehrenamtliche Ordner würden ja  den Anforderungen nicht mehr genügen – gleichwohl die Massenevents stets friedlich abgelaufen seien. „Public Viewing und hochgerüstete Polizei, das passt auch einfach nicht.“ 

Von Susanna Bauch

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