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Aus der Stadt Regiobus stellt alle Betriebshöfe auf Prüfstand
Hannover Aus der Stadt Regiobus stellt alle Betriebshöfe auf Prüfstand
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00:15 26.03.2018
Die Regiobus-Chefinnen Elke van Zadel und Regina Oelfke wollen alle Betriebshöfe auf den Prüfstand stellen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover 

Die beiden Regiobus-Chefinnen Elke van Zadel und Regina Oelfke im Interview.

Frau van Zadel, Frau Oelfke, Sie sind seit Anfang des Jahres Geschäftsführerinnen der Regiobus. Wie sind Sie zum Interviewtermin gekommen? 

Oelfke: Mit der Bahn. Die Regiobus fährt am HAZ-Pressehaus nicht vorbei, aber Sie haben ja eine Bahnstation vor der Tür. 

Van Zadel: Am liebsten fahre ich auf vielen Strecken Rad, aber wir nutzen natürlich die Öffis. 

Auch für viele Menschen in der Region gehören die Öffis dazu, doch ein Dutzend Linien der Regiobus werden gestrichen, weitere ausgedünnt. Warum?

Oelfke: Wir müssen neu denken, weil sich die Voraussetzungen geändert haben. Das EU-Recht stellt für die Vergabe von Kommunen wie der Region Hannover an Unternehmen andere Bedingungen als etwa noch vor zehn Jahren. Und natürlich sind wir gezwungen, wirtschaftlich zu arbeiten. Aufgrund der aktuellen Beschlusslage der Region werden wir zudem 1,4 Millionen Fahrkilometer in der Region einsparen. Es wird aber niemand abgehängt. Alle Orte bleiben weiter an das Busnetz angeschlossen.

Auch in fünf oder zehn Jahren noch?

Van Zadel: Ja, den Anspruch behalten wir. Aber das heißt nicht, dass wir alles so lassen können, wie es ist. Öffentlicher Nahverkehr ist Daseinsvorsorge, ganz klar. Aber wir müssen Daseinsvorsorge innovativer denken. Wir hatten auf einigen der Linien, die nun gestrichen oder gekürzt werden, nur noch im Schnitt einen Fahrgast pro Stunde – das muss jedem klar sein, dass das auf Dauer nicht sinnvoll ist, auch ökologisch nicht. 

Wie soll denn der Nahverkehr der Zukunft aussehen? Braucht es auch im Umland einen Dienst wie die VW-Tochter Moia?

Van Zadel: Wir müssen über solche Modelle nachdenken, auch wenn sich das sicherlich nicht eins zu eins auf das Umland übertragen lässt. Wir arbeiten unter anderen wirtschaftlichen Bedingungen als ein Dienst im Stadtgebiet. Aber wir brauchen solche neuen Ideen. Was wir im Umland haben, etwa das Anrufsammeltaxi, ist nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Wir müssen eher dahin denken, Fahrdienste per App zu bündeln – und da ist Moia vielleicht ein gutes Vorbild. 

Dafür brauchen Sie auch andere Fahrzeuge. Gelenkbusse werden im Schülerverkehr gebraucht, wären aber bei solchen Diensten fehl am Platz. 

Van Zadel: Das stimmt. Wir brauchen dann eher Kleinbusse mit acht bis zehn Plätzen, die flexibler einsetzbar sind. 

Die Üstra will in den nächsten fünf Jahren ihre Busflotte auf Elektroantrieb umstellen. Ist das für Sie ein Vorbild?

Van Zadel: Im Stadtgebiet gelten andere Voraussetzungen als im Umland, aber auch wir werden auf neue Antriebsformen setzen. Ob das Elektrobusse sind oder Elektro-Hybrid oder es andere Ideen gibt – das prüfen wir derzeit. Das hängt nicht nur mit den Fahrzeugen selber zusammen, sondern natürlich auch mit der Infrastruktur, etwa die Frage, wo man überall Ladestationen braucht. Wir werden unter diesem Gesichtspunkt auch alle Betriebshöfe auf den Prüfstand stellen. 

Alle Betriebshöfe der Regiobus kommen auf den Prüfstand?

Van Zadel: Die Betriebshöfe sind – bis auf den in Mellendorf – alle um die 40 Jahre alt oder älter und auf ganz andere Fahrzeugtypen ausgelegt, als wir heute haben. Wir prüfen jetzt ergebnisoffen, welche Struktur für uns sinnvoll sind, ob wir in Zukunft noch alle Höfe brauchen oder ob wir vielleicht neue bauen müssen. Die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen, aber am Ende wird es in der Tendenz weniger Betriebshöfe geben. Aber nicht nur einen zentralen Hof – wir werden beispielsweise sowohl im Norden als auch im Süden der Region vertreten sein. 

Was passiert mit den Mitarbeitern?

Oelfke: Sollten Betriebshofstandorte geschlossen werden, dann werden die Mitarbeiter an einem anderen mit möglichst gleichwertigen Aufgaben weiterbeschäftigt. Wir bemerken, dass es derzeit eine große Sorge um die Arbeitsplätze gibt, auch weil die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens derzeit im Fokus steht. Wir haben neben dem Streichen von 1,4 Millionen Kilometern an Fahrleistung zusätzlich noch jährlich 2,6 Millionen Euro an Wirtschaftlichkeitsverbesserungen gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Region Hannover vereinbart. Diese Vereinbarung wird planmäßig in den Dienstleistungsauftrag der Region einfließen. Auch wenn dies mittelfristig dazu führt, dass weniger Stellen benötigt werden, wird dies nicht zu Entlassungen führen. 

Wie steht es eigentlich um die wirtschaftliche Situation des Unternehmens? Es gab Äußerungen im Verkehrsausschuss, die ziemlich düster klangen. Ist die Regiobus fast pleite?

Van Zadel: Nein, es geht dem Unternehmen gut. Gleichwohl sind wirtschaftliche Optimierungen wichtig, um es weiterhin zukunftssicher aufzustellen. 

Ist es eigentlich noch zeitgemäß, dass mit Üstra und Regiobus zwei getrennte Unternehmen für den Nahverkehr der Region Hannover zuständig sind?

Van Zadel: In Hannover ist diese Trennung gewachsen und sie hat auch ihre Berechtigung. Der Verkehr im Umland funktioniert naders als in der Stadt. Wir brauchen andere Fahrzeuge, andere Abläufe, wir haben damit ganz andere Voraussetzungen. Man könnte sicherlich STadt- und Umlandverkehr auch in einem Unternehmen organisieren, aber wir hätten dadurch derzeit keine Vorteile. Es wäre auch nicht wirtschaftlicher, Üstra und Regiobus zu verschmelzen. Die beiden Unternehmen arbeiten ja bereits zu vielen Themen zusammen. Dort, wo es Synergien gibt, werden wir das intensivieren.

Sie haben viel vor: Neue Antriebssysteme, neue Betriebshof-Struktur, neue Kleinbusse. Wie wollen Sie das alles bezahlen, wenn Sie gleichzeitig Ausgaben kürzen wollen?

Oelfke: Wir werden das Unternehmen mit Sicherheit nicht kaputt sparen. Wir müssen wirtschaftlicher werden und wir müssen investieren – beides ist notwendig. 

Aber woher soll das Geld kommen?

Van Zadel: Es gibt Förderprogramme und derzeit auch nicht wenige, wenn es um Elektromobilität geht. Ohne die würde man sicherlich nicht auskommen. Aber das ist für ein Nahverkehrsunternehmen das übliche Geschäft, sich für Investitionen um Förderprogramme zu bewerben.

Elektroantriebe sind nicht die einzige Innovation, auch das autonome Fahren – also Busse ohne Fahrer – werden diskutiert. Drohen dort Jobverluste?

Van Zadel: Wenn wir über autonomes Fahren im Nahverkehr reden, dann noch nicht über Level 5, also das Fahren gänzlich ohne Fahrer. Aber wir halten Level 4 - also autonomes Fahren mit einem Fahrer, der in besonderen Situationen eingreifen kann - für realistisch. Wir werden auch selber mit der Region am Campus Garbsen eine Versuchsstrecke aufbauen. Auch dafür werden wir Mittel beantragen, einen Bus mit Sensoren ausstatten und daran lernen. 

Sie wollen selber forschen? Können das nicht die Bushersteller und Universitäten besser?

Van Zadel: Wir könnten natürlich abwarten, bis es einen solchen Bus gibt. Wir können es aber auch selber ausprobieren. Ich bin der Meinung, dass man besser beraten ist, wenn man eigene Erfahrungen in diesem Gebiet macht.

Von Bernd Haase, Mathias Klein und Heiko Randermann

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