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Aus der Stadt SPD fordert mehr Einsatz der Kirchen für Obdachlose
Hannover Aus der Stadt SPD fordert mehr Einsatz der Kirchen für Obdachlose
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05:57 02.03.2018
Kampf gegen die Kälte: Die Zahl der Obdachlosen in Hannover steigt. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

 Die Zahl der Obdachlosen in Hannover wächst; die aktuelle Kältewelle verschärft ihre Situation dramatisch. Jetzt ist zusätzlich ein Streit darum entbrannt, wie den Betroffenen geholfen werden kann. Angelo Alter, derzeit sozialpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, kritisiert das Diakonische Werk der evangelischen Kirche, das unter anderem den Bau von mehr Sozialwohnungen verlangt hatte. Er fordert außerdem einen verstärkten Einsatz der Kirchen für Obdachlose.

„Mehr Sozialwohnungen lösen das Problem nicht“, sagt Alter. Die größte Zielgruppe für Sozialwohnungen seien Menschen mit niedrigen Einkommen. „Sie sind vor allem für Behinderte oder für die alleinerziehende Verkäuferin gedacht, die sonst keine Wohnung findet.“ Für Obdachlose wolle die SPD eher Projekte wie „Housing first“ in der Calenberger Neustadt fördern. Dabei werden den Betroffenen in einem Gebäude individuelle Mini-Appartements mit festen Mietverträgen angeboten, um ihnen auf die Beine zu helfen.

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Obdachlose unter der Brücke am Hauptbahnhof.

Die Stadt schafft derzeit im großen Stil Schlafplätze für Obdachlose, doch nicht alle Betroffenen nehmen das Angebot wahr, in den Unterkünften zu übernachten: „Teils ist es eine bewusste Entscheidung von ihnen, auf der Straße zu schlafen“, sagt Alter. 

Allerdings sieht er hier auch die Kirchen in der Pflicht: „Kirchliche Träger wie die Diakonie sollten ihre eigenen Einrichtungen öffnen, um Obdachlose unterzubringen“, fordert er. Derzeit seien die Einnahmen aus der Kirchensteuer hoch. „Fast jede Kirchengemeinde hat Immobilien, die geeignet wären, Wohnungslose unterzubringen“, sagt Alter: „Die Kirchen könnten da mehr machen als bisher und beispielsweise selbst Wohneinrichtungen bauen.“ Auch die wiederholt gestellte Forderung, für Obdachlose in Hannover einen Kältebus wie in Berlin anzuschaffen, hält Alter für wenig sinnvoll: „Wir müssen aufpassen, dass wir temporäre Probleme nicht aktionistisch angehen“, sagt er. Die derzeitige Kältephase dauere nur wenige Wochen an, und der Einsatz eines Kältebusses sei mit Folgekosten beispielsweise für Personal verbunden.

Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes betont unterdessen, dass die Diakonie mit Stadt und Region in der Regel ausgesprochen gut zusammenarbeite. Das ehemalige evangelische Jugendzentrum in Linden werde beispielsweise derzeit bereits so umgebaut, dass Studenten und Obdachlose dort ein Domizil finden. Außerdem werbe er selbst in den Kirchenvorständen der einzelnen Gemeinden seit Langem dafür, mögliche ungenutzte Räume für die soziale Wohnraumhilfe zur Verfügung zu stellen. Nicht alle Objekte seien aber für diese Nutzung geeignet, und solche Veränderungen seien zudem nicht schnell zu bewerkstelligen, verteidigt sich Müller-Brandes. „Wir sind aber nicht tatenlos“, betont der Diakoniepastor.

Von Simon Benne

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