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Aus der Stadt Schwarzer wird als „Neger“ beschimpft und angespuckt
Hannover Aus der Stadt Schwarzer wird als „Neger“ beschimpft und angespuckt
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00:16 17.03.2018
ZOB und Raschplatz sind beliebte Treffpunkte, um in der Gruppe zusammenzuhocken und Alkohol zu konsumieren.  Quelle: NP
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Hannover

 Über einen Fall von alltäglichem Rassismus, der in Gewalt ausartete, hatte jetzt das Amtsgericht zu befinden. Auf der Anklagebank saßen eine 19-Jährige und ein 20-Jähriger, die als Teil einer rund zwölfköpfigen Gruppe einen Schwarzen als „Neger“ und „Negerkopf“ beschimpft und ihm den Satz zugerufen hatten: „Wegen euch Scheiß-Ausländern müssen wir Steuern zahlen.“ Dann wurden der 21-jährige Schwarze und das ihn begleitende – hellhäutige – Paar angespuckt, mit dem Inhalt einer Flasche bespritzt, mit einem Fausthieb bedacht und mit Steinen beworfen.

Jugendrichter Buck verurteilte die Angeklagten wegen Landfriedensbruch, die Frau zusätzlich wegen Beleidigung. Werden Gewalttätigkeiten gegen Menschen  aus einer Menschenmenge heraus „in einer die öffentliche Sicherheit gefährdenden Weise mit vereinten Kräften begangen“, gilt dies als Landfriedensbruch. Die 19-Jährige bekam, unter Einbeziehung einer früheren Verurteilung, eine Bewährungsstrafe von einem halben Jahr aufgebrummt. Ihr Mitangeklagter kam mit dem Ableisten von drei Tagen Hilfsdienst davon. Er hat deutlich weniger Eintragungen im Vorstrafenregister als die Frau, auch zeigte er sich reumütig und beteuerte, kein Rassist zu sein: „Mein Cousin ist auch dunkelhäutig.“ Der 20-Jährige ging sogar so weit, um einen Hilfsdienst in einem Flüchtlingsheim zu bitten – was ihm Richter Buck nicht verwehren mochte.

Der Vorfall hatte sich im Juli 2017 gegen Mitternacht zwischen dem ZOB und der Kaufland-Filiale am Raschplatz abgespielt. Auslöser war offenbar, dass der dunkelhäutige Mann einen Schritt vor dem mit ihm befreundeten Paar herging. „So ist das in Deutschland, der Neger geht vor, die Deutschen hinterher“, war der Wortlaut der ersten Pöbelei aus der Gruppe der Angetrunkenen, die auch schon früher durch rassistische Bemerkungen aufgefallen sein sollen. Die drei Attackierten versuchten, das Weite zu suchen, doch dies gelang ihnen erst später.

Den Anwurf, wegen „euch Ausländern“ Steuern zahlen zu müssen, könnte man als Hohn empfinden: Die drei Opfer haben alle einen Realschulabschluss; die beiden jungen Männer absolvieren derzeit eine Lehre zum Großhandelskaufmann, die Frau zur medizinischen Fachangestellten. Die Angeklagten dagegen – sie gänzlich ohne Schulabschluss, er Förderschüler – sind arbeitslos. Immerhin leistet der 20-Jährige derzeit ein Praktikum ab, das ihm den Weg zu einem Ausbildungsplatz als Maler und Lackierer ebnen soll – und dabei soll er sich sehr gelehrig anstellen.

Von Michael Zgoll

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