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Aus der Stadt Streit zwischen Türken und Kurden eskaliert
Hannover Aus der Stadt Streit zwischen Türken und Kurden eskaliert
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09:06 16.03.2018
Hunderte Kurden haben am Montagabend im Flughafen Langenhagen gegen die türkische Militäroffensive in Afrin protestiert. Quelle: Mikkel Hansen
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Hannover

 Der Konflikt im nordsyrischen Afrin wirkt sich zunehmend auch auf die Region Hannover aus. Die militärische Auseinandersetzung spaltet die hier lebenden Türken und Kurden, Hunderte Protestler ziehen seit Wochen regelmäßg durch die Stadt. Immer wieder kommt es zu Attacken auf türkische Einrichtungen, Demonstranten geraten aneinander. Gleichzeitig schürt das angekündigte Verbot des geplanten Newroz-Festes am Sonnabend auf dem Schützenplatz unter Kurden weiteren Zorn. Womöglich findet dies aber nun doch statt – allerdings an einem anderen Ort.

Allein in der Nacht zu Dienstag demonstrierten rund 260 Kurden am Flughafen Langenhagen, etwa 30 Protestler blockierten wenig später Schienen im Hauptbahnhof Hannover – die Gleise 9 bis 12 mussten für eine halbe Stunde gesperrt werden. In Garbsen bewarfen Unbekannte in der selben Nacht zwei türkische Geschäfte mit Steinen und Brandsätzen. Die Feuerwehr musste das brennende Dach löschen. Auf dem Gehweg wurden Handzettel mit der Botschaft „G. L. Afrin“ verteilt. Vergangene Woche Donnerstag hatten Unbekannte in Lehrte die Scheiben des Türkischen Kulturvereins eingeschlagen und das Gebäude beschmiert. Ein Zusammenhang mit den Kriegshandlungen in Afrin sei „nicht auszuschließen“, sagt Polizeisprecher Thorsten Schiewe.

Polizei fährt vermehrt Streife

Die Ermittler reagieren auf die Übergriffe. „Die Präsenz und Streifentätigkeit an gefährdeten Objekten wurde deutlich erhöht“, sagt Schiewe. Und es sind nicht die ersten Vorfälle. Bereits im Januar waren im Flughafen Langenhagen Dutzende Kurden und Türken bei einem ähnlichen Protest wie am Montag aneinandergeraten, die Polizei musste die Schlägerei mit einem Großaufgebot beenden. Darüber hinaus wurde unter anderem Mitte Februar die CDU-Landeszentrale im Zooviertel mit dem Schriftzug „Rache für Afrin“ beschmiert.

Das angekündigte Verbot des kurdischen Neujahrsfestes Newroz seitens der Polizei für diesen Sonnabend war eine weitere Stufe der Eskalation. Das Fest diene aus Sicht der Behörde zur Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Der kurdische Dachverband NAV-DEM sagte die Veranstaltung daraufhin ab. Kundgebungen gegen das Verbot wurden seitens der Polizei mit einer ähnlichen Begründung ebenfalls verboten. Tobias Pflüger, Linken-Bundestagsabgeordneter und einer der Antragsteller, klagte daraufhin beim Verwaltungsgericht Hannover – das will in den kommenden Tagen über das Verbot entscheiden. Ob eine ebenfalls für Sonnabend angemeldete Friedenskundgebung mit Schauspieler Dieter Hallervorden und Liedermacher Konstantin Wecker stattfinden wird, ist noch offen.

Newroz-Fest womöglich auf der Expo-Plaza

Womöglich ist das gar nicht mehr nötig. Offenbar wird das Newroz-Fest nun doch am Sonnabend stattfinden. „Wir haben noch einmal mit der Stadt das Gespräch gesucht“, sagt Ayten Kaplan, Sprecherin von NAV-DEM. Gemeinsam habe man die Expo-Plaza als neuen Veranstaltungsort gewählt, die Planer rechnen mit bis zu 20.000 Teilnehmern. „Wir prüfen den Antrag wohlwollend“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Sobald das Fest offiziell genehmigt ist, will Linken-Politiker Pflüger seine Klage zurückziehen. „Erst dann ist die politische Auseinandersetzung gewonnen“, sagt er.

Die Polizei hält sich vorerst bedeckt und wartet den Ausgang des Prüfverfahrens ab. „Wir bereiten uns auf verschiedene Szenarien vor“, sagt Sprecher Schiewe. Dazu gehören die Absage aller Kundgebungen, die Ablehnung des Verbots durch das Gericht und die Genehmigung für die Expo-Plaza. In jedem Fall werde die Polizei unter anderem mit Hundertschaften „deutliche Präsenz zeigen“, so Schiewe. Sofern es zu spontanen Versammlungen in der Stadt kommen sollte, „wird das polizeiliche Vorgehen im Einzelnen geprüft“, sagt der Sprecher.

Die Türkische Gemeinde in Niedersachsen (TGN) wünscht sich ein friedliches Newroz-Fest. „Zu einem klassischen kurdischen Neujahrsfest würde auch ich gehen“, sagt der Vorsitzende Osman Timur, der selbst kurdische Wurzeln hat. Allerdings habe sich das Fest in Hannover in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einer PKK-Veranstaltung entwickelt. „Insofern kann ich die Entscheidung der Polizei nachvollziehen“, sagt Timur. Der TGN-Vorsitzende hofft, dass das mögliche Newroz-Fest auf der Expo-Plaza ohne Symbole und Flaggen der PKK auskomme. Timur: „Es wäre schön, wenn sich alle darauf verständigen könnten.“

Von Peer Hellerling

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