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Aus der Stadt Studentenwohnheim am Kronsberg findet kaum Mieter
Hannover Aus der Stadt Studentenwohnheim am Kronsberg findet kaum Mieter
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00:15 16.01.2018
Raphael Knipping ist unzufrieden mit seiner Wohnsituation.  Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

  Eigentlich sehen die beiden fünfgeschossigen Wohnblöcke, grau mit gelben Fensterrahmen, ganz schick aus. Eigentlich ist es keine schlechte Idee, ein Studentenwohnheim mit 214 Appartments – 174 Einzel- und 20 Doppelzimmer – in der Nähe der Hochschuleinrichtungen an der Expo-Plaza zu bauen. Doch die Wirklichkeit in der vor vier Monaten eröffneten Anlage sieht anders aus. „Ich will hier so schnell wie möglich wieder raus“, sagte Raphael Knipping, Fotojournalismus-Student im 1. Semester. Er nennt das „Chic 7“, benannt nach der Adresse Chicago Lane 7, ein „trostloses Haus in einer trostlosen Umgebung“. Offenbar ist er mit seiner Skepsis nicht allein: Gerade einmal 17 Namensschilder sind an der Front von Haus Nummer 7 b beschriftet. Die 7 a steht noch komplett leer.

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Die weitaus meisten Zimmer im Chic 7 stehen noch leer.

15 Quadratmeter für 510 Euro

Der 25-Jährige kommt aus Fürstenfeldbruck. „Ich hatte nur ein kurzes Zeitfenster, um mir in Hannover eine Wohnung zu suchen, da bin ich auf dieses Heim gestoßen“, erzählt der Student aus Bayern. Seit dem 1. Oktober 2017 lebt er in Zimmer 1001, auf 15 Quadratmetern für 510 Euro.  „Der Preis steht in keiner Relation zu dem, was einem hier geboten wird“, klagt er. Zwar umfasse die Miete auch die Nebenkosten wie Strom, Heizung, Wasser plus freien Internetzugang, zwar gebe es für die zehn Studenten jeder Wohneinheit eine Gemeinschaftsküche – doch zu seinem Appartment zählt nur ein kleines Bad mit Dusche, keine Küchenzeile. „Und in der Gemeinschaftsküche müssen sich die sechs Leute, die derzeit auf meiner Etage wohnen, zwei Kühlschränke teilen, das ist echt knapp“, meint er. Besonders ärgerlich findet er, dass er bei diesen stolzen Preisen auch noch 2,50 Euro pro Waschmaschinengang im Keller zahlen muss: „Das ist heftig.“

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Die Preise im Chic 7 variieren von 465 Euro (für ein möbliertes 13-Quadratmeter-Zimmer) bis zu einem All-inclusve-Preis von 730 Euro für 25 Quadratmeter; ein Doppelappartment mit zweimal 16 Quadratmeter und einem Gemeinschaftsbad kostet 1020 Euro. „Wir hatten viele Anfragen“, sagt Iris Spahn von der Verwaltungsgesellschaft Vegis aus Neu-Isenburg. Und warum sind dann nur 17 Namensschilder beschriftet? Spahn mag dazu nichts sagen, verweist auf die luxemburgische Firma Avia Rent Capital Management, den Investor und Eigentümer des 13,5 Millionen Euro teuren Projekts. „Wir haben aber noch einige Verträge mehr abgeschlossen“, erklärt die Verwalterin. Wie viele, mag sie nicht verraten.

Wartelisten beim Studentenwerk

Die 510 Euro, die Fotojournalismus-Student Knipping zahlt, kann er sich nur dank der Unterstützung seiner Eltern leisten. „Im Durchschnitt geben Studenten in Hannover 232 Euro für einen Wohnheimplatz aus“, weiß Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des hannoverschen Studentenwerks. Nimmt man alle Wohnformen zusammen – Wohngemeinschaften, Einzelzimmer, Studentenwohnheime –, lande man bei einer Durchschnittsmiete von 327 Euro. Nur 16 Prozent der knapp 47.000 Studenten in Hannover zahlen eine Warmmiete von mehr als 400 Euro. „Wir haben gegenüber frei finanzierten Wohnheimen natürlich den Vorteil, dass viele unserer Plätze öffentlich gefördert sind“, sagt Hoffmann. Doch im Ergebnis bleibt eine nackte Zahl übrig: 2324 Studenten stehen derzeit auf der Warteliste des Studentenwerks und warten auf eine kostengünstige Unterkunft.

„Wir sind sogar von den Projektentwicklern von Chic 7 angesprochen worden, ob wir die Anlage übernehmen wollen“, berichtet der Geschäftsführer des Studentenwerks. Doch seien die Kosten zu hoch gewesen. Dass nicht jedes privat finanzierte und betriebene Studentenwohnheim ein Flop sein muss, zeigt das Fizz Am Kläperberg. Nach Angaben der Betreiber ist der sechsstöckige Komplex in der Nordstadt komplett belegt. Dort kostet ein 20-Quadratmeter-Appartment 483 Euro, inklusive Bad und Küche. Allerdings hat das Fizz seine Mieten seit der Eröffnung im Herbst 2015 auch schon gesenkt; im Internet wirbt man noch mit dem Schlagwort„ab 573 Euro“.

Keine Kneipe weit und breit

Raphael Knippings Mietvertrag läuft zunächst ein Jahr, mit Verlängerungsoption. Doch von dem erhofften Studentenleben ist er im Chic 7 meilenweit entfernt: „Eine Kneipe findet man weit und breit nicht, die Gegend rundherum ist öde, und im Heim herrscht tote Hose.“ Lobend äußert er sich über den Bus, der direkt vor der Tür hält und mit zwei Stadtbahnlinien verbunden ist, auch braucht er mit dem Skateboard zum Einkauf im Leine-Center ebenso kurze fünf Minuten wie bis zur Hochschule: „Das ist okay.“ Etwas beklemmend sei das Wohnen in dem großteils leerstehenden Heim aber in den Abendstunden. Manche Straßen auf dem Expo-Süd-Gelände seien nicht beleuchtet, und die Tuner-Szene in der Nachbarschaft wirke auch nicht sonderlich anheimelnd. Auf dem Parkplatz zwischen Ikea und Expo-Wal lassen junge Männer mit hochgezüchteten Autos insbesondere an Wochenend-Nächten gerne ihre motorisierten Muskeln spielen. 

Für den 25-jährigen Studenten ist das Heim, in das es ihn verschlagen hat, ein Musterbeispiel für all das, was in Deutschland im Wohnungsbau schief läuft: „Die Leute suchen verzweifelt billige Unterkünfte, und hier stehen die teuren Appartments leer.“ Vielleicht lassen Frühjahr und Sommer die Dinge ja in einem etwas freundlicheren Licht erscheinen – wenn der Eigentümer die Gartenanlage rund um Chic 7 hergerichtet hat und der Kronsberg seine Reize als Ausflugsziel entfalten kann. Und vielleicht herrscht dann auch mehr Leben in den Studentenbuden am Expo-Park. 

Von Michael Zgoll

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