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Innenstadt-Verbot für drei 96-Anhänger

Heimspieltage Innenstadt-Verbot für drei 96-Anhänger

Drei Anhänger von Hannover 96 dürfen während der Heimspieltage die Innenstadt weiterhin nicht betreten. Das Verwaltungsgericht bestätigte am Freitag nach mehr als vierstündiger Verhandlung Aufenthaltsverbote, die die Polizeidirektion für die Saison 2016/2017 ausgesprochen hatte.

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Drei 96-Anhänger dürfen die Innenstadt während der Heimspiele nicht betreten, das entschied jetzt das Gericht.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Dies war die scharfe Auflage der Polizei, gerichtet gegen 47 sogenannte Problemfans von Hannover 96: An Tagen von Heimspielen des Clubs dürfen sie weite Teile der Innenstadt nicht betreten, sechs Stunden vor Anpfiff nicht und bis sechs Stunden nach Schluss. Ein definierter Kreis von Straßen rund um die HDI-Arena zählt zur Sperrzone wie auch die Umgebung des Hauptbahnhofs. Das Aufenthaltsverbot gilt auch an Spieltagen der zweiten Mannschaft in der Regionalliga. An diesen Tagen bleibt die City für Betroffene fast einen Tag lang tabu, sie dürfen nicht einmal durch dieses Gebiet hindurchfahren. Damit soll möglicher Gewalt vorgebeugt werden.

Drei der Fans haben gegen das Verbot geklagt – und am Freitag ein zweites Mal vor der 10. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover verloren. Schon im Eilverfahren gaben die Richter der Polizeidirektion recht, gestern bestätigten sie, nach mehr als vierstündiger Verhandlung, ihre Entscheidung. Das Verbot bleibt gültig, zunächst für die Dauer der Saison 2016/2017. „Die Prognose der Polizei, dass weitere Straftaten begangen werden könnten“, reiche für die Verfügung aus, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Kleine-Tebbe. Dagegen sah Fan-Anwalt Andreas Hüttl einen „massiven Eingriff in Grundrechte“.

Die drei Kläger, alle werden in der Datei „Gewalttäter Sport“ geführt, waren in den vergangenen Jahren mehrmals aufgefallen. Stephan R., eine führende Person der Ultra-Szene, war dabei, als eine Gruppe von 96-Anhängern in der Nacht vorm Derby gegen Eintracht Braunschweig mit Sturmhauben in den 96-Farben Schwarz-Weiß-Grün um das Stadion eine Art Patrouille lief. Sie forderten Leute auf, ihren Personalausweis zu zeigen, sie wollten prüfen, ob Eintracht-Fans nahe sind. Pech, dass sie eine Zivilstreife der Polizei kontrollieren wollten.

Diese Geschichte aus dem November 2013 bewertete die Kammer gestern im Fall von Stephan R. als „Ursünde“. Dazu kamen weitere Vorfälle. Er war anwesend, als es in Frankfurt Randale zwischen Fans gab, und wieder in der Nähe, als Anhänger von Borussia Dortmund auf dem Rückweg vom Stadion zum Hauptbahnhof „begleitet“ wurden, wie Kleine-Tebbe spöttisch sagte. Weil es keine Hinweise gab, dass sich sein Verhalten ändert, die Sozialprognose für Stephan R. also aus Sicht der Polizei nicht günstig ausfiel, habe ihn das Aufenthaltsverbot zu Recht getroffen.

Die Richter orientierten sich bei ihrer Entscheidung an der „Drei-Schritte-Methode“, sie ist praktisch eine Erfindung der Kammer. Danach kann die Polizei Fans Aufenthalte zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten verbieten, wenn bei einer Person einige Fakten zusammenkommen. „Ein schwerer Vorwurf und zwei leichtere“, sagte Kleine-Tebbe, dazu eine ungünstige Einschätzung, was Straftaten angeht. Es muss strafrechtliche Ermittlungen gegeben haben, dazu zwei weniger schwere Auffälligkeiten, wie aufgenommene Personalien oder Gewahrsamsnahme, und, drittens, keine Aussicht auf Sinneswandel der Betroffenen. Nach diesem Muster bestätigte das Gericht Verbote auch für Torben R. und Florian S.

Die Kammer zeigte insgesamt „kein großes Verständnis, wenn Fan-gruppen Kontakt zueinander suchen“.
Alle drei Männer erschienen nicht zur Verhandlung. Anwalt Andreas Hüttl sagte, keiner der Kläger sei an Gewalttaten beteiligt gewesen. Stephan R. sei von der Auseinandersetzung in Frankfurt sogar 50 Meter entfernt geblieben und wertete dies als Distanzierung vom Geschehen. Er forderte, bei Aufenthaltsverboten zwischen verschiedenen Spielen zu unterscheiden. Es sei auch kontraproduktiv, wenn „Persönlichkeiten wie Stephan R., die nichts gemacht haben, mit Straftätern über den gleichen Kamm geschert werden und trotzdem mit Maßnahmen belegt werden“. Die könnten denken, dass es ja dann egal ist, wie man sich verhält. Kleine-Tebbe reagierte knapp: „In der Fanszene haben sich offenbar andere Begriffe von Rechtmäßigkeit entwickelt.“     

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