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Aus der Stadt Gericht stellt Verfahren gegen Polizisten ein
Hannover Aus der Stadt Gericht stellt Verfahren gegen Polizisten ein
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20:17 22.07.2018
Zwei Zeuginnen hatten einem Polizisten vorgeworfen, sie schlechte behandelt zu haben. Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht sahen das anders. Quelle: epd
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Hannover

Am Ende waren sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Richterin einig: Die Vorwürfe gegen einen hannoverschen Polizisten wegen mutmaßlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung können nicht erhärtet werden. Das Verfahren vor dem Amtsgericht wurde eingestellt, weil die beiden Hauptbelastungszeuginnen den Prozessbeteiligten nicht glaubwürdig erschienen.

Dem angeklagten Polizeikommissar wurde von den zwei „Opfern“ vorgeworfen, sie am 22.10.2017 im Bereich des Steintors um 5 Uhr morgens weggeschubst und eine der Beiden ungerechtfertigterweise aufs Revier gebracht haben. „Ich habe starke Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Frau B.“, sagte die Staatsanwältin, aufgrund von Ungereimtheiten in ihrer Aussagen im Vergleich zu ihrer vorigen Vernehmung von 6.12.2017. Auch ihre Freundin Jasmin V. hätte sie nicht überzeugt, erklärte sie weiter. Rechtsanwalt Thore Tippe plädierte ebenfalls auf Einstellung des Verfahrens. Richterin Julia Vogt äußerte zwar Zweifel, entschied sich aber dann doch, dem Vorschlag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu folgen.

Die beiden Freundinnen Janine B. und Jasmin V. waren am Sonntag, 22.10.2017 spontan am Steintor feiern gewesen und wurden dort von einer Gruppe junger Männer angesprochen. Sie hätten die beiden Frauen aufgefordert Marihuana zu rauchen, so die beiden Zeuginnen. Als die beiden nicht reagierten, soll einer der Männer den Arm um V. gelegt haben. „Wir konnten daraufhin aber weitergehen“, erklärte die 27-jährige V. Ein paar Meter weiter sahen B. und V. um 5 Uhr den Angeklagten und eine Polizeikommissariatsanwärterin, wie sie eine Kontrolle an einer schlafenden Person durchführten. Dabei soll sie laut Aussagen des Angeklagten dicht an ihn herangetreten sein.

„Ich war sehr auf die Kontrolle eines augenscheinlichen Betäubungsmittelkonsumenten fokussiert“, erzählte der Polizist während der Vernehmung. Daher habe er die 26-jährige B. mit einer Hand von weiter von sich weggeschoben und sie aufgefordert einen Schritt zurück zu gehen. „Sie hätten die Maßnahme gestört“, fand er. Daraufhin hätten beide Zeuginnen gefragt, warum er sie geschubst habe. „Für mich war das kein Schubsen“, berichtet der Angeklagte. Laut den beiden Freundinnen, soll der Polizist B. mehrmals geschubst haben. Daraufhin „schubste“ B. den Angeklagten auch einmal, und sagte ihm, dass er es lassen sollte.

Weil sie ihn immer noch gestört hätten, hätte er einen Platzverweis ausgesprochen, so der Kommissar. Doch das hätten die Frauen nicht beachtet. „Wir sind geblieben, weil wir nicht wussten, warum uns nicht geholfen wird“, erinnert sich Janine B. Der Angeklagte hätte angekündigt, B. notfalls in Gewahrsam zu nehmen, wenn sie die Kontrolle weiter störe. Als er sie dann nach ihren Personalien fragte, und die 26-jährige sie ihm nicht gab, hielt er sie fest. „Daraufhin hat sie um sich geschlagen“, berichtet der Angeklagte. Daher haben er und seine Kollegin ihr Handschellen angelegt und sie in den Streifenwagen gesetzt.

B. beklagte mehrfach, dass sie zu eng gewesen seien und habe eine daraufhin auch eine Panikattacke bekommen. Ihre Freundin V. hatte das bemerkt und mehrfach versucht, die Polizeianwärterin auf der Rückbank neben B., durch öffnen der Tür darauf aufmerksam zu machen. Dabei habe der Polizist sie dann so weggezogen, das sie gegen einen Baum gefallen sei und sich eine Oberschenkelprellung zugezogen habe. „Ich habe davon nichts gemerkt“, erzählt er im Nachhinein. Auch V.s Attest wurde erst drei Tage nach dem Vorfall von einem Arzt erstellt. B. wurde in der Nacht zur Polizeistelle gebracht und um 5:40 wieder entlassen. Verteidiger Tippe rechtfertigte das Verfahren seines Mandanten: Er habe rechtmäßig gehandelt.

Von Laura Ebeling

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