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Aus der Stadt Vinzentinerinnen verlassen Hannover
Hannover Aus der Stadt Vinzentinerinnen verlassen Hannover
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00:16 19.06.2018
„Ein neuer Weg kann auch ein Gewinn sein“: Schwester Olivera Fette im Garten des Haus Katharina am Vinzenzkrankenhaus. Im Herbst zieht sie mit ihren Ordensschwestern nach Hildesheim. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Es ist ein Traditionsabbruch: Nach mehr als 150 Jahren verlassen die Vinzentinerinnen Hannover. Die letzten 22 katholischen Ordensfrauen, die derzeit noch im Vinzenzkrankenhaus wohnen, werden im November nach Hildesheim ziehen, wo sich ihr Mutterhaus befindet. Im Altenpflegeheim St. Paulus wollen die teils hochbetagten Frauen dort auf anderthalb Etagen ihren gemeinsamen Altersruhesitz beziehen.

„Es fällt uns nicht leicht, aber wir sehen, dass es sein muss“, sagt Schwester Olivera Fette. Mit 63 Jahren ist sie die jüngste der betroffenen Schwestern und die einzige, die noch berufstätig ist. Sie selbst wird künftig nach Hannover pendeln, um weiter im Seelsorgeteam des Krankenhauses mitzuwirken. „Wir werden immer weniger“, sagt sie. Die älteste Schwester sei mittlerweile 95 Jahre alt. Allein im vergangenen Jahr habe es im Haus Katharina, dem Domizil der Schwestern am Vinzenzkrankenhaus, mehr als ein halbes Dutzend Todesfälle gegeben. „Das Haus ist längst viel zu groß für uns, der Unterhalt zu kostspielig“, sagt Schwester Olivera. Künftig wird wohl das Krankenhaus die Räume nutzen.

Als Pflegekräfte sind die Ordensfrauen bereits seit Jahren nicht mehr aktiv, und auch aus der Leitung der Klinik haben sie sich schon seit langem zurückgezogen. Das Krankenhaus gehört heute zum Elisabeth-Vinzenz-Verbund, einem Zusammenschluss von Krankenhäusern mit katholischen Wurzeln. Der ärztliche Leiter, Jens Albrecht, spricht daher von einer schleichenden Zäsur. „Wir bedauern es sehr, die Präsenz der Vinzentinerinnen bei uns zu verlieren“, sagt er. „Wir möchten, dass der vinzentinische Geist erhalten bleibt.“ So würden beispielsweise Mitarbeiter in Weiterbildungen dafür sensibilisiert, sich Patienten auch in geistlicher Hinsicht zuzuwenden.

Katholische Ordensgemeinschaften leiden unter Überalterung und dramatischem Nachwuchsmangel. Die letzten fünf Franziskaner hatten Kleefeld 2010 aus Altersgründen verlassen. Im vergangenen Jahr hatten sich die letzten Salesianer nach 67 Jahren aus Ricklingen verabschiedet, ebenso wie die Oratorianer aus dem Roderbruch. „Die Vinzentinerinnen in ihrer Ordenstracht gehören seit vielen Jahren in Kirchrode zum Stadtbild“, sagt der 79-jährige Hans-Helmut Kruse, der in der Nähe des Krankenhauses lebt: „Da geht ein Stück Geschichte zu Ende.“

Tatsächlich waren Frauen vom katholischen „Orden der Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz“ seit 1862 in Hannover aktiv. Anfangs kümmerten sie sich im Rahmen der häuslichen Pflege um Kranke. Später hatten sie ihr Krankenhaus in einer Villa in der Scharnhorststraße, in der heute das Landesamt für Denkmalpflege untergebracht ist. Von dort zogen sie 1971 ins neu gebaute Vinzenzkrankenhaus an der Lange-Feld-Straße um.

Im Herbst verabschieden sie sich dort nun: Am 8. November soll es einen Gottesdienst geben, am 24. November einen Flohmarkt, bei dem die Schwestern alles verkaufen, was sie nicht mitnehmen können – Möbel, Geschirr, Wäsche. „Wir haben schon Kontakt zu Umzugsfirmen aufgenommen“, sagt Schwester Olivera. Im Hildesheimer Altenheim werde man als „Gemeinschaft in einer Gemeinschaft“ leben. Viele der Schwestern gingen schweren Herzens. „Doch ein neuer Weg kann auch ein Gewinn sein.“

Von Simon Benne

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