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Aus der Stadt Zeuge wird vor Gerichtsgebäude zusammengeschlagen
Hannover Aus der Stadt Zeuge wird vor Gerichtsgebäude zusammengeschlagen
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00:29 17.03.2018
Sanja L. (v.l.), Liliana M. und Monika G. müssen sich wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung verantworten. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Der Groll, der sich bei den beiden Familien aus Garbsen und Langenhagen aufgestaut hat, muss gewaltig sein. So gewaltig, dass rund acht Mitglieder eines deutsch-serbischen Clans am 20. Juni 2017 zwei Mitglieder der anderen Familie angriffen – direkt vor dem Amtsgerichts-Eingang am Volgersweg. Dort sollte um 10 Uhr ein damals 47 Jahre alter Garbsener in einem Prozess gegen Deny G., einen jungen Mann der Gegenseite, aussagen. Er hatte ihn wegen des Fahrens ohne Führerschein angezeigt. Begleitet wurde er von seiner Ehefrau. Doch dann, so die Aussage des Serben, sei er von drei bis vier Männern der anderen Familie brutal zusammengeschlagen worden. Auf die Ehefrau gingen laut Staatsanwaltschaft drei Frauen und ein Jugendlicher aus dem Langenhagener Clan los. Doch die 45-Jährige setzte sich mit Pfefferspray zur Wehr. Erst mithilfe von Justizwachtmeistern und Polizeibeamten gelang es, die verfeindeten Familien auseinanderzubringen.

Weiterer Prozess folgt

Seit Mittwoch müssen sich die drei Frauen und der junge Mann vor einem Jugendrichter am Amtsgericht wegen des Angriffs auf die 45-Jährige verantworten. Liliana M. (45), Sanja L. (43), Monika G. (23) und Deny G. (18) sind wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung angeklagt. Der Prozess gegen die Männer, die den 48-Jährigen zusammengeschlagen haben sollen, ist auf den 7. Juni terminiert.

Die Animositäten zwischen den Clans währen offenbar schon länger. Irgendwann war eine Tochter der Garbsener Familie mit Deny G. liiert, doch diese Beziehung hielt nur drei Monate. „Da bekam sie aber einige Einblicke in die kriminellen Machenschaften dieser Leute“, erklärte die 45-jährige Mutter vor Gericht. Ein Ausfluss dieser Einblicke war demnach die Anzeige ihres Mannes gegen einen älteren Bruder von Deny G.; dieser soll Autos steuern, ohne einen Führerschein zu besitzen.

Vergebliches Telefonat mit Polizei

Wie das Garbsener Ehepaar Jugendrichter Jens Buck schilderte, hatte es die ihnen feindselig gesonnene Familie an jenem 20. Juni schon bei der Parkplatzsuche entdeckt. Daraufhin rief die 45-Jährige bei der Garbener Polizei an und fragte, was sie tun solle. Ein Beamter riet ihr, sich nicht einschüchtern zu lassen und sich dem Gerichtsgebäude ganz ruhig zu nähern – es werde schon nichts passieren. Doch das war ein Irrtum. Ihr Ehemann wurde sofort mit Faustschlägen attackiert, zog sich eine Platzwunde im Ohr zu, erlitt eine Schädelprellung sowie Verletzungen im Nacken, auf der Brust und an den Armen. Nach eigenem Bekunden war er wochenlang krankgeschrieben, litt auch noch lange unter den psychischen Folgen des Angriffs. Seine Ehefrau ließ die anderen aus dem Langenhagener Clan erst gar nicht allzu nah an sich heran, begann sofort, wie wild Pfefferspray zu versprühen. „Ich war in Panik, hatte Angst“, erklärte sie vor Gericht. Gehört habe sie Schimpfworte wie „Schlampe“ und „Hure“, auch an die Sätze „Ich werfe eine Bombe in euer Haus“ und „Du hast uns unsere Schwiegertochter weggenommen“ erinnerte sie sich. 

Die Verteidiger Kai Remmer und Dimitrios Lolis versuchten, die Glaubwürdigkeit der Zeugin zu erschüttern. Es gebe keine Beweise, dass die vier Angeklagten die 45-Jährige tatsächlich körperlich attackieren wollten. Klarheit wird das Urteil bringen, das das Gericht am kommenden Mittwoch fällen will. Zuvor wird Jens Buck noch den Garbsener Polizeibeamten anhören, der kurz vor der Schlägerei mit der Frau telefoniert hatte.

Von Michael Zgoll

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