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Aus der Stadt Sekretärin betrügt Jüdische Gemeinde um 86.000 Euro
Hannover Aus der Stadt Sekretärin betrügt Jüdische Gemeinde um 86.000 Euro
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00:47 15.06.2018
Evgenia M. wird von Anwalt Nicolas Reiser verteidigt. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Eine ehemalige Sekretärin der Jüdischen Gemeinde Hannover ist am Dienstag vom Amtsgericht wegen gewerbsmäßiger Untreue in 39 Fällen und gewerbsmäßigen Betrugs in 19 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Evgenia M. hatte für Firmen bestimmtes Geld mithilfe von manipulierten Rechnungen auf die Konten von Verwandten und Freunden umgeleitet und dann vereinnahmt. Die 34-Jährige ließ sich Reisekosten für Gemeindemitglieder erstatten, die sie nie eingezahlt hatte. Und sie kassierte Geld von Eltern für Ferienlageraufenthalte von Kindern, das sie für sich behielt. Der Schaden liegt bei 86.000 Euro.

Verständigung nach Gespräch

Die Staatsanwaltschaft hatte sogar 156 Fälle von Untreue, Betrug und Urkundenfälschung mit einer Schadenssumme von 125.000 Euro angeklagt. Doch weil eine frühere Buchhalterin verstorben ist und sich die Beweislage bei einigen Anklagepunkten als kompliziert erwies, führten das Schöffengericht unter Vorsitz von Simon Schnelle sowie Staatsanwaltschaft und Verteidigung ein Verständigungsgespräch. Ergebnis: Evgenia M. legte ein Teilgeständnis ab und kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Grund für die Betrügereien der dreifachen Mutter, die sie zwischen 2013 und 2015 beging, war Spielsucht. Nach eigener Aussage zockte sie in Online-Kasinos ebenso wie an Spielhallenautomaten. Ihr Mann – von dem die gerade geschieden wird – war ebenfalls Spieler, schaffte aber irgendwann einmal den Absprung. Wie sehr die aus Russland stammende M. unter Druck stand, zeigte sich anhand einer weiteren Anklage, die in das Urteil einfloss. Im Dezember 2017, also erst vor einem halben Jahr, war sie am Aufbrechen von Spielautomaten in zwei Kneipen beteiligt. Die Beute: 254 Euro. Vor Gericht versicherte die Täterin, zeitnah eine Therapie beginnen zu wollen, um ihre Sucht unter Kontrolle zu bekommen. Verwandte und Freunde hätten tatsächlich nicht gewusst, dass die Überweisungen auf ihre Konten auf krummen Geschäften beruhten. Sie habe ihnen erklärt, es handele sich um ordnungsgemäße Rückzahlungen.

Schlampige Buchführung

Im Zuge der Verhandlung wurde aber auch klar, dass damals bei der Buchführung der Jüdischen Gemeinde einiges im Argen lag. Die neu eingestellte Buchhalterin, die den Skandal 2015 aufdeckte, berichtete im Gerichtssaal von Kladden, in denen Geldein- und Ausgänge nur sehr unvollständig vermerkt waren. Auch Richter Schnelle sprach von einer „nicht ganz klaren Buchführung“, und M.s Verteidiger Nicolas Reiser merkte an, die Gemeinde habe seiner Mandantin das Veruntreuen der Gelder leicht gemacht. Die meisten der betroffenen Gemeindemitglieder haben ihre Wurzeln in Russland; sie bekamen ihr abhanden gekommenes Geld ebenso von der Jüdischen Gemeinde erstattet wie die Firmen, die monatelang auf das Begleichen ihrer offenen Rechnungen warten mussten. „Letztendlich hat Ihr Arbeitgeber Ihre Spielsucht finanziert“, warf der Richter der Betrügerin vor.

Begeht Evgenia M. innerhalb der nächsten drei Jahre erneut eine Straftat, muss sie damit rechnen, ihre zweijährige Haftstrafe abzusitzen. Finanziell wird die Badenstedterin in den nächsten Jahren auch keine großen Sprünge machen können: Sie ist verpflichtet, die beim Spielen verzockten 86.000 Euro zurückzuzahlen. Ob die Sozialhilfeempfängerin, die bald einen Job annehmen möchte, dazu jemals in der Lage sein wird, steht in den Sternen.

Von Michael Zgoll

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