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Kein Klo vor der Oper
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Ende der Diskussion Kein Klo vor der Oper

Das Klo ist angefertigt, aber einen Standort gibt es vorerst nicht: Die Stadt Hannover gibt die Suche nach einem Ort für eine öffentliche Toilette nahe der Oper auf. Damit endet ein jahrelanger Konflikt zwischen Verwaltung, Ratspolitik und den Anliegern des Opernplatzes.

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Kein Platz fürs Klo: An der Oper wird keine Toilette gebaut.

Quelle: Burkert

Hannover. Es gebe „im Bereich der Oper keinen nachbarschaftlich akzeptierten Standort für die vom Rat gewünschte weitere öffentliche Toilette“, teilte die Stadt am Mittwoch auf Nachfrage der HAZ mit. Das Edelstahl-Klo wurde bereits für 90.000 Euro hergestellt und lagert auf einem Betriebshof der Stadtentwässerung. Wo es künftig zum Einsatz kommen soll, ist unklar. Man werde sich um einen Standort außerhalb des Opernplatzes bemühen, heißt es vonseiten der Stadt.

Grund für das endgültige Klo-Aus ist ein Widerspruch des Börsen-Eigentümers. „Wir glauben, dass ein öffentliches WC vor unserer Tür das gesamte historische Gebäudeensemble verschandelt“, sagt Friedrich von Lenthe, stellvertretender Präsident der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft, Eigentümerin der alten Börse. Der Abbruch der Suche sei „die einzig richtige Entscheidung der Stadt“.

Das Veto kommt überraschend, denn der Geschäftsführer des Landschaftsverbands, Eckhard David, hatte noch im April seine Zustimmung zum Klo vor dem Börseneingang signalisiert. „Wenn die Stadt das für richtig hält,finde ich nicht, dass Anlieger dazu gefragt werden müssen“, meinte David damals. Man werde die Toilette folglich dulden. Von „internen Missverständnissen“ ist jetzt innerhalb des Verbands die Rede. Das Urteil des Eigentümers steht nun fest. „Wenn Denkmalschützer der Ansicht sind, dass ein WC nicht auf den Opernplatz gehört, dann gilt das genauso für uns“, sagt von Lenthe. Das Börsenhaus stammt aus dem Jahre 1848 und steht unter Denkmalschutz. Vom ehrwürdigen Festsaal des Gebäudes hätte man direkt auf die Toilette geblickt, „eine Lachnummer“, meint der stellvertretende Präsident des Verbands.

Damit löst sich die letzte Standortidee der Stadt in Luft auf. Zuvor hatte sich die Opernleitung dagegen gewehrt, dass das WC direkt unter dem Fenster des Intendanten Platz finden sollte. Die Oper schaltete sogar den Denkmalschutz ein, der einem Toilettenhaus auf dem Opernplatz grundsätzlich eine Absage erteilte. Zwischenzeitlich hatte die Stadt die Idee, die Toilette unweit des Holocaust-Mahnmals zu positionieren, doch erntete heftige Kritik vonseiten der Jüdischen Gemeinde.

Die Ratsmehrheit von SPD und Grünen hatte vor drei Jahren gegen die Stimmen der Opposition beschlossen, dass ein Toilettenhäuschen auf dem Opernplatz nötig sei, denn Geschäftsleute und Opernleitung klagten über Angetrunkene, die sich in den Büschen und an der Fassade des Opernhauses erleichterten. Jetzt appelliert die Stadt an alle „Platznutzer“, die Klos am Kröpcke und am Aegi aufzusuchen.

Kommentar: Teure Posse

Wenn nicht eine Menge Geld im Spiel wäre, könnte man über den Streit um das Opernklo herzhaft lachen. Die Stadt Hannover bleibt auf einem Edelstahl-WC sitzen, das den Steuerzahler 90 000 Euro gekostet hat. Denn rund um den Opernplatz will niemand eine öffentliche Toilette vor der Nase haben, weder die Opernleitung, noch die Eigentümerin des Börsenhauses. Im Grunde hätte man ahnen können, dass ein Abort auf einem der schönsten und historisch bedeutendsten Plätze Hannovers massiven Widerstand hervorruft. Der Vorwurf der Kurzsichtigkeit trifft aber nicht die Stadtverwaltung, sondern die rot-grüne Ratsmehrheit, die mit ihrem Toiletten-Beschluss die Querelen erst auslöste. Die Stadt wiederum muss erklären, warum sie in vorauseilendem Gehorsam ein teures WC bauen ließ, ohne zu wissen, wo es platziert werden kann.

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