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Aus der Stadt Süßigkeiten auf Knopfdruck
Hannover Aus der Stadt Süßigkeiten auf Knopfdruck
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00:15 02.08.2013
Von Michael Zgoll
Testobjekt: Unter dem Lister Platz steht seit 2012 ein Süßigkeitenautomat. Quelle: Hagemann
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Hannover

 Möglicherweise würden bis zu 40 weitere Automaten an unter- und oberirdischen Bahnsteigen installiert, sagt Geschäftsführer Bernd Hoedtke von der Firma X-City-Marketing. Die Fächer sind mit Süßigkeiten, Würstchen und Erfrischungsdrinks bestückt, aber auch mit Kondomen oder Schwangerschafts-Teststreifen. Gesundheitsbewusste Eltern oder Fachleute, die sich mit Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen beschäftigen, bekommen aber beim Anblick der Süßigkeitenspender Bauchschmerzen.

„Die bislang existierenden Automaten in den Stationen Hauptbahnhof, Waterloo und Lister Platz werden sehr gut angenommen“, erklärt der Geschäftsführer. X-City-Marketing, an der die Üstra und die Werbefirma Ströer zu je 50 Prozent beteiligt sind, arbeitet mit dem Automatenbetreiber Selecta aus Bad Soden zusammen. Das hessische Unternehmen muss laut Hoedtke die Installation von Stromanschlüssen und das Aufstellen der Apparate bezahlen; stets zu berücksichtigen seien auch Platz- und Sicherheitsfragen. X-City-Marketing bekommt eine feste Miete je nach Standort und ist – in geringem Maße – auch am Umsatz beteiligt.

Attraktiv für Selecta sind offensichtlich nicht nur stark frequentierte, innenstadtnahe Stadtbahnstationen, sondern auch Endhaltestellen. Vandalismus oder Aufbruchversuche habe es während der elfmonatigen Testphase nicht gegeben, sagt Hoedtke. Das sei sicherlich auch der Bahnsteigüberwachung durch Videokameras zu verdanken.

Doch nicht alle sind glücklich über die schöne neue Automatenwelt. Eine Mutter aus der List weist darauf hin, dass sich viele Schulen schon seit Jahren bemühten, Kindern vitaminreiche Pausensnacks anzubieten. In der Leibnizschule etwa sei ein Süßigkeitenautomat abgebaut worden, um den Schülern das Umsteigen auf gesunde Kost zu erleichtern. Snackspender an Stadtbahnhaltestellen, wo wartende Kinder zum Kauf von Bifi und Brause verführt würden, seien kontraproduktiv. In das gleiche Horn bläst Diätassistentin Evelin Sadeghian, die am Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult an einem Projekt gegen Fettleibigkeit (Adipositas) beteiligt ist: „Je weniger Standorte es gibt, wo Kinder ihr Taschengeld spontan in Süßigkeiten umwandeln können, desto besser.“ Die Psychologin und Adipositas-Trainerin Claudia Ziegler weist darauf hin, dass die Zahl der Übergewichtigen bundesweit immer noch zunimmt: „Süße Getränke und Snacks mit ihrem hohen Zuckergehalt tragen erheblich dazu bei.“

Eher entspannt sieht Gabriele Peters von der niedersächsischen Verbraucherzentrale die nahende Automatenschwemme: „Wer will, könnte Süßes ja auch im nächsten Supermarkt kaufen.“ Aus ernährungsphysiologischer Sicht sei es aber durchaus sinnvoll, wenn hinter den Scheiben auch Obst läge. Geschäftsführer Hoedtke fühlt sich nicht zuständig für Fragen zur Gesundheitsprävention: „Es liegt doch an den Eltern, ihren Kindern ein vernünftiges Pausenbrot zu schmieren.“

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