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Aus der Stadt Hannover braucht mehr Platz für Flüchtlinge
Hannover Aus der Stadt Hannover braucht mehr Platz für Flüchtlinge
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00:15 01.03.2013
Von Andreas Schinkel
Die Unterkunft der Freikirchlichen Gemeinde am Döhrener Turm gilt als vorbildhaft für andere Flüchtlingsheime. Quelle: Poblete
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Hannover

Daher hat sich die städtische Immobiliengesellschaft GBH jetzt entschlossen, vier Flüchtlingswohnheime zu bauen. Das geht aus einer sogenannten Absichtserklärung hervor, die kürzlich dem Bauausschuss vorgestellt wurde. Dabei wird auch eine „Systembauweise“ für die Wohnheime nicht ausgeschlossen. „Damit sind aber keine Container gemeint, wie sie in den neunziger Jahren verwendet wurden“, betont SPD-Baupolitiker und GBH-Aufsichtsratschef Thomas Hermann. Vielmehr könnten „Module“, also Fertigwohnräume, als provisorische Unterkünfte verwendet werden.

Die restlichen 200 Plätze will die Stadt in angemieteten Wohnungen sowie in einem Hotel in der Büttnerstraße einrichten. Ob der Kraftakt ausreicht, ist keinesfalls sicher. „Sollte die Zahl der Flüchtlinge weiter steigen, sind weitere Plätze nötig“, sagt Hermann. Das Land Niedersachsen teilt den Kommunen eine bestimmte Zahl von Flüchtlingen zu. Bis Ende September muss Hannover 650 Asylsuchende aufnehmen, das sind in neun Monaten schon rund 200 Menschen mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Die Stadtverwaltung hat die Quote auf das gesamte Jahr hochgerechnet und kommt auf einen Wert von 860 Asylsuchenden, die es unterzubringen gilt. Derzeit werden die Flüchtlinge in sieben Wohnheimen und etlichen Wohnungen versorgt.

Zwar gibt es in den vorhandenen Unterkünften immer wieder freie Plätze, aber das reicht bei Weitem nicht aus, um alle Neuankömmlinge unterzubringen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Stadt auf dem freien Wohnungsmarkt kaum noch Räume findet, die sie für die Unterbringung von Asylsuchenden anmieten kann. So bleibt nur die Flucht nach vorn und damit der Bau neuer Wohnheime. Wo die Unterkünfte entstehen sollen, ist weitgehend unklar. Einzig die Alte Bult in der Südstadt steht als neue Heimat für rund 50 Asylsuchende fest. Am Bischofsholer Damm nahe der Kinderklinik soll das neue Wohnheim errichtet werden. Auch in Kleefeld kommt dem Vernehmen nach ein städtisches Grundstück infrage.

„Die Verteilung der Wohnheime über die Stadt muss sozial ausgewogen sein“, sagt SPD-Ratsherr Hermann. Auch dürfe eine Unterkunft nicht allzu weit entfernt von Supermärkten und Bahnanschlüssen gebaut werden. Vorbild in Sachen Integration in den Stadtteil sei das von der Freikirchlichen Gemeinde betreute Wohnheim in Döhren. Auch bei der Unterbringung von Obdachlosen stößt die Stadt mittlerweile an ihre Grenzen. Gut 600 Menschen ohne Wohnung versorgt sie derzeit in öffentlichen Unterkünften. Dazu zählen vier Gemeinschaftsunterkünfte mit insgesamt 270 Plätzen sowie zahlreiche angemietete Wohnungen. Im vergangenen Jahr habe man bereits 100 Obdachlose zusätzlich unterbringen müssen, heißt es vonseiten der Stadt.

Da auch hier die Anmietung von Wohnungen immer schwieriger wird, hat sich die GBH entschlossen, ein neues Obdachlosenwohnheim zu bauen. Die Stadt rechnet damit, dass die Zahl der Wohnungslosen ab 2014 ansteigt, wenn immer mehr sogenannte Armutsflüchtlinge aus südosteuropäischen Staaten nach Hannover reisen. Für EU-Bürger aus Bulgarien und Rumänien gilt dann die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Sie haben Anspruch auf Hartz IV, müssen aber zuvor drei Monate lang einer Vollzeitbeschäftigung nachgegangen sein. Zudem erhöht sich der Druck auf öffentliche Unterkunftskapazitäten durch Bauarbeiterkolonnen, die für mehrere Wochen in Hannover arbeiten. „Mangels Alternativen schlafen die Arbeiter oft werktags in Obdachlosenunterkünften“, berichtet SPD-Baupolitiker Hermann. Hier müsse den Bauunternehmern genauer auf die Finger gesehen werden.

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