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Aus der Stadt Nur noch eine Straße ist gesperrt.
Hannover Aus der Stadt Nur noch eine Straße ist gesperrt.
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14:53 31.07.2017
Am Ihme-Zentrum hat der Fluss Radwege überschwemmt. Quelle: Behrens
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Hannover

Hannover hat das Schlimmste hinter sich: Das Leine-Hochwasser hatte laut Feuerwehr Hannover den Scheitelpunkt am Freitagabend erreicht, der gemessene Wert lag bei 5,80 Metern (+49,59 Meter über Normalnull). Ab Sonnabend war dann ein klarer Rücklauf zu erkennen: Der Pegel war am Abend auf 5,48 Meter gesunken. Trotzdem: „Nach jetzigem Stand wird uns das Hochwasser über das Wochenende begleiten“, sagt Achim Stolz, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Ein Schwanken von ein paar Zentimetern sei weiterhin möglich.

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Die Flutwelle der Leine aus dem Harz erreicht Hannover am Freitag. So sieht es derzeit in Hannover aus.

"Wir gehen davon aus, dass der Pegel nicht wieder steigt", sagt ein Sprecher der Feuerwehr Hannover am Sonnabend. Seit 22 Uhr am Freitagabend habe es keine größeren Einsätze mehr gegeben.

Vielerorts beginnen die Hannoveraner das Hochwasser als Freizeitspaß zu nutzen: zu einem Spaziergang im knietiefen Wasser, einen Ausflug auf Kanu oder Surfbrett. Doch das ist nicht immer ungefährlich: die Strömung ist mitunter stark und unter der Oberfläche des verschmutzten Wassers treiben Bäume, Äste und andere Gegenstände.

Nach dem Hochwasser kommt das Aufräumen

Das Wasser fällt – Sonntagabend hatte es etwa am Pegel Herrenhausen die Höhe von Mittwoch erreicht. Jetzt zeigen sich die Schäden. Das Volksbad Limmer etwa wird tagelang nicht nutzbar sein.  "Wir hoffen, dass wir spätestens Anfang nächster Woche wieder öffnen können", sagt Bernd Seidensticker, Präsident der Wassersportfreunde von 1898. Das schlammige Wasser muss abgepumpt, das Becken gereinigt werden. Auch sei die Technik in Mitleidenschaft gezogen. "Wir brauchen Unterstützung", sagt Seidensticker. Ein volles Schwimmbecken koste bis zu 8000 Euro: "Hoffentlich sagt der Ministerpräsident nicht nur, dass er unbürokratisch helfen will."

Beim Sportverein SG Limmer hat die Leine den A-Platz bereits wieder zurückgegeben, "auf dem B-Platz steht das Wasser noch zehn Zentimeter", sagt Spartenleiter Karl-Heinz Dohmeyer. Zwei Spiele am Sonntag hatte Dohmeyer bereits am Freitag absagen müssen. Die Kicker suchen derzeit ein Ausweichquartier, etwa eine Woche dürfte der Rasen laut Dohmeyer aufgrund der Nässe nicht bespielbar sein. Möglicherweise können die Fußballer den neuen Kunstrasenplatz auf dem Uni-Gelände nutzen. Besonders ärgerlich: Der Vereinsrasen war gerade erst für die neue Saison hergerichtet worden. "Jetzt kommen noch einmal Kosten auf uns zu", sagt Dohmeyer. Die Mitglieder schaufeln derzeit den Schlamm vom Spielfeld, damit dieser nicht trocknet und der Schaden nicht noch größer wird.

Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) berichtet derweil von einem "teilweise deutlichen Rückgang" der Pegelstände. Laut Behördensprecher Achim Stolz werde das Hochwasser allerdings "noch ein paar Tage andauern". Das Gröbste hätten Hannover und Neustadt aber überstanden. Derzeit habe der NLWKN noch den Unterlauf der Leine sowie die Aller im Blick.

Probleme am Deich in Ricklingen 

Im Stadtteil Ricklingen war außerdem eine größere Menge Wasser aus einem Gulli geflossen, der unmittelbar neben einem der geschlossenen Deichtore liegt. Diese werden laut Feuerwehr regelmäßig kontrolliert. "Die Deiche sind sehr empfindlich und durch das Wasser aufgeweicht", sagt die Feuerwehr und bittet Schaulustige, die Wasserschutzanlagen nicht zu betreten - durch die starke Strömung und Schlaglöcher sei dies sehr gefährlich.

"Wir waren gut vorbereitet"

Die Feuerwehr hat sich mit Sandsäcken vorbereitet. 2000 Stück liegen seit Mitte der Woche parat, jetzt wurde die Zahl auf 4600 aufgestockt. Bei Bedarf kann auf 100 000 erhöht werden. Feuerwehrchef Claus Lange lobt an der Benno-Ohnesorg-Brücke zwischen Calenberger Neustadt und Linden-Mitte die Präventionsarbeit der vergangenen Jahre. „Wir waren gut vorbereitet. Es ist wichtig, dass sich bauliche und organisatorische Maßnahmen ergänzen.“ In Ricklingen wurden das Falltor an der Düsternstraße sowie sämtliche Dammtore geschlossen, um die Wassermassen fernzuhalten. „Wir haben aus den Überschwemmungen der letzten Jahre gelernt“, sagt Claus Lange.

Kein Rekordhochwasser

Nach dem tagelangem Dauerregen in Südniedersachsen und den schweren Hochwasserereignissen im Harz war die Prognose für die Mitarbeiter des NLWKN nicht einfach. Sie hatten für Hannover auch ein Hochwasser mit Pegelständen jenseits 6 Meter nicht restlos ausschließen wollen. Das hat es in den vergangenen 80 Jahren nur einmal gegeben: 1946 brachen in der schwer kriegszerstörten Stadt die Dämme, Menschen waren zum Teil tagelang in ihren Wohnungen eingeschlossen, es drohte eine Hungersnot. Solche Szenarien hätten aktuell auch bei größeren Wassermassen nicht gedroht: Hannover hat in den vergangenen Jahren mehr als 30 Millionen Euro in Hochwasserschutz investiert, die Stadt sah sich gut gerüstet.

Nun blieb der Pegel-Höchststand noch deutlich unter dem Hochwasser von 1946 (6,44 Meter). Zum Vergleich: Die beiden anderen schlimmen Hochwasser der vergangenen Jahrzehnte teils mit schweren Schäden maßen 5,97 Meter (2003) und 5,89 (1981).

Kein weiterer Starkregen in Aussicht

Vor allem das stabile Wetter hat jetzt weiter wachsende Pegelstände verhindert. Bleibt es dabei, dass es nicht erneut regnet, könnte Hannover mit einem blauen Auge davonkommen. Völlig unklar hingegen ist, wann die Pegelstände in Hannover sinken.

Erste Straßen sind wieder frei

Am Montagmorgen wurde mit der Verbindung zwischen der Klappenburgbrücke und Seelze-Letter die erste Straße wieder freigegeben, im Laufe des Tages folgten fast alle weiteren. Laut Auskunft der Region ist nur noch die Kreisstraße zwischen Basse und Mariensee gesperrt.

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Treibgut an der Brücke vor dem Beginenturm.

Autos bleiben im Wasser stecken

Am Freitagmorgen mussten die Feuerwehrkräfte zu mehreren Einsätzen in Hemmingen ausrücken: Gleich drei Autofahrer hatten Absperr-Baken umfahren und waren auf gesperrten Straßen weitergefahren, woraufhin sie mit ihren Wagen im Hochwasser stecken blieben. Die Feuerwehr ließ die Fahrzeuge von einem Traktor aus dem Wasser ziehen. Ob die Fahrer für den Rettungseinsatz finanziell selbst aufkommen müssen, ist noch nicht klar.  

Sandsäcke ausverkauft

In einigen Baumärkten in Hannover und Umgebung sind schon alle Sandsäcke vergriffen. „Die Nachfrage ist immens“, sagt Petra Abel vom Hagebaumarkt in der Südstadt: „Normale Sandsäcke sind nicht mehr lieferbar, daher verkaufen wir jetzt Jutesäcke und Spielsand.“ Beim Obi-Markt in Linden waren Wasserpumpen am Freitag ausverkauft: „Viele Käufer haben sich vorsorglich eingedeckt, falls ihre Keller volllaufen“, sagt Geschäftsführer Swen Bilke. Auch Wathosen fanden reißenden Absatz: „An einem Tag ging ein gutes Dutzend weg“, sagt Siegfried Kapune vom Angelgeräteladen in der Goethestraße: „Ich musste nachbestellen.“

Auch in anderen Teilen der Region ist der Verkehr aufgrund der Flut eingeschränkt: die Buslinien 350, 363, 366, 410, und 510 der Üstra können ihre Strecken nur teilweise abfahren. 

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Freitagmorgen am Deichtor an den Ricklinger Teichen. Quelle: Facebook/Tobias Zelsius

Ricklinger Bad unter Wasser

Der Betrieb im Ricklinger Bad ist wegen des Hochwassers massiv eingeschränkt: „Wer zu uns will, muss barfuß oder in Gummistiefeln kommen – dafür hat er dann am heutigen Freitag freien Eintritt“, sagt Gerd Weßling, Vorsitzender des Vereins Aegir, der das Bad betreibt. Der nahe Ricklinger Teich und die Ihme sind über die Ufer getreten; das Nichtschwimmer- und das Plantschbecken laufen mit schlammigem Wasser voll und sind bereits gesperrt. Nur das höher gelegene 50-Meter-Becken ist noch benutzbar. Alle Deichtore an den Ricklinger Teichen sind wegen des Hochwassers mittlerweile geschlossen.

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Koldingen meldet Rekord-Pegelstand

Die Leine-Messstelle in Koldingen meldete am Donnerstagnachmittag den höchsten Wasserstand in seiner Geschichte: 5,01 Meter – der Pegel ist dort gestiegen, weil Wasser aus der Innerste, die Wasser aus dem Harzvorland nach Hildesheim führt, in die Leine fließt. Koldingen ist die letzte Messstelle, bevor die Leine das Stadtgebiet von Hannover erreicht. Den bisherigen Extremwert gab es im Jahr 2013, damals stand der Pegel bei 4,94 Metern. Am Freitagnachmittag ist der Stand leicht auf 4,98 Meter gesunken.

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Wassermassen ziehen nach Neustadt

Besonders Neustadt ist vom Hochwasser betroffen. Eine Hochwasserwelle hat in der Nacht zu Sonnabend die Stadt im Nordwesten der Region überschwemmt: Um 5 Uhr wies der Pegel an der Suttorfer Straße 5,07 Meter (plus 37 Meter über Meereshöhe) auf, um 8 Uhr waren es bereits 5,18 - Tendenz steigend. Große Flächen Wiesen- und Ackerlandes beiderseits der Leine zwischen Neustadt und Schwarmstedt werden mit großer Sicherheit überflutet.

Stadt Hannover sah sich für Pegelhöchststand gerüstet

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hatten sich am Freitagmorgen vom Feuerwehrdezernenten der Landeshauptstadt Hannover, Harald Härke, sowie Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange über den Hochwasserschutz an der Ihme informieren lassen. Anschließend besuchten sie die Ricklinger Teiche, wo später alle Deichtore geschlossen wurden. Man sei für alles unter einem Pegelstand von 6 Metern gewappnet, sagte Weil.

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Rettungssanitäterin Christiane Pottgießer bereitet am 28.07.2017 in Wolfenbüttel (Niedersachsen) ein Feldbett für Helfer vor. Dauerregen hat im südlichen Niedersachsen in einigen Orten zu Überschwemmungen geführt. Foto: Swen Pförtner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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