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Hannover Aus der Stadt Übersicht

Expo-Jubiläum

Hannover feiert beim Fest der Kulturen

48 000 Besucher lassen am Wochenende beim Fest der Kulturen das Expo-Gefühl hochleben – und lernen sich dabei besser kennen.

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Mit Afrobeat sorgte der südafrikanische Jazztrompeter Hugh Masekela am Sonntagabend für eine ausgelassene Stimmung beim Publikum auf dem Trammplatz.

Mit Afrobeat sorgte der südafrikanische Jazztrompeter Hugh Masekela am Sonntagabend für eine ausgelassene Stimmung beim Publikum auf dem Trammplatz.

© Martin Steiner

Bergen Saisamorn sitzt an ihrem Stand und ritzt Muster in Gemüse, und wie sie da so sitzt, ist sie ihre eigene, kleine Weltausstellung. Seit 24 Jahren lebt die Thailänderin in Hannover, es ist ihre Heimat geworden, sagt sie. Früher war ein „Kuhdorf auf dem Land“ ihr Zuhause, knapp 1000 Kilometer von Bangkok entfernt. Haben ihre Verwandten damals, vor zehn Jahren, irgendetwas davon gewusst, dass in der deutschen Stadt ihrer Tochter, Schwester, Enkelin eine Weltausstellung stattfand? Bergen Saisamorn lächelt. „Nein, das nicht.“

Vom Fest der Kulturen auf dem hannoverschen Trammplatz, das am Wochenende anlässlich des zehnjährigen Expo-Jubiläums zum ersten Mal gefeiert wurde und gleich rund 48 000 Besucher anlockte, weiß die thailändische Verwandtschaft sicher auch nichts. Manch einem Hannoveraner ist dagegen jetzt durch das dreitägige Spektakel vor dem Neuen Rathaus bewusst, dass es in Ahlem einen thailändischen Tempel gibt, der Wat Dhammavihara heißt. Und wer Frau Saisamorn beim Gemüseschnitzen gefragt hat, hat ein bisschen was darüber gelernt, wie die thailändische Gemeinde in Hannover ihre Gemeinschaft lebt.

Der Austausch zwischen den verschiedenen in Hannover lebenden Kulturen und Nationalitäten war allerdings nur die eine Sache beim Fest der Kulturen, bei dem erstmals der Masala-Weltmarkt und der Tag der offenen Tür im Rathaus zusammen gefeiert wurden. Die bunte Veranstaltung mit multikulturellen kulinarischen Ständen, Musik und viel Miteinander sollte beweisen, dass das internationale und fröhliche Flair Hannovers keineswegs ein nur auf die Weltausstellung beschränktes Phänomen war – so zumindest hatten es sich die Organisatoren ausgemalt. Dass dieser Eindruck tatsächlich entstand, dazu haben auch Musiker von Weltformat, wie die Jazz-Legende Hugh Masekela aus Südafrika am Sonntagabend, maßgeblich beigetragen. Bei seinem Auftritt war es ganz bestimmt da, dieses besondere Expo-Gefühl, das bei vielen Hannoveranern auch heute noch ein Kribbeln im Bauch auslöst.

Auch Adem Yigit kennt diese Emotion. Trotzdem scheut er den Vergleich mit der Weltausstellung. „Das ist etwas ganz anderes hier“, sagt der 37-jährige türkische Unternehmer. Und er meint es nicht im negativen Sinn. „Man kommt sich bei einer kleineren Veranstaltung viel näher“, sagt er. „Das sollte jedes Jahr wieder stattfinden.“ Das sieht im Übrigen auch Oberbürgermeister Stephan Weil so und kündigte am Montag bereits eine Fortsetzung des Festes für 2011 an.

Wer bis dahin nicht auf das besondere Bauchgefühl verzichten kann, der muss nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen: „Wir treffen uns jeden Tag im Tempel, wer Zeit hat, soll vorbeikommen“, sagt die Thailänderin Bergen Saisamorn. Da gibt es Deutsch- und Thailändischkurse, Boxtraining, Basteln und Kochen. „Wir essen zusammen, verbringen unsere Zeit da. Kommen Sie mal hin“, sagt sie und kramt eine Visitenkarte des Tempels hervor. Diese Tage vor dem Rathaus sind eine Gelegenheit, sich der Stadt vorzustellen, in der sie alle schon so lange leben.

Stephan Fuhrer 
und Felix Harbart

Zur Expo befragt: Verona Pooth und Stephan Weil.

Zur Expo befragt: Verona Pooth und Stephan Weil.

© Martin Steiner

Am Ende windet sich der Ablaufplan der „Schaubude“ des NDR, die an diesem wechselhaften Sonnabendnachmittag im Maschpark hinter dem Neuen Rathaus im Rahmen des Festes der Kulturen aufgezeichnet wird, mit dem Etikett „Werbestar“ heraus.

Tatsächlich ist Pooth, die damals noch Feldbusch hieß, für die Weltausstellung vor zehn Jahren ein veritabler Werbestar gewesen. Als die Expo auf konstant niedrigem Niveau vor sich hinzudümpeln drohte, holten ihre Macher die grammatikresistente Spinatwerbeikone Feldbusch und das omnipotente Zirkuspferd Sir Peter Ustinov nach Hannover, um der Expo mit frechen Werbespots auf die Sprünge zu helfen. Für den NDR der Anlass, Pooth jetzt, zehn Jahre später, gemeinsam mit den Herren Weil und Schmalstieg zurückblicken zu lassen. „Frau Pooth, haben Sie damals die Expo gerettet?“, fragt Moderatorin Sandra Eckardt. „Na ja, gemeinsam haben Peter Ustinov und ich sicher einiges bewegt“, sagt die Pooth.

Kritischer, wenn auch nur ein bisschen, sind da die Fragen, die sich Oberbürgermeister Stephan Weil von NDR-Mann Michael Thürnau anhören muss. Ob denn bei der Nachnutzung des Geländes alles ganz richtig gelaufen sei, will der wissen. „Zu drei Vierteln haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt der OB. Ein Viertel aber stehe, zugegeben, noch aus. Dabei lässt es Thürnau freundlich bewenden.

So hat Herbert Schmalstieg Zeit, noch einmal die alten Geschichten zu erzählen. Wie etwa, dass der mongolische Staatschef dachte, die 20 000 Menschen, die ihm vor dem Neuen Rathaus damals zujubelten, seien seinetwegen da und nicht wegen des Jazzfestivals am Himmelfahrtstag. Die Zuschauer lachen, Verona lacht, und Schmalstieg freut sich. Und einen Moment lang ist es wieder fast wie damals zur Expo.
Gesendet wird die „Schaubude“ aus Hannover am kommenden Freitag, 28. Mai, um 21.15 Uhr im NDR-Fernsehen.

Es war einmal: Weil erklärt Besuchern im Rathaus das Modell von Hannover im Jahr 1689.

Es war einmal: Weil erklärt Besuchern im Rathaus das Modell von Hannover im Jahr 1689.

© Martin Steiner

Wenn dort nicht debattiert, sondern besichtigt wird, ist dieser Sessel oft Gegenstand der fremdenführerischen Ausführungen. „Dort, wo Sie jetzt sitzen“, sagt also auch Oberbürgermeister Stephan Weil an diesem Tag der offenen Tür im Rathaus zu einer Besucherin, „sitzt sonst der Stadtkämmerer.“ „O Gott“, sagt die wie bestellt, und die Leute lachen. Zuletzt hat den Scherz Weils Stellvertreter Bernd Strauch vor Gästen aus China gemacht. Der Effekt ist stets derselbe, der arme Kämmerer kann einem leidtun.

Jedes Jahr führt der Oberbürgermeister eine Besuchergruppe durch das Neue Rathaus, und in jedem Jahr kann er dabei ehrliche Begeisterung demonstrieren. Nicht über den Energieverbrauch des 1913 erbauten Kleinods verschiedenster Architekturstile, wohl aber über schwungvolle Bögen, opulente Deckenfresken und strahlkräftige Gemälde. „Wenn wir uns heute ein Rathaus bauen würden, würde das ganz anders aussehen“, sagt Weil. „Deshalb bin ich ganz froh, dass wir dieses haben.“

Was wir auch haben in Hannover, sind Bausünden, und zwar nicht, meint Weil, aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, sondern aus den siebziger Jahren. „Das Ihme-Zentrum etwa würden wir heute so nie und nimmer zulassen“, sagt Weil und erwähnt auch noch das Kröpcke-Center, durch dessen Skelett sich zurzeit Bagger fressen, um die Spuren der Zeit zu tilgen. Das Rathaus aber kann bleiben, wie es ist.

Der Gang endet, wie stets, in Weils Büro, von dem aus man auf den Trammplatz und das Fest der Kulturen sehen kann. Er fühle sich wohl hier, sagt der OB, und ein kleines Mädchen macht sich an seine Weingummivorräte. Das kommt Weil entgegen. „Ich hab’ mir damit neulich eine Plombe rausgeholt. Da kann ruhig mal jemand anderes sein Glück mit versuchen.“


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