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Aus der Stadt Hannover friert bei arktischer Kälte
Hannover Aus der Stadt Hannover friert bei arktischer Kälte
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21:51 01.12.2010
Auf Teilen des Maschsees ist am Mittwoch eine dünne Eisschicht zu sehen. Quelle: Michael Thomas

In der Nacht zum Mittwoch haben die Meteorologen am Flughafen minus acht Grad gemessen – so kalt war es dort seit 1993 an keinem ersten Dezember mehr. Damals wurde in Hannover ein Wert von minus 9,1 Grad gemessen. 1973 waren es nachts sogar minus 17,1 Grad. Was den Hannoveranern gestern vor allem zu schaffen machte, war die gefühlte Temperatur: Klirrend kalte minus 15 Grad spürten die Menschen im Gesicht und an den Händen. Ursache war der kräftige, eisige Ostwind. Zumindest hier geben die Meteorologen Entwarnung: Am Donnerstag soll der Wind nicht mehr ganz so heftig wehen – die frostigen Wintertemperaturen hingegen bleiben. Der gestrige leichte Schneefall könnte sich am Donnerstag fortsetzen.

In den kommenden Nächten dürfte es bei klarem Himmel sogar noch kälter werden. Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach rechnet für Hannover mit Nachttemperaturen von bis zu minus zwölf Grad. Auch am Wochenende und darüber hinaus bleibt es voraussichtlich sehr winterlich, da sind sich alle Wetterexperten einig. Zum Wochenbeginn könnten die Temperaturen zwar auch auf Werte um null Grad steigen, aber in der zweiten Wochenhälfte ist schon wieder die nächste Kältewelle in Sicht.
Bis die Seen so weit zufrieren, dass man sie betreten kann, sind noch einige Tage mit knackigem Frost nötig. „Da braucht es die ganze nächste Woche noch mindestens minus fünf Grad“, sagte gestern ein Meteorologe vom Seewetteramt Hamburg. Die Eisfläche des Maschsees wird von der Stadt erst bei einer konstanten Stärke von 13 Zentimetern offiziell freigegeben. Zuvor ist das Betreten verboten und sehr gefährlich.

Auf den Straßen bestehe die Gefahr von Blitzeis, meint Karsten Brandt vom Wetterdienst Donnerwetter. Der Boden sei so kalt, dass Regen sofort gefrieren würde. Der für die Räumung der Straßen zuständige kommunale Winterdienst aha ist nach eigenen Angaben bereits einsatzbereit. Die privaten Fußwegreinigungen haben ihre Mitarbeiter gestern ebenfalls in Alarmbereitschaft versetzt. „Wir haben an alle Kollegen eine Einsatzwarnung herausgegeben“, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Fußwegreinigungsunternehmer, Frank Holz. Anders als aha dürfen die Fußwegreiniger trotz der Lockerung des Verbotes weiterhin kein Streusalz einsetzen.

Rekordverdächtige Kälte und Chaos in weiten Teilen Europas: Der Genfer Flughafen musste gesperrt werden und mehr als 10.000 Lastwagen standen still.

Lebensgefährlich sind die starken Minusgrade vor allem für die rund 300 Obdachlosen in Hannover. Die sogenannten „Sleep Ins“ wie der Bunker am Welfenplatz oder die während der Kälte geöffnete U-Bahn-Station Kröpcke bieten zwar Wärme. Viele Betroffene suchen derartige Unterkünfte aber nur in Notfällen auf. Nach den Erfahrungen des vergangenen Winters startet nun das von der Stadt finanzierte „Winternotprogramm“. Jeweils dreimal wöchentlich sind Sozialarbeiter im Stadtgebiet unterwegs. Unterstützt werden sie von der Johanniter-Unfall-Hilfe, die von Donnerstag an mit einem Bus warme Getränke und Decken an Wohnungslose verteilt.

Alle Hände voll zu tun hatten in den vergangenen Tagen die Heizungsinstallateure. „Wenn die ersten Frosttage kommen, merken die Menschen, dass ihre Heizungsanlage nicht funktioniert“, sagt Sascha Buchner vom gleichnamigen Bad- und Sanitätsfachgeschäft in der List. Auch das Heizöl wurde in vielen Haushalten knapp. Zahlreiche Bürger melden sich in diesen Tagen bei den Heizöllieferanten mit der Bitte, möglichst kurzfristig Nachschub zu bekommen. Die meisten Großbaustellen hingegen sind winterfest, etwa der Neubau von HDI-Gerling in Bothfeld, wo am Donnerstag hinter Planen mit Baustellenheizungen Richtfest gefeiert wird.

Mathias Klein, Heike Schmidt und Julia Pennigsdorf

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