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Aus der Stadt Hannover gedenkt der Bücherverbrennung
Hannover Aus der Stadt Hannover gedenkt der Bücherverbrennung
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15:32 03.05.2012
Von Tobias Morchner
Schriftstellerin Corinna Luedtke hat „Hannover im Wort“ ins Leben gerufen. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Wenn die Schriftstellerin Corinna Luedtke ihre Projekte öffentlich vorstellt, geht das meist nur mithilfe der Polizei. Zu oft ist die Autorin, die sich intensiv mit der Zeit des Dritten Reichs beschäftigt, massiv von Neonazis bedroht worden. So saßen bei Lesungen aus dem Buch „Schreiben gegen das Vergessen“, das Luedtke gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Albert-Einstein-Schule im Sommer 2010 verfasste, regelmäßig Beamte des Staatsschutzes mit im Saal.

Jetzt hat die Literatin gleich eine ganze Veranstaltungsreihe aus der Taufe gehoben. Und erneut stehen die schlimmen Vergehen in der Zeit um 1933 im Mittelpunkt. Bei „Hannover im Wort“ soll an vier Tagen mit Konzerten und Lesungen in der ganzen Stadt an den Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten erinnert werden. Am 10. Mai 1933 ließ das NS-Regime an dem in den Maschwiesen gelegenen Bismarckdenkmal – an dieser Stelle befindet sich heute der Maschsee – die Bücher von jüdischen, liberalen und pazifistischen Autoren in Flammen aufgehen. Studenten und Dozenten der hannoverschen Hochschulen brachten die Werke unter anderem von Karl Marx, Erich Kästner oder Kurt Tucholsky dorthin und setzten sie in Brand.

Mehr als ein Jahr lang hat Corinna Luedtke für diese Veranstaltungsreihe gearbeitet. „Mit dem Projekt soll unter anderem der authentische Ort der Bücherverbrennung in Hannover wieder ins Bewusstsein gerückt werden“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Zunächst konnte sie Oberbürgermeister Stephan Weil und Regionspräsident Hauke Jagau von der Gedenkveranstaltung überzeugen. Gemeinsam konnten sie die TUI-Stiftung als Sponsor gewinnen. Anschließend machte sich die Autorin an die Zusammenstellung des Programms. Es gelang ihr, die Fernsehjournalistin Lea Rosh, den Kabarettisten Matthias Brodowy, Satiriker Dietmar Wischmeyer, Hannovers Schauspielintendanten Lars-Ole Walburg und den Rapper Spax neben zahlreichen anderen Prominenten für das Projekt zu begeistern. Sie werden am Nachmittag des 10. Mai auf dem Opernplatz aus den Werken der von den Nazis verfolgten Schriftsteller lesen.

Am Abend vor der zentralen Gedenkveranstaltung wird auf dem Maschsee der historische Ort der Bücherverbrennung sichtbar gemacht werden. In Höhe der Geibelbastion wird ein Boot der Üstra-flotte auf den See hinausfahren. Erreicht es die Stelle, an der einst das Bismarckdenkmal gestanden hat, schaltet der Kapitän einen großen Scheinwerfer ein, um so den Ort der Bücherverbrennung zu kennzeichnen. Das genaue Programm der Veranstaltungsreihe findet sich unter der Adresse www.hannover-im-wort.de.

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