Hannover. Gewerkschaften und Arbeitgeber haben aus diesem Anlass bundesweit zu einer Schweigeminute aufgerufen. Die hannoverschen Politiker schließen sich dem Aufruf an. Sie sind bei Weitem nicht die Einzigen, in Hannover könnte es heute Mittag ziemlich still werden. In der Kuppelhalle des Rathauses schweigen um 12 Uhr nicht nur die Ratsmitglieder, sondern auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Zuvor wird Oberbürgermeister Stephan Weil eine ganz kurze Ansprache halten. Im Regionshaus treffen sich die Bediensteten zum gemeinschaftlichen Gedenken auf der sogenannten Galerie. Im Landtag, der gerade Sitzungswoche hat, wird ebenso geschwiegen wie in den Ministerien.
Die Kirchen haben ebenfalls zur Schweigeminute aufgerufen. Landesbischof Ralf Meister sagt, Christen seien in die Verantwortung gerufen, sich gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit und Gewalt in unserer Gesellschaft zu wehren „und dafür zu sorgen, dass sich rechtsextremistisches Gedankengut nicht weiter ausbreitet“. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann will um 12 Uhr in der Marktkirche sein, um gemeinsam mit den dort versammelten Menschen ein Zeichen gegen rechte Schandtaten zu setzen. Eine Andacht oder Musik sind in der Marktkirche ebenso wenig wie in den anderen Kirchen vorgesehen. Die Schulen in der Stadt planen Schweigeminuten in ihren Pausenhallen.
Niedersachsens IG-Metallchef Hartmut Meine ist sich sicher, dass viele Betriebe dem Aufruf folgen werden (siehe Interview). Komplizierter wird es im Nahverkehr. Busse und Bahnen der Üstra sollen um 12 Uhr die nächste Station anfahren und dort für eine Minute den Verkehr unterbrechen. „Wir werden mit Lautsprecherdurchsagen und Stationsanzeigen den Anlass der Aktion erläutern und die Fahrgäste um einen Moment der Stille bitten“, kündigt Unternehmenssprecher Udo Iwannek an. Die S-Bahnen und die Regionalzüge werden dagegen nicht halten. Bei der Deutschen Bahn, die ihre Beschäftigten zum Schweigen aufgefordert hat, nennt man dafür sicherheitstechnische sowie betriebliche Gründe. Viele Eisenbahnunternehmen, in der Region beispielsweise Erixx, wollen ihre Fahrgäste mit Durchsagen auf die stille Minute hinweisen. Bei der RegioBus ist derlei nicht geplant, wie ein Sprecher sagt. Auch Anhalten an der nächsten Haltestelle sei nicht möglich, weil die Busse im Umland auf längeren Strecken als in der Stadt unterwegs seien.
Bei den Radiosendern passt Schweigen eigentlich nicht zu Daseinszweck und Geschäftsmodell. „Wir nehmen die Sache sehr ernst und werden die Gedenkminute ankündigen sowie über die Aktionen berichten“, sagt Ina Tenz, Programmdirektorin von Radio ffn. Funkstille wird in der Minute nach der Mittagsstunde aber nicht herrschen. Tenz nennt dafür einen technischen Grund: Nach 30 Sekunden ohne Sendesignal springe automatisch ein Notband an, von dem aus Jingles und Musik aus der Konserve ausgestrahlt werden. „Das ist eigentlich eine Vorkehrung für den Fall, dass es technische Probleme gibt“, erklärt Tenz. Ähnlich liegen die Dinge laut Chef vom Dienst Achim Wiese bei Radio Leinehertz.
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