Hannover. Die Aussicht auf einen Winterausflug bei strahlendem Sonnenschein verursachte besonders am Sonntagnachmittag ein reges Treiben auf den Eisflächen von Maschsee, Maschteich oder Herrenhäuser Graft. Weil die Stadt allerdings das Betreten des Maschsees noch nicht erlaubt, scheuchten Mitarbeiter der Maschseeverwaltung und Streifenwagenbesatzungen der Polizei in regelmäßigen Abständen Eisläufer vom See. Etliche Personen wurden ermahnt und mussten die Flächen verlassen. Die Polizei fuhr am Sonntag Patrouille auf dem Radweg am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer und trieb die Menschen zum Teil mit Lautsprecherdurchsagen vom Eis.
Schon am Freitag hatte die Stadt angekündigt, den Maschsee am Wochenende nicht zum Betreten freizugeben. Mitarbeiter der Verwaltung hatten weniger als sieben Zentimeter Eisstärke gemessen – zu dünn, um ein sicheres Betreten zu gewährleisten, hieß es am Freitag. Die nächste Messung soll erst am heutigen Montag erfolgen. Eingebrochen sei am Wochenende allerdings niemand, berichtete die Polizei am Sonntagabend. Trotzdem gilt: Erst wenn das Eis überall mindestens 13 Zentimeter dick ist, darf der Maschsee betreten werden. Selbst wenn das Eis an einzelnen Stellen schon dick genug sei, könne es anderswo noch gefährlich dünn sein. Eisflächen anderer Gewässer gibt die Verwaltung grundsätzlich nicht frei, das Betreten geschieht auf eigene Gefahr.
Die Freigabe des Maschsees wird mit dem Hissen von zwei großer Flaggen angezeigt: Es handelt sich hierbei um zwei rot-weiße Stadtflaggen (mit Wappen) - je eine am Nord- und eine am Südufer. Nicht zu verwechseln mit den Fahnen von Hannover Marketing- und Tourismus-GmbH, die mit dem neuen-Hannover-Logo am Nordufer bis zum 10. Februar wehen.
Am Wochenende zog es diejenigen, die sich an das Maschseeverbot hielten, vor allem auf den Maschteich hinter dem Neuen Rathaus und auf die Graft rund um die Herrenhäuser Gärten. Viele Jugendliche hatten Hockeyschläger und Puck dabei und zeigten ihr Können beim Eishockey. Familien ließen es zumeist ruhiger angehen. Sie schlenderten gemütlich über die mit leichtem Pulverschnee bedeckten Eisflächen oder zogen den Nachwuchs auf Schlitten hinter sich her. In jedem Fall sorgten ein blauer Himmel und durchgängiger Sonnenschein für ein rundum eisiges Vergnügen.
Vor Anker in Anderten
Der Dauerfrost ermöglicht etlichen Hannoveranern den ersten Ausflug aufs Wintereis – bei den Binnenschiffern aber sorgt das Eis für eine eher unangenehme Zwangspause. Sechs große Containerschiffe liegen derzeit an der Anderter Schleuse vor Anker, weil sie ihre Fahrt über den Mittellandkanal nicht fortsetzen können. „Die dicken Eisschollen könnten die Schiffschraube beschädigen – und das kann teuer werden“, berichtet Eugeniusz Winnicki. Der 57-Jährige ist Kapitän der „Odin“, die auf dem Rückweg von Schweringen bei Nienburg in ihren Heimathafen Hamburg war, als der Wintereinbruch sie kalt erwischte. Gemeinsam mit seinem Steuermann Jarek Mazur hat der Pole bereits am Mittwoch entschieden, in Hannover haltzumachen. Sicher ist sicher.
Seitdem vertreibt sich die zweiköpfige Besatzung des leeren Frachters mit einer Ladekapazität von 1251 Tonnen die Zeit – vornehmlich mit fernsehen in der gut beheizten Kabine. Doch ab und an findet sich auch im Maschinenraum ein Zeitvertreib. „Endlich einmal Zeit, altes Schmierfett zu erneuern, etwas zu streichen oder Feineinstellungen vorzunehmen“, sagt Winnicki. Bei einem 850 PS starken Motor, der Dutzende Quadratmeter Fläche im Schiffsbauch einnimmt, finde sich immer etwas. Die beiden Polen rechnen damit, noch rund eine Woche in Hannover „überwintern“ zu müssen. Einmal am Tag spazieren sie zum rund zwei Kilometer entfernten Supermarkt, um ihre Vorräte aufzustocken – und um sich beim Bummel durch Anderten ein bisschen die Zeit zu vertreiben.
Michael Soboll
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