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So gut ist die Open-Air-Oper

"La Traviata" im Maschpark So gut ist die Open-Air-Oper

Die Karten waren lange ausverkauft – und doch konnten Tausende die Generalprobe für die Verdi-Oper „La Traviata“ Donnerstagabend live miterleben. Der Maschpark hinter dem Rathaus verwandelte sich in eine Opernarena mit Zaungästen, die auf Picknickdecken lagerten und das Bühnengeschehen auf einer Videoleinwand verfolgten.

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Alles ausverkauft: Für die Oper "La Traviata" haben sich 15.000 Hannoveraner am Maschpark eingefunden.

Quelle: Dröse

Hannover. Das ist echtes Vertrauen: Marianne Zeroll und ihre Freundinnen haben bereits nachmittags um 15 Uhr ihre Campingtische im Maschpark aufgestellt – und sind dann weggegangen und haben sich darauf verlassen, dass abends um 21 Uhr zum Beginn der Freiluftoper "La Traviata" alles noch da sein würde. Sie wurden nicht enttäuscht.

Hunderte von Menschen haben sich zum Picknick zur Generalprobe von "La Traviata" hinter dem Neuen Rathaus eingefunden.

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„Hannover ist ehrlich“, sagt Zeroll. Sie und ihre Musikfreundinnen Ulrike Beußer, Heide Beußer-Böhme und Renate Hungershöfer-Kuntze hätten eigentlich zu einer Opernaufführung nach Bregenz fahren wollen – aber für das besondere Verdi-Erlebnis im Maschpark haben sie auf die Reise verzichtet und sich gemeinsam mit Ingeborg Rundermann zum Opernpicknick verabredet. „Durch das Picknick ist es hier sehr viel familiärer“, strahlt Beußer.

Das Wetter spielte entgegen allen Vorhersagen prächtig mit. Tatsächlich füllte sich der Maschpark in den Stunden vor Aufführungsbeginn zunehmend – wenn es auch zu kuriosen Verwechslungen kam. Als ein junger Mann im Auftrag des NDR Programme verteilte und auch den jungen Leuten, die nahe dem Spielplatz gegenüber vom Landesmuseum eifrig auf ihre Handys starrten, welche in die Hand drücken wollten, waren diese bass erstaunt. „Passiert hier irgendetwas Besonderes?“, fragte einer geradeheraus. Der Ort ist seit zehn Tagen Lieblingstreffpunkt der Freunde des virtuellen Monsterspiels Pokémon, und einige von ihnen blieben tatsächlich auch und lauschten den Opernklängen.

Tausende Menschen sind zur öffentlichen Generalprobe von "La Traviata" in den Maschpark gekommen.

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Die weitaus meisten aber waren gezielt gekommen. Sylvia Baranowski etwa, die ihre Tochter Anna mit in die Oper nimmt, seit diese 14 ist. Inzwischen ist Anna Becker 26 und sagt: „Wir bekommen immer eine Gänsehaut in der Oper.“ Und ihre Mutter lobt, die Oper im Maschpark, mittlerweile eine Tradition des NDR im dritten Jahr, überzeuge besonders wegen der „Nettigkeit, dass man sich hier im Vorfeld trifft“.

2000 Opernfans haben sich Karten für die Generalprobe gesichert und sitzen auf Stühlen zwischen dem Gartenrestaurant des Neuen Rathauses und der schwungvollen Seebühne. Doch die Akustik auf den Gratisplätzen im Garten ist nicht viel schlechter, loben viele. NDR-Fernsehchefin Marlis Fertmann, die das Freiluftspektakel in Hannover erfunden hat,

Die Stadt, die das ganze Event personell und organisatorisch unterstützt, hat gegenüber vom Landesmuseum eine Leinwand aufstellen lassen, auf der das Bühnengeschehen übertragen wird. Auf dieser Seite des Maschparks ist das Gedränge besonders groß.

Für die Aufführung von Verdis La Traviata am Sonnabend sind alle Karten längst vergriffen. Doch auch dann wird die Oper erneut in den Maschpark übertragen. Beginn ist erneut um 21 Uhr. Wer das Opernspektakel lieber im heimischen Garten (oder bei schlechtem Wetter im Wohnzimmer) verfolgen will, kann den Livestream auf haz.de sehen. Ab 21.45 Uhr gibt es dann eine Aufzeichnung im NDR-Fernsehen.

Von Nils Oehlschläger

So klingt die „Traviata“-Probe

Der Jubel kommt spät. Dafür fällt er umso heftiger aus. Marina Rebeka breitet schon bei ihrem letzten langen Ton des ersten Aktes die Arme zur großen Geste auf, aber der Applaus lässt noch einen Moment auf sich warten: Anders als in vielen Opernhäusern der Welt wartet das Publikum im Maschpark, bis auch das Orchester fertig gespielt hat. Und das Zuhören lohnt sich – selbst die Schlussfloskeln künden von dem fabelhaft kernigen Klang, mit dem die Musiker der Radiophilharmonie unter Leitung von Keri-Lynn Wilson der Musik jene klebrige Süße austreiben, derer sie manchmal verdächtigt wird. So ist die Klangbühne, die wieder mit Geschmack und Verstand elektronisch verstärkt ist, für die Sänger bestens bereitet. Die Chöre danken es mit bemerkenswerter Präzision. Und die Solisten werden ihrem guten Ruf auch schon in der Probe voll gerecht: Francesco Demuro schont als Alfredo seinen lichten, angenehm kontrolliert geführten Tenor auch in den Spitzentönen des zweiten Aktes nicht, und Marina Rebeka tönt mit voller und weicher Stimme so sinnlich, dass man leicht versteht, warum alle diese Violetta lieben. Thomas Hampson schließlich macht mit großer, eleganter Stimme und eindringlicher Phrasierung den Germont zur dritten Hauptfigur. Bessere Werbung kann eine Probe kaum machen: Das Kommen lohnt am Sonnabend auf jeden Fall. Auch ein zweites Mal.

Stefan Arndt

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