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Hannover glüht vor: Heiligabend in der Markthalle

Weihnachten 2015 Hannover glüht vor: Heiligabend in der Markthalle

Wen man im Gewimmel auch fragt: Es scheint unverzichtbare Tradition zu sein, den Heiligabend in der Markthalle einzuläuten. Viele Hannoveraner nutzten die Gelegenheit, um vor dem Festtagsmarathon noch einmal mit Freunden oder Kollegen in feucht-fröhlicher Runde zusammenzukommen.

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"Mir wurde das genetisch so eingeflösst": Hannover feiert den Heiligabend-Vormittag in der Markthalle.

Quelle: Dillenberg/M

Hannover. "Mir wurde das genetisch so eingeflösst", sagt Larissa Barth (26) lachend, "dass man das hier in Hannover so macht". Sie sitzt mit ihren Eltern Rüdiger (62) und Michaela (59) bei einer Flasche Prosecco mit Orangensaft auf der Empore, wo es etwas ruhiger zugeht als unten in den Gängen. Ihr Vater ist auch häufiger hier: "Ich mag die Atmosphäre, ich gehe auch sonst oft hierher. Das ist wie auf Mallorca, da gibt es ja ganz ähnliche Markthallen", sagt er. Sie essen noch ein paar Häppchen, bevor es später getrennt nach Hause geht. "Wir sehen uns erst morgen wieder, hier kommen wir aber am Heiligabend zusammen", sagt Michaela.

Traditionell herrscht an Heiligabend-Vormittag wieder Hochbetrieb in der Markthalle.

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Gelöst wirken die vier Freundinnen Kathrin (32), Sabrina (31), Miri (30) und Vera (31). Die vier Blondinen kennen sich seit der Schule und kommen nun seit 15 Jahren am Heiligabend hier zusammen. "Bei uns gibt es dann immer Prosecco", sagt Kathrin. "Es ist eine schöne Tradition geworden", ergänzt Sabrina. Schnell wird noch ein Gruppenfoto für Facebook geschossen - als diesjährige Erinnerung.

Auch die sechs Freunde Christoph Meyer (28), Yin Lam (28), Jan Lundberg (27), Christopher Raulf (27),  Matthias Plenge (28) und Robin Kühn (28) treffen sich seit ihrem Abitur am Lehrter Gymnasium jährlich hier auf ein paar Gläser Bier, bevor das Fest zuhause eingeläutet wird. "Das machen wir jetzt seit fast zehn Jahren so", sagt Matthias. Sein Freund Christoph ist aus Köln angereist, Jan kommt aus Göttingen. Für alle ist dieser Termin selbstverständlich. Die Vertrautheit und Entspanntheit dürften deshalb nicht (nur) an der erst zweiten Runde Bier gegen 11 Uhr liegen.

Einen etwas weiteren Weg hat Siegfried Franzelin zurückgelegt. der 56-Jährige kommt aus Oberösterreich und besucht nahezu jedes Jahr seine Schwiegereltern hier in Hannover. "So etwas wie die Markthalle gibt es in der Form bei uns in Oberösterreich nicht", sagt er. Seit mehr als 20 Jahren komme er hierher und zeigt belustigt ein Foto - die Freunde am Tisch kennen es bereits und lachen. "Das wurde 1995 aufgenommen", erklärt er. Seine Tochter Katja (22), die heute auch mit ihrem Freund dabei ist, trägt er auf dem Bild auf den Arm. Trubelig war es auch damals schon hier.

Siegfried Franzelin kommt seit mehr als 20 Jahren hierher. Das Foto wurde 1995 aufgenommen. Tochter Katja (22), die heute auch mit ihrem Freund dabei ist, trägt er auf dem Bild auf den Arm. 

Quelle: Dillenberg/Repro

Bereits in Festtagszwirn, in Hemd und dunkelblauen Blazern bei Vater und Söhnen, steht Familie Erdmann-Jesnitzer beim Italiener und frühstückt. "Mein Mann ist hier, seit er ein Kind ist. Und seitdem wir uns kennen, komme ich eben mit", sagt Nina (42). Das geht nun schon 15 Jahre, inzwischen mit den beiden Kindern Leonard (9) und Julius (6). "Aber wir müssen auch bald heim, die Geschenke sind noch nicht verpackt", sagt sie. 

Ein wenig verloren steht die 33-jährige Sylvie Hartwig mit ihrer dreieinbhalbjährigen Tochter Finnja auf dem Arm im Gang. Ihr Mann, der sich hier seit über 15 Jahren mit seinen Freunden trifft, nimmt sie seit zehn Jahren mit. Es sei gut, noch einmal kurz rauszukommen aus den eigenen vier Wänden, "bevor die Weihnachtsfeiertage zuhause losgehen", sagt sie.

Marisa Fittje sticht in der Masse von dunklen Wintermänteln besonders hervor: Als blonder, weißgekleideter Weihnachtsengel erlebt sie das Geschehen von der anderen Seite: am Tresen des Bayernhauses Bavaria Catering & more... Die Mutter ihres Freundes, Simone Zschaler, betreibt die Catering-Firma. Marisa, die eigentlich Immobilienkauffrau ist, arbeitet bereits über drei Jahre als Aushilfe am Wochenende und an Feiertagen hier. "Heute sind die Leute aber wesentlich entspannter", sagt die 24-Jährige. "Die Atmosphäre ist friedlicher und die Leute, auch die Kollegen sind weniger gestresst."

Damit beschreibt sie den Vormittag sehr gut: Um 12 sind - auch wenn es voll ist - weniger Menschen dort als an einem üblichen Samstag. Mehr Alkohol steht auf den Tischen, Sekt und Bier vornehmlich, die Stimmung ist gelöst, entspannt und fern von Alltagsstress. Man prostet sich zu und lässt das Weihnachtsfest langsam auf sich zukommen. Familie und Freunde - das steht heute hier im Zentrum.

Von Katharina Derlin

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